Dienstag

Es ist von außen nicht zu verstehen, warum Ingeborg Bachmann an der Trennung mit Max Frisch zerbricht.

Sie hat ihn vier Jahre lang am langen Arm verhungern lassen. Die Verlusterfahrung wiegt dennoch schwer. Die Biografin führt es auf eine schockartige Verlusterfahrung in der Kindheit zurück.

Und sonst?: Die Arbeitszeit im Nebenjob kommt meinem Biorhythmus entgegen.

Sehr.

Lazy morning, vielleicht der letzte für einige Zeit.

Montag mit Jaques Brel

Grand Jacques https://g.co/kgs/m9nmJ3

Jaques Brel ist Abiturstoff in Belgien, das erfuhr ich heute.

Mein Feierabendplatz : auf dem Fensterbrett, Brel hörend, Erinnerungen nachhängend.

Einer der Orgeln baute, sang sich in der Freizeit auf Bühnen die Seele aus dem Leib. Fiebrig, an beiden Enden brennend.

Orly

La Quete

Eines Abends bei einer Aftershowparty gab er mir das Mikro in die Hand.

Ich glaub es war Ne me Quitte Pas, was ich wählte.

Weißt du noch?, fragte B. als wir in Italien in der Kapelle gesungen haben.

B. hatte die Brel Songs auf deutsch gesungen. Ich glaube es waren Dietrich Versionen. Ich kannte bis dahin nur Klaus Hoffmanns Adaptionen.

Später sang Dirk Schäfer diese Songs, mit seiner krassen Gruppe in Kiel. So genial.

Ich weiß nicht wie oft ich in diesen Konzerten war. Oft. Sehr oft.

I. fertigte zu meinem Geburtstag ein Mobile aus Eintrittskarten.

Erinnerungen am Montag.

Freitag mit obdachlos

Karla und ich flanierten unter den Arkaden, als ein Obdachloser mit voll beladenen Bollerwagenähnlichen Gerat an uns vorüber zog.

„Ich weiß nicht wozu ich da bin!“ Ich hasse dieses Leben. Ich hasse diese Welt! Wozu der ganze Scheiss! Was soll das?“

Er blieb an einem Schaufenster stehen.

Hilft wahrscheinlich nicht“, sagte ich, „aber wenn sie wollen können sie sich davon einen Kaffee kaufen. „

Es waren zwei Euro, nichts von Belang. Aber er strahlte, bedankte sich und begann zu resümieren, wann denn der Tag wäre wo das Fest stattfinden würde.

Er lächelte auch später noch.

Ich wünschte ich könnte das.

Gearbeitet. Ich liebe diesen Job, das bleibt.

Ein wunderbarer Tag. Shoppingtour und Frühstück mit Karla. Später diese coole Arbeit. Und am Wochenende ist in meiner Straße, mit der neuen kleinen Wohnung immer immenser Publikumsverkehr. Man braucht kein Fernsehen.

Dienstag mit Lied

Aufgewacht nach einem Traum : Flashmob in der Kirche. Eine Geige und ein Typ am Keyboard spielten ein Lied von Grönemeyer. Die gesamte Kirche erfüllt vom Hall , Publikum sammelte sich.

Im wirklichen Leben:

Anna feiert ihren zwanzigsten.

Große Vermissung.

Das Ebike gegen ein selbst zusammen geschraubten Fahrrad eingetauscht. Quer durch die Stadt zur nächsten Einarbeitung. Ein paar Vertretungsschichten am Rande Kiels.

Besuch von B. Im Schrevenpark hatten wir uns vor 19; 5 Jahren kennengelernt. Weder Anna noch Mila waren des Laufens schon mächtig, aber sitzen in der Sandkiste ging. Stell dir vor hatte B. damals gesagt, mein Mann sollte heute wickeln. Er hat die Windel falsch rum angezogen, die feuchtigkeitsabweisende Seite nach innen

Ich hatte damals gedacht, dass Annas Vater so etwas niemals passieren würde und das machte mich freudig gestimmt fast stolz.

Zurück zum Traum: ich wollte eine Rede halten von der Empore der Kirche. Aber der Pfarrer legte dem Arm lächelnd um meine Schulter, schüttelte sanft den Kopf und hielt mir den Mund zu.

Das Lied war überall. Der Keyboarder fast im Trance sang mit jeder Faser seines Seins.

Samstagszitate-beklemmende Bildkraft

„Der Prosazyklus „Todesarten“, der das Schreiben ihres letzten Lebensjahrzehnts beherrschte, legt wie kaum ein anderes Werk dieser Generation die inwendigen Verbindungen von faschistischen Erbe und einer latenten Gewaltbereitschaft des Einzelnen in demokratischen Gesellschaften offen.

Dass der Krieg zwischen den Geschlechtern und Rassen sich nicht nur auf den offen erklärten Krieg beschränkte, sondern gerade im vermeintlich friedlichen Zusammenleben seine monströse Sprengkraft behielt, hat Ingeborg Bach-Mann in beklemmender Bildkraft offen gelegt.“

Andrea Stoll “ Der dunkle Glanz der Freiheit“

Samstag mit Sinn

„Die Verletzung ist die Hebamme des Neuen, des Unterschieds.

Sie alle leiden unter dem Geschwätz und suchen nach einer Möglichkeit, ihm zu entkommen, die Stille zu erreichen, in der die Zeit steht.“

Vor die Wahl gestellt, viel Geld zu verdienen oder an der nie dagewesen Uhr zu bauen, entscheidet sich der Uhrmacher, nach nur kurzem Zögern, für die Uhr.

Der Uhrmacher arbeitet nicht des Geldes wegen. Er braucht es, wie jedermann, für die grundlegenden Bedürfnisse.“

“ Die Uhr“ v. Uwe Tellkamp

Auf dem Weg nach Hamburg um Tellkamp gegen Bachmann zu tauschen .