Nochmal Sonntag 2. Advent mit Weihnachtskonzert

Wenn man anstatt den Refrain mitzusingen aufsteht, dann mutet es fast als ein Akt von Rebellion an. Oder zumindest von: Wir finden einen Weg. Maskiert im Konzert. Ein Highlight trotzdem. Das Digitale kann das nicht ersetzen, kann nur ein Trostpflaster sein, ein nicht aufgeben wollen. Man will leben nicht nur überleben, und Kultur ist im Maul des Drachen sitzen und trotzdem Freude empfinden. Sagt Powy.

Ich will nicht zu pathetisch werden, aber ohne Kultur ohne Konzerte, Theater, Lesungen etc. blute ich aus.

Dieses Konzert made my day.

Wer behauptet, das ganze ginge ohne Zweifel doch auch gut digital, hat meiner Meinung nach, ach ich finde keine Worte.

Und sonst: Danke Reiner für den Film. Geht an die Substanz. Vielleicht hast du ja auch noch einen Buchtipp? Ich kann werfel nicht lesen, er schreibt mir zu blumig. Ich bekomme es nur schwer mit dem überein über was er berichtet.

Auf dem Weg nach Hause nachgedacht und beschlossen zu Dr. Faustus zurückzukehren.

Immer noch den Traum im Kopf: von Kultur im Untergrund. Diese Pandemie ist so unendlich ermüdend, trotz Boosterimpfung. Man will einfach nur noch das es aufhört.

Sonntag mit Powy und Werfel- 2. Advent

Aufgestanden, als die Katze mit anklagendem Miauen den Sonntagmorgen verfluchte, der ihr jedesmal, aber auch wirklich jedesmal, den Rhythmus durcheinanderbringt.

Das Spiegelbild warf mir ein vom wirrem Haar umkränztes kreidebleiches Gesicht zurück. Als hätte ich auch physisch Dantes Höllenkreise durchquert.

Lese Werfel.

Wie kann es sein, dass ich vom Genozid an den Armeniern so gar nichts wusste?

Lese die 40 Tage des Musa Dagh.

Grinsekatz, du hattest mir einmal kurz darüber geschrieben. Ich googelte nach, verstand aber nicht.

Die 40 Tage des Musa Dagh

Der Protagonist, Armenier ist nach langen Jahren in Frankreich an den Musa Dagh zurückgekehrt und erfährt aus einer sicheren Quelle, das eine Bedrohungslage besteht. Er soll Schweigen bewahren. Ein Wissen, dass ihn aus ausschließt aus dem friedlichen Alltag der Nichtsahnenden. Umsonst versucht er seine Frau (Französin ) zu überreden, die Scheidung zu vollziehen und das Land zu verlassen. Sie sitzen in der Falle.

Gestern Abend eine Einladung für Elektra in Hamburg bekommen. Danke Yulia, habe mich so gefreut.

Andreas von Wald und Höhle hatte in diesem (verlinkten) Blogbeitrag so darüber geschrieben, dass ich beschloss die Oper mir bei nächster Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Ich sagte den Bremenbesuch erneut ab, bzw. verschob ihn zugunsten von Hamburg. Karla braucht Lesenachschub aus den Bücherhallen, werde das verbinden.

Auch Powy gelesen, am Morgen. Highsmith mochte ihn nicht besonders, aber ich kann ihm viel abgewinnen.

Ein Weihnachtskonzert heute. Ich komme langsam in die Aufrechte

Träume von Reisen in Zügen, in denen Kultur im Geheimen stattfand. Corona hatte das kulturelle Leben im Schlaf bereits eliminiert oder zu einem Nischendasein verdammt.

Habt einen schönen Sonntag und einen schönen 2. Advent.

Samstagnachmittag Göttliche Komödie beendet- Lesemarathon beendet

Jetzt kann ich sagen: ich habe sie gelesen:)! in einem 17 Stunden währenden Kraftakt habe ich die Göttliche Komödie bewältigt. Waren Hölle und Fegefeuer oft auch schillernd, spannend lehrreich, ironisch, klug, humorvoll, so blieb mir das Paradies bis zum Schluss verschlossen.

Es wird Zeit mich zu bewegen, Karla muss zur Probe gebracht werden und meinen Kreislauf wird ein Spaziergang ankurbeln. Ich bin erschöpft vom Herumliegen.

Es wird mit Franz Werfels Die 40 Tage des Musa Dagh weitergehen, aber erstmal brauche ich eine Pause. Auftauchen, Gehen, Aufräumen, putzen. Irgendetwas nur keine Kopfarbeit.

Mein Gott, es dunkelt schon wieder.

Was seit Jahren nicht mehr funktionierte, gelang jetzt. Das Lesen über Stunden, die Konzentration..Es ist wie Weihnachten. Was den Umschwung genau ermöglichte, ist mir nicht klar. Aber es war Oscar Wildes De Profundis- was den Auftakt bildete. Nahezu mühelos las ich es von Beginn bis Ende.

Ich habe das Lesen zum zweiten Mal erlernt.

Samstag mit Göttlicher Komödie- Paradiso

Mein Körper besteht auf dem Gewohnheitsrecht. Zum Sonnenaufgang aufgewacht. Vier Stunden Schlaf.

Peruanischer Kaffee, der Tote auferstehen lassen könnte.

Die Nachteulen schlafen, nur Karla bereitet sich auf den Verkehrsübungsplatz vor. Sie liebt den Bulli.

Julius sagte bei seiner Heimkehr, gestern nacht es sei vorerst der letzte Nachtausflug gewesen. Dieses stehen und Trinken in der Menge sei nicht sein Ding. “ Ich finde auch, dass es zu dir – jedenfalls derzeit- nicht passt.“

Glücklich erscheint er bei der Arbeit oder beim Handwerken.

Ich irre durch Canto 13, von Ruhm ist die Rede, von Armut und wo man rechte Nahrung findet. Von der Liebe der Echo, von Weinbergen die verfallen, wenn der Winzer nichts taugt. Von Schimmel anstelle von Weinstein.

Von Ariadne der Tochter des Minos.

Ich habe mir zu Weihnachten von Allen die Ilias von Manesse gewünscht. Es war noch in Hamburg als ich erstmals sehnsüchtig um sie herumstrich.

99 Prozent Luftfeuchtigkeit, Wind aus Südwest. Julius steht auf. Ich werde mit ihm frühstücken, bevor er in einen Arbeitstag unter neuen Vorraussetzungen startet. „Bring mir Neuigkeiten aus der Welt da draussen“, gebe ich ihm mahnend mit. Ich erlebe seit einer Woche äußerlich nahezu nichts.

Durchstreife dennoch New York, Irland, Italien,

Lesenacht – Dante- Göttliche Komödie

Wird zweistündlich upgedatet. So war das Prozedere bei Lesemarathons, wenn ich mich richtig erinnere.

Nachtwache. Das waren noch Zeiten als man die Drei mühelos gegen 19.00 Uhr im Bett hatte.

Ein Versuch wach durch die Nacht zu kommen, bis auch das letzte Rudelmitglied sicher wieder zu Hause ist.

Ich starte 20.00 Uhr. Mal sehen

20.38 holpriger Beginn. Arbeitswhatsapps

Der 18. Gesang im Fegefeuer hat wirklich Humor. Die zu Lauen zu Trägen müssen nun im Dauerlauf Tag und Nacht verbringen: Schnell, schnell keine Zeit verlieren durch lahme Liebe.“

Gilt im Umkehrschluss, dass die die sich im Unmaß verbrennen, dann im Fegefeuer zum sitzen verdammt werden. Und was ist mit den wechselwarmen, Mal schnell, Mal langsam.

Begriffsklärung Liebe: von der Intention , zum Ersehnten, zum Erfüllen. Der Trieb zur Liebe angelegt wie bei der Biene der Trieb zum Nektar. Frei ist man allein in der Richtungsbestimmung.

Ach der 18. Gesang war definitiv ein Highlight.

22.38 Uhr werde müde. Karla ist angekommen, Julius und Anna ausgeflogen.

Canto 19 bis 27

Die Maßlosen bekommen nichts und dürsten.

„All dieses Volk singt unter Tränen, weil es dem Gaumen maßlos folgte.“

Komplizierte Erklärung der Leiblichkeit, glaube fast ähnliches bei R. Steiner gelesen zu haben, als ich ihn mal las. Die Seele erbaut sich die Organe so wie sie sie braucht.

Skeptisch.

0.23 Uhr Mit Fug und Recht kann ich behaupten im Paradies zu sein. Unterwegs ermüdete ich. Das Gewohnheitsrecht forderte den Schlaf. Wünschte Argosaugen zu haben.

Ging statt dessen nach draussen. Stürmische Böen fuhren der Hasel durch die nun fast kahlen Zweige. Das Käutzchen schweigt, so wie es im Dezember zu sein hat. Der hohe Ton der Maulwurfabwehranlage von gegenüber durchdringt die Nacht + immer. Der Regen wird stärker.

Dante trifft auf Beatrice, bereut, steigt in die Lethe und den Eunoe.

Paradiso

2.20 Trotz Heldenansprache im Canto 1 gegen 1.00 Uhr eingeschlafen. Dreissig Minuten später aufgewacht und den Einstieg versucht zu bekommen.

Zum ersten Mal in der Göttlichen Komödie verstehe ich wirklich nichts. Es mag an der Uhrzeit liegen.

2.16 Das erste Rudelmitglied ist vom nächtlichen Ausflug heimgekehrt. Es ist besser manche Dinge nicht zu wissen. Allein bestrittene Heimwege auf dem Rad quer durch die Stadt bis hier ins nowhere zum Beispiel.

Die Katze beschließt ob der Bewegung im Haus, dass es nun Zeit fürs Frühstück sei und klagt es mit Nachdruck ein.

3.38 ich beende die Lektüre für heute bei Canto 9. Das Paradies erschließt sich mir nicht.

Immer noch Freitag- Lesemarathon

Mittlerweile bin ich die Kreise der Hölle durchgangen.

Nun Fegefeuer.

Ich lese Dante.

Ich lese so, wie ich seit Jahren nicht mehr las.

Einmal heute stand Jana vor der Tür und brachte mir dieses Weihnachtsgeschenk

Später fanden sich alle zum Mittagessen zusammen, debattieren über Impfungen, Corona, Inzidenzen,

Auch Weihnachten wurde im Schnelldurchlauf geplant.

Der Tag neigt sich schon wieder dem Dunkel entgegen. Noch sind die Nächte länger.

Karla probt für ein Weihnachtskonzert,

Und ich? Ich lese. Seit 7.00 Uhr morgens. Ein Lesemarathon.