Und dann Shakespeare Buchfund

Da Karla behauptet man könne Wege auch gehen statt sie für viel Geld mit der Strassenbahn zu bewältigen, waren wir per pedes zum Hygienemuseums unterwegs. Unterwegs fand Karla dieses.

Kein Fake einfach Zufall. Siehe vorheriger Beitrag: Karlas Wunsch es mit Shakespeare aufzunehmen

Macbeth ist aus dem Rennen.

Dienstag mit: unterwegs in Dresden -weißer Hirsch- Schloss Pillnitz und Proust lesen- Die Gefangene- Wagner

Mit dem Rad an der Elbe entlang. Es ist drückend heiss. Irgendwann zeigt Karla auf die linke Seite- lass uns dort hochfahren. Ein Streit. Karla gewinnt, als ich sehe, dass das wo sie hin will der Weiße Hirsch sein muss. Tatsächlich ducken sich kleine Läden, so wie Tellkamp es beschreibt. Die Fleischerei ist geschlossen, die Inschrift verblichen. Wir betreten den in den Fels gehauenen Eingang der Standseilbahn. Nur wenig später setzt sich das Vehikel in Bewegung. Fauchend, qietschend , scheppernd. Auf der Mitte des Weges nach oben bleibt es stehen. Technische Störung. Zeit Dresden von oben zu betrachten. Irgendwann geht es weiter. Am Luisenhof steigen wir aus, vorbei an der Sternwarte Manfred von Ardenne in Tellkamps Turm Arbogast, auch das Tausendaugenhaus sehen wir. Ausgetretene Steinstufen , Eidechsen gleiten über die sonnenbeschienen Steine. Das Wasser ist alle. Ich habe Durst.

Karla will weiter, sie wollte ein Schloss und ist wenig begeistert über meine Langsamkeit. Ich will auf den Spuren Tellkamps wandeln-sie will ein Schloss-Ich bin genervt. Sie gewinnt. Mit dem Rad zunâchst noch an der Elbe entlang, später auf Kopfsteinpflaster bergauf Richtung Pillnitz.

Schloss Pillnitz

Besichtigung. Wir beginnen im Park zu lesen. Karla ist nun auch mit der Animal Farm durch und sagt, sie würde gern mal Shakespeare lesen, im Original. Ich halte das für zu früh. Vielleicht könnte sie mit Macbeth anfangen, in der Oper hat sie als Statistin mitgewirkt. Sie war noch keine sieben Jahre alt. Macbeth ist bis heute ihre Lieblingsoper. Es regnet stärker. Lass uns trotzdem fahren, sagt sie. Wir

geraten in ein heftiges Sommergewitter. Heißer Sommerwind, pladdernder Regen, Fahrt über Kopfsteinpflaster, während die Brille nicht mehr zu benutzen ist, die Schminke brennend in die Augen läuft. Wasser quillt aus den Gullis, schiesst aus den quellartigen Brunnen, sammelt sich in unebenen Wegen. Das Wasser steht in den Schuhen, rinnt aus der Kleidung.. Wir erreichen unser Ziel irgendwie. Mit Karla Rad zu fahren gleicht einem Bootcamp.

Abends eine Serie ihrer Wahl auf Netflix. Ein heftiger Allergieschub ob der südlichen Sphäre lässt meine Augen Tuschwellen.

Trotzdem lese ich noch bis in die Nacht über Wagner. Hinterhofgeräusche. Billie Eilish.

Proust-Ausführungen über Wagners Musik die heraushebt aus dem Alltagsdasein, die schafft was Marcel in der Liebe und auf Reisen vergebens sucht, die Empfindungen eines anderen zu verstehen.

Ich arbeite nach, Tristan und Isolde und Lohengrin.

Und Wagner nochmals

Weiterhin Marcel und Albertine und die Psychologie der Besessenheit . Las ich.

Für dieses Jahr nehme ich mir den Ring vor.

Vorblick heute-Besuch des Hygienemuseums.

Montag mit: unterwegs in Dresden und Proust lesen- Die Gefangene

Lieber N.

die Tage haben ihre physische und psychische Eigenständigkeit, schreibt Proust. So steht dieser Tag für mich unter dem Stern der Dankbarkeit. Ohne dein Wohnungsangebot wäre dieser Urlaub in Dresden nicht möglich gewesen.

Vielen Dank für das liebevolle und herzliche Willkommen, für deinen klugen und humorvoll geschriebenen Reiseführer voller Insidertipps, danke für das Nutzungsrecht deiner Hausbibliothek, danke an deine Kinder für die Kuscheltiere.

Ich habe mir den kleinen Hund herausgesucht, weil er mich an ein Kuscheltier aus meiner Kindheit erinnert.

Der Wasserlilie geht es gut, nur der Basilikum macht mir Sorgen. Dürfen wir die Tomaten auf deinem Balkon ernten, während ihr auf den Spuren Perseus wandelt ?

Ich habe mir heute morgen die griechische Mythologie aus einem deiner Bücherregale genommen. Proust bezieht sich auf Ixios und die Danaiden. Egal was ich im Moment lese, immer bin ich aufgefordert nachzuarbeiten .Mal ist es die Aufklärung, mal Wagner, mal die griechische Mythologie. Ein Fass ohne Boden ist meine Unwissenheit.

Gestern sind Karla und ich am Elbufer entlang geschlendert, bis plötzlich die Altstadt Dresdens am Horizont auftauchte. Du kannst dir nicht vorstellen, welch überwältigenden Eindruck dieses Bild bei uns hinterließ.

Auf uns , die geprägt sind von der überragenden Architektur Kiels.

Wir haben die Frauenkirche gesehen, sind am Albertinum vorbei im schweigenden Staunen.

Was für eine unglaublich schöne Stadt. Es ist das erste Mal, dass wir überhaupt die Mittel haben einen Urlaub dieser Art zu verbringen und ohne deine Hilfe wäre er nicht möglich gewesen.

Danke.

Karla will heute ein Schloss sehen, ich überlege welche Wahl zu treffen ist- Pillnitz oder Meißen?

Proust: schreibt über Marcels Wahn über jede Bewegung Albertines informiert zu sein. Darf man Marcel als Stalker bezeichnen?

Sonntag mit Zuggesprächen und Proust lesen- Die Gefangene

Zwei Anfangzwanziger lassen sich vom Schaffner Spielfiguren und Würfel bringen und spielen“ Mensch ärgere dich nicht auf kompliziert.

A zu B: “ Kannst du dir das vorstellen? Der deutsche Staat nimmt Steuern für die Regentropfen die auf mein Grundstück prasseln.“

B: naja muss ja irgendwohin ablaufen

A schweigt

2. Junge Mutter zu Kind: „Du kannst so schön ausmalen, warum kritzelst du denn nur?“

Vater zu Kind mit sarkastischem Tonfall: “ Nur noch drei Stunden.“

Kind zu Vater: “ Aber das habe ich gekauft!“

Vater: “ Ja und ich habe es bezahlt“

Person A zu Person B: In der Fremdenlegion bekommt man nach ein paar Jahren eine neue Identität.“

Ich zu Karla: Schau , Plan B

Kind zu Vater: “ Ich schau mir die Schienen von hinten an.“

Kind zu Vater: sind wir bald da?

Vater zu Kind: Schau das ist unser Kuchen. Der hat vier Stücke. Ein Stück haben wir schon gegessen, drei müssen wir noch essen.

Kind: Aber wir haben doch gar keinem Kuchen

Proust: Marcel sinniert darüber, dass eine bestimmte Frau nur so lange begehrenswert ist solange die Distanz besteht, heißt das Wesen reine Projektionsfläche ist.

„….die Distanz, die wir zu überbrücken träumten, existiert dann nicht mehr.“

Weiterhin empfindet man Eisenbahnwagen der ersten Klasse nicht mehr unbedingt als interessanter und schöner als die Markuskirche in Florenz.

„Auf alle Fälle hörte ein Eisenbahnwagen erster Klasse wieder auf, a priori als schöner denn die Markuskirche zu gelten.“

Radfahren, Golfkleidung, Polomütze, gehören nicht mehr nur der Oberschicht

Milchmädchen auf die Frage Marcels was sie trüge: “ Das ist meine Golfjacke“, antwortete sie mir. Denn infolge des üblichen Niedergangs aller Moden waren Kleidungsstücke und Bezeichnungen, die vor einigen Jahren noch der verhältnismäßig eleganten Welt der Freundinnen Albertines vorbehalten Schienen, jetzt zum festen Bestand der Arbeiterinnen geworden “

Samstag mit Zweifel

Karla fragt, ob es nicht auch sein könne, dass alles was wir Vergangenheit nennen, außerhalb unserer eigenen Erinnerung nicht existiert. Was, fragt sie, wäre, wenn wir unsere Vergangenheit nur innerhalb unserer eigenen Vernetzungen im Gehirn, träumen?

( ich muss sie noch Mal fragen, wo der Grundimpuls herkam)

Auch bei Orwells 1984 findet sie diese Gedanken wieder.“ Ich hasse das“ , sagt sie. “ Das ist so wie bei Shutter Island. Nichts ist so wie man denkt das es ist. „

Währenddessen mache ich via der Proust Lektüre Bekanntschaft mit Descartes, der offensichtlich auch alles in Zweifel zog.

Samstag mit Marktszene, Eifersucht – Proust und über das Lesen

Marcel sieht die Welt ausschließlich durch das Objektiv seiner Leidenschaft. ( FAZ vom 16.7.2001)

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-im-geissblatt-eine-ganze-welt-132812.html

Er hält Albertine, ohne Zweifel prägt er sie, für sein Werk.

Die Marktszene noch einmal in Angriff genommen, weil ich sie ungeduldig überflogen hatte. Und siehe, es war mir einiges entgangen.

Albertine schlägt vor, nur noch mit Sachen zu kochen bzw. kochen zu lassen die rufend auf dem Markt angepriesen werden. Marcel wird offensichtlich bange beim Gedanken an das ausschließlich regionale Einkaufen und schlägt vor , doch das ein oder andere zu bestellen. Der Grund:

„Mit Grauen aber dachte daran, wie lange ich bis zu den Gundeltrauben noch mit Albertine zusammenbleiben mußte.

Marcel ist Opfer seiner Inversion , so lese ich es in diesem Artikel der FAZ. Heißt: ist Albertine ihn nah, will er weg. Ist sie ihm fern, will er ihr nahe sein.

Weiterhin: alles in die Hölle der Eifersucht hinabziehen. Nichts ist mehr sicher , alles wird in Zweifel gezogen.

Lektion die Albertine Marcel gibt, Begehren und Bindung stehen in keinem Zusammenhang( FAZ)

Fußnote weist daraufhin, das das Selbstpastiche , Markt- Essen ein Glanzstück ist.

Und sonst?: Tellkamp kommt mit.

Freitag mit Tellkamp, Reisevorbereitungen für Dresden und Proust lesen – Die Gefangene

Soll Tellkamp mit auf die Reise nach Dresden?

Eine Gewissensfrage.

Ich habe “ Der Turm“ von Uwe Tellkamp mehrmals gelesen. Ein Roman den ich für hervorragend halte, weil er eine Atmosphäre erschafft, die noch erinnerbar, aber unwiederbringlich verloren ist.

Das Leben auf dem weißen Hirsch unter dem Radar. Literatur und Musik als Ausdruck von innerer Emigration und stiller Rebellion.

Ein Abgesang auf das Bildungsbürgertum. Ein Abgesang auf die DDR.

Kann man Tellkamp mit auf Reisen nehmen, trotz seiner Nähe zum Buchhaus Loschwitz und anderen sich am rechten Rand befindenden Institutionen?

Und sonst?

Entdeckt den Job des : Nachtbürgermeister’s

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nachtb%C3%BCrgermeister

dieses Comic : Das Überleben der Spezies von Paul Jorion Gregory Makies

Und dieses Bild von Paul Klee Angelus novus

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Angelus_Novus#/media/Datei%3AKlee-angelus-novus.jpg

Proust: Albertine ist mit Marcel auf dem Markt. Es zeigt sich deutlich, die detailverliebtheit Proust. Puh…Fordert meine Geduld über alle Massen.

Montag mit Kiel und Proust lesen–die Gefangene

Die Frage was im Herbst zu wählen ist bleibt unbeantwortet. Ich fühle mich von keiner Partei vertreten.

Neoliberalmismus, Klimawandel, Fragen über Fragen und kaum Antworten die Antworten wären.

Lese erstmalig wieder Zeitung. Mein Gott was für ein verheerendes Hochwasser.

Gelernt: Karla betreibt Austeritätspolitik.

Proust : Marcel macht sich über eine vergangene Verliebtheit Gedanken und reflektiert: hätte er nur schneller der Verliebtheit die Stromzufuhr entzogen, im Sinne von daran Denken, wäre es viel schneller vorbei gewesen.

Bei Albertine scheint ihm das nicht zu gelingen. Vielleicht weil es keine Verliebtheit ist, sondern reines besitzen wollen. Hat Marcel eigentlich einen Freundeskreis? Einen guten Freund? Ich verstehe diese Albertinegeschichte nicht. Sie machen sich das Leben gegenseitig zur Hölle.

Sonntag mit Abschied von dem Spirit Lodge Hostel und Leipzig

https://www.spirit-lodge.de/

Das ist der Link zum schönsten Hostel das ich bisher besucht habe.

Und ich bin schon in vielen Hostels gewesen.

Dieses ist in Leipzig Plagwitz und mit so einer besonderen Atmosphäre, dass ich trotz völlig erschöpften Zustands zur Ruhe finden konnte. So viel Liebe zum Detail, so viel Andacht zum Kleinen.

Wir fühlten uns hier so schnell zu Hause, dass wir Abstriche an unseren Programm vornahmen.

Und Sebas der als gute Seele des Hostels immer für Fragen offen war, Tipps gab.

Es ist also nicht nur ein Abschied von Leipzig, es ist auch ein Abschied von einem wunderbaren, magischen Ort.

Samstag: unterwegs in Leipzig – Schritte zu gehen- Proust lesen- Auf der Suche nach der verlorenen Zeit- Die Gefangene-

Morgens durch das noch ruhige Leipzig zu Saskia spaziert.

Ich bin selten neidisch. Jetzt war ich es. Wir standen in Saskias Dachgeschosswohnung und ich erblasste vor Neid.

Ein sehr gutes Frühstück im Cafe. Wir bewegten Themen wie Studiumswünsche von Karla, Hobbys, Musik und Südamerika. Saskia hatte eine Zeit dort gelebt und Karla erfuhr zum ersten Mal von der Zeit der Militärdiktatur. Und von H.I.J.O.S.

Wir kauften das Buch: Drei Minuten Wirklichkeit von Wolfram Fleischhauer.

Später: Noch einmal haben Karla und ich Leipzig durchstreift.

Diese kreative, vor Energie sprühende Stadt. Es fällt wirklich nicht leicht nach Hause in den Wohnwagen zurückzukehren. Was deutlich geworden ist, ist dass sich an dieser Stelle etwas ändern muss.

Grundlegend.

Ich bin mir nicht sicher, wo mich diese Veränderung hinführen wird und wie gross der Schritt ist der zu gehen ist. Nur gemacht werden muss er.

Proust: Marcel verliert sich in Eifersuchtsphantasien, weil Albertine zu den Verdurins möchte.

Man möchte Marcel zurufen: „Verdammt lebe endlich!“