Samstag mit No shopping und der Einrichtung einer Bleibe

Nach dem beschlossen war, dass ich aus dem Wohnwagen in die feste Bleibe des Hauses überwechseln sollte, bestand die Aufgabe darin, ohne Geld etwas Neues zu erschaffen.

Jedes Möbelstücke erzählt seine eigene Geschichte. Nach dem der alte Teppich rausgerissen und ein Terazzoboden zum Vorschein kam, brauchte es als erstes ein Bett und Gardinen.

Die Gardinen bekam ich von Jana geschenkt, diese hatte sie ihrerseits von ihrer Grossmutter geschenkt bekommen.

Ein Bett bekam ich on einer jungen Familie am Rande der Stadt.

Das nächste und wichtigste: der Lesesessel. Zwar verfügte ich über einen wunderschönen Sessel von Ikea, der zum sitzen aber leider völlig unbrauchbar ist

So wurde es dieser hier:

Nicht unbedingt modern oder schön, aber ungemein gemütlich. Ein junges Paar, dass Platz für ihr Fitnessrad brauchte, gab ihn ab. Im Fenster ein Plakat: leave no one behind.

Es gab noch ein paar Ableger von Pflanzen dazu.

Flankiert wird der Lesesessel nun von einem Drachenbaum:

Dieser musste einem kleinen Hundewelpen weichen, der am nächsten Tag in diesem schönen Haus am Meer einziehen sollte. “ Ich habe den Kampf verloren“, sagte die junge Frau bedauernd. Eine abenteuerliche Fahrt mit dem kleinen Grauen und offenem Dach durch das die Blätter des Drachen wehten..

Der Kronenleuchter, abgegeben von einer jungen Frau, die befürchtete das ihre Decke zu niedrig sei und sie sich den Kopf stoßen würde.

Hinzu kam noch dieses Eckregal:

Der betagten, aber vor Leben sprühenden etwa achtzigjährigen Dame war wegen Eigenbedarf gekündigt worden. Sie gab uns auch die Teppiche mit, die nun im Proberaum einer Jugendeinrichtung ein neues Leben erfahren.

Die Salzlampe bekam ich von Jana geschenkt, den Tisch von einer jungen Familie.

Das Projekt werde ich erst einmal so weiter führen. Das Langzeitziel: ein ausgebauter VW Bus mit dem ich dann losziehen werde, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Letztendlich beruht diese Zielvorstellung

Irgendwann einmal auf eine lange Reise aufzubrechen auf einem Gespräch mit dir Billa.

Du musst Reisen, sagtest du. So habe ich dich kennengelernt. Deutschland wird dir auf Dauer nicht genügen können

Bis dahin heißt es sparen.

Mittwoch mit Schleppfuss

Hätte ich meine Heimatstadt Halle an der Saale mit anderen Augen gesehen, wenn ich auf Dr. Faustus Wegen gewandelt wäre?

Im Traum im Auerbachs Keller gesessen,

Stimmengewirr, Krüge voller Bier. Einer am Tisch mit dunklen Augen und schwarzen Locken, erklärt etwas, was ihm wichtig erscheint, niemand versteht ihn. Die Konzentration ist nicht da, der Geist vom Rausch benebelt.

“ Meinen sie das kühne, disziplinierte Gehen des eigenen Weges?“ rufe ich über den Tisch. Der Lärm verschluckt die Worte fast.

Er sieht lange hinüber, nickt dann langsam, wie wiedererkennend.

Dr. Faustus: Schleppfuss taucht aus dem Nichts auf. In den Kommentaren steht, etwas von :das plötzliche Auf und später wieder Abtauchen, würde implizieren, dass Schleppfuss extra für Adrian Leverkühn geschickt wurde.

Ach ich liebe diese karmischen Gedankenspielereien, sie laden alles mit Sinn auf. Ohne Sinn geht es irgendwie schlecht .

Km

Montag- Notizen zu Dr. Faustus- Thomas Mann- Halle

Zweistündige morgendliche Wanderung mit Janas Hunden.

Das Dreiergespann reagiert auf fast unmerkliche Korrekturen ohne Zögern, obwohl ich mit ihnen allein unterwegs bin. Beeindruckend.

Später die Teppiche, die an die Jugendeinrichtung gehen sollen, gereinigt. Im Vorgarten die Wege freigelegt. So vergeht der Sonntag.

Jana diagnostiziert Trauermücken an meinen Pflanzen, fast symbolhaft.

Julius ist nach Hause zurück gekehrt, Anna nach einem Konflikt, hat das Haus erneut verlassen. Nach wochenlangem WG Leben fällt das Einordnen ins ohnehin schon labile Familiensystem nicht leicht. Auch x. und die Hunde werden heute eintreffen.

Dr. Faustus/ Thomas Mann: Adrian hat begonnen in Halle zu studieren. Heimatstadt. Ich kenne bisher jeden Ort den Thomas Mann beschreibt.

Auf dem Vielbeschriebenen “ Roten Turm“ hat mein Vater Reden geschwungen in gewohnt doppelbödiger Manier, aber das gehört nicht hierher)

Serenus Zeitblom/ der Freund und Biograf Adrian Leverkühns, erscheint fasziniert und gebannt von dem Wesen seines Freundes

„…ja dessen Werden, dessen Lebensfrage mich im Grunde mehr interessierte als meine eigene.“

Studium der Theologie: Entelechie als „Engel des Einzelwesens, des Genius seines Lebens, auf dessen wissende Führung es gern vertraut.“

„Möge dein Engel sich klug und treu erweisen „

( Zitat Dr. Faustus/ Thomas Mann/S 140)

Sonntag mit Bestärkung und Musiktheorie

Der Morgen beginnt gegen Fünf mit Erklärvideos zu Fuge und Kontrapunkt.

Später Eichendorff, Schuhmann, Mendelssohn. Brahms zieht mich in seinen Bann.

Tage geprägt von stetiger Arbeit am Haus. Der Nachtschlaf viel früher als gewohnt endet in einem ebenso ungewohnt frühen Morgen. Diese morgendlichen Stunden ermöglichen Konzentration.

Dr. Faustus: Du sagst : es bedürfe nur eines offenen Verstandes und Herzens.

Die Bestärkung machte mir Mut dran zu bleiben.

Dennoch: ohne musiktheoretische und philosophische Grundlagen geht es nicht.

Der Verstand hat etwas zu tun. Gut so.

Nachtrag: Heinrich Heines Reisebilder sind die Entdeckung des Tages.

Freitag mit Jahreszeit ausziehender Ehemänner

“ Mein Ehemann ist ausgezogen, jetzt muss alles neu “ Die Frau zeigt uns das mitzunehmende Möbelstück.

Melancholie des Herbstes.

Jana, Julius, Karla und ich wuchten das Mobiliar durch die enge Tür .

Diese klare, kühle Herbstluft.

Das Mobiliar wird verfrachtet und festgezurrt.

Ich wende mich um, sage leise zu der ehemaligen Eigentümerin:

“ Scheint die Jahreszeit der ausziehenden Ehemänner zu sein. Meiner ist auch weg. Ich glaube, manchmal ist es gut, wenn etwas enden darf was keiner mehr so wollte. „

Ich lächle ich ihr zu. Den Kollateralschaden einer zu Ende gegangenen Ehe laden wir im Vorort wieder aus, wuchten den Tisch aus dem Auto. Ein vorbeikommender Nachbar hilft. So ist das hier im Vorort, denke ich. Eigentlich ist es wirklich schön hier zu wohnen.

Eichhörnchen springen geschäftig von einer Straßenseite zur anderen. Wir bereiten die Höhle für den Winter vor.

Und sonst?: Dr. Faustus: Adrian Leverkühn beginnt mich in seinen Bann zu ziehen. Was für einen Protagonisten hat Mann da erschaffen! Man will das Buch gar nicht mehr zur Seite legen.