Freitag mit roten Strumpfhosen in Nordkorea

Fahnenappell. Graue Uniformen,graue Gesichter, trostlose Kühle. Nur Kim strahlt.

Ich trage dicke wollene rote Strumpfhosen, solche die ich als Kind gehasst habe, und falle schon allein deshalb auf. Mein Nachbar warnt mich mit Blicken und stößt mich am Ellbogen an. „Nicht aus der Reihe tanzen.“ Die Strumpfhosen leuchten im Einheitsgrau. Keine Chance nicht aufzufallen.

Letzter Morgen im Försterhaus. Ich grüsse die neunzig Jahre alten Dackel bevor ich Kaminholz hole. Heute kein Feuer entscheide ich dann, sonst fällt der Abschied zu schwer.

Die Kohlmeise holt sich die gelbe Wolle.

Meine Woche mit den Kindern beginnt. Ich richte mich in Karlas ehemaligen Zimmer ein. Es ist winzig. Wo reduziere ich?

Bin froh nach dieser arbeitsreichen und schönen Woche ins Wochenende zu starten.

Donnerstag mit Moritz und Wolf

Fast ist diese Woche geschafft
Ich bin jeden Morgen gegen 6.00 Uhr in eisiger Kälte aufgewacht, habe völlig übermüdet Feuerholz geholt, den Kamin entzündet. Erst dann gab es den Kaffee. Anderes Haus andere Rituale

Im Garten finde ich zwei Grabsteine, Beide beziffern ein Datum in den dreissigern. Moritz würde nur 6 Jahre alt, bei Wolf lässt es sich nicht mehr entziffern.

Eine Zeit stehe ich fragend davor.

‚ Die Dackel vom Förster damals“, sagt M.

Die Geschichte dieses Hauses wüsste ich gern.

Ich muss nun Sachen packen.

Mittwoch mit inaktiven Mandelkern

Geschlafen. Alles steht und fällt mit dieser Statusmeldung.

Wir haben eine Wohnsitzlösung gefunden. Danke an die die geholfen haben. Und danke als Wort ist hier wenig aussagekräftig für das was ich empfinde, ohne die Möglichkeit zeitweise außerhalb des Hauses zu wohnen, würde alles wohl sehr viel schwieriger sein.

Der Mandelkern im Gehirn scheint auf stumm geschaltet zu sein. Ein Gefühl von Kraft und Kälte, seltsam

Ein Rotkehlchen badet in der Vogeltränke. Ich nehme mir vor dem Rotkehlchen im ehemaligen zu Hause auch eine Tränke zu bauen.

Was mir zu Gute kommt: dass mein Herz nicht an materiellen Geschichten hängt. Zum Glück war und ist das weitgehend unbedeutend für mich. Selbst Bücher haben ihren Reiz verloren. Überlege entweder Auto oder E-Bike abzuschaffen.

Dienstag mit Nachtigallg

Gegen 3.00 Uhr begann die Nachtigall zu singen

Nachgedacht, nicht geschlafen.

Auch über die Zeit in der ich Karla in Hamburg begleitete.

X. war praktisch zwei Jahre alleinerziehend gewesen, mit Anna und Julius. Da hat er den Rücken freigehalten.. Auch bei anderen Sachen.

Ich täte trotzdem gut daran, zu einem anderen Zeitpunkt nachzudenken. Ohne Schlaf wird es langsam mühsam. So jetzt Feuer machen. Und Kaffee, Gott sei gedankt für den Kaffee

Montagmorgen

Das Feuer in Gang zu bekommen ist die erste Aufgabe des Tages. Soll es gegen 7.00 Uhr warm sein, muss ich loslegen. Das Holzscheit ist zu gross, ich Versuche es wieder und wieder. Wildgänse ziehen.

5.59. übermüdet. Warum ich seit Tagen nicht schlafen kann, entzieht sich meinem Verständnis. Ich gehe hinaus in die morgendliche Kühle Feuerholz zu holen. Die Wetter App zeigt ein Grad. Die Vögel singen trotzdem
Das Haus noch in Winterstarre beginnt sich zu rekeln. Eine arbeitsreiche Woche die da vor mir liegt. Im Garten streunt eine fremde Katze Ein neuer Tag

Freitag

Die Menschen die am Haus vorbeigehen halten oft einen Coffee to Go in der Hand. Wahrscheinlich holen sie sich links vom Haus den Kaffee um nach rechts zur Arbeit zur gehen.

Eine Kohlmeise baut sich ihr Nest aus bunter Wolle.

Nachdem es gestern bis in die Nacht dauerte bis ein gemeinsamer vorläufiger Plan stand, schlief ich ein. Endlich.

Tief, traumlos.

Der neue Morgen: Es gibt keine Dusche, aber warmes Wasser. Kein Survivaltraining, nur die Wärme ist ein Problem und das fehlende W-Lan Netzwerk zu dem ich keinen Zugang bekomme.

Doppelresidenz. Ich werde mich raffen müssen heute, das Nichtstun hat ein Ende. Nur noch einen Kaffee , bevor ich ins Homeoffice wechsle. Homeoffice ohne Home und W Lan, dafür mit Stille . Vermutlich wird word vorerst ausreichend sein müssen.

Nach dem Tauchgang

Für Magda

“ Windstille. Sonnenschein. Ich schwamm unter Wasser. Und als ich zwanzig Jahre später wieder auftauchte, stellte ich fest, dass ein Unwetter ausgebrochen war, ein brodelnder Aufruhr, und ein wütender Sturm peitschte Wellen über mir auf.

Das Leben bricht auseinander. Wir versuchen es in die Hand zu nehmen, versuchen es zusammenzuhalten.

Wenn die Liebe Sprünge bekommt, dringt die Nacht ein. Und die dauert endlos. Sie ist voller zorniger Gedanken und Vorwürfe, und die quälenden Selbstgespräche verstummen auch nicht, wenn es hell wird. Das ist für mich eigentlich das Schlimmste: das meine Gedanken quasi beschlagnahmt werden.“

Ich dachte klar und fokussiert. Mit fünfzig, in einem Alter, in dem angeblich die Knochen ihre Robustheit verlieren, wurde ich körperlich stark. Ich hatte Energie, weil mir nichts anderes übrig blieb.“

Aus : Was das Leben kostet von Deborah Levy

Ostermontag mit Rückblick-Ein ganz normaler Tag mit Selbstoptimierung

Das Leben soll mir nicht zwischen den Fingern zerrinnen, während ich Kalorien zähle und versuche dem Bild zu entsprechen, welchem ich vielleicht meine entsprechen zu müssen.

Morgens versteckt der Gatte Schokoladenhasen. Die jungen Erwachsenen in unserem Haus wollten auf dieses Ritual nicht verzichten.

Der Morgen beginnt mit Carolin Emcke : „Journal“ und einem Kaffee. Die Vögel werden gefüttert. Ich weiß nicht was in der letzten Zeit mit der Zeit los ist. Mir bleibt nie genug vom Tag übrig.

Jogamatte raus, Ausdauertraining 1 h mit Gaby Fastner. Der Muskelkater von der gestrigen Wanderung mit Lina steckt mir noch in den Muskeln. Wir sind fünf Stunden unterwegs gewesen.

Osterfrühstück mit der Familie. Ich belasse es bei Quark mit Nüssen. Ich tracke das Essen bei My miracle. Bisher ist es mir nur selten gelungen die vorgegebene Menge einzuhalten.

Die Teenies sind gut gelaunt. Karla hat Osterkuchen gebacken und möchte ihn ihren Freundinnen vor die Tür stellen. Natürlich taucht die Frage auf ob das Coronakonform ist. Wir winken es durch. „Stell es vor die Tür okay?“

Zeit für mich. Ich lese, schreibe, die Kinder kochen. Es gibt Brathuhn mit in winzige Stückchen geschnittene Bratkartoffeln, Salat und Bruschetta. Mein Programm ist gemein. Nur eine kleine Portion.

Am Nachmittag fahren wir an die Geltinger Birk. Es stürmt und regnet. Ein kleiner Kiosk bietet einheimisches und selbstgemachtes. Wir sehen ein paar Kormorane, ein paar Möwen, ein paar Outdoormenschen.

Am Abend bin ich super müde. Laut meinem Zählwerk steht mir wegen des Mittagessens nichts mehr zu. Ich esse dann trotzdem ein Marzipanbrot. Es ist schließlich Ostern. -17

„Was für ein Unsinn“, hatte Karla gesagt, als sie den gestrigen Kommentar zu meinem Gewicht hörte. Die Person weiß nichts über dich. Nicht wie hart du an dir arbeitest und damit meine ich nicht dein Gewicht. Sie hat keine Ahnung wo du stehst. Ich werde nie verstehen warum Frauen sich untereinander so etwas antun. Du hättest ihr sagen sollen, dass Rauchen und Tanzen sich nicht sonderlich gut vertragen und ihre geistige Schulung ist dadurch sicher auch blockiert. . Sie soll dem Nikotin abschwören, dann seht ihr euch wieder. „

Ich wollte nie, dass das Gewicht für mich Thema wird, ist es aber trotzdem ich den Index sprenge. Im Arztbericht des behandelnden Orthopäden stand : adipöse Patientin. Damals war ich bei 80 kg.

Ist es das was ich für mein Leben will? Eine Fixierung auf mein Essen, mein In und Output?

Das Leben soll mir nicht zwischen den Fingern zerrinnen, während ich Kalorien zähle und versuche dem Bild zu entsprechen, welchem ich vielleicht meine entsprechen zu müssen.

Habt einen schönen Ostersonntag