Freitag mit: Is this Love?-Oscar Wilde

Die meisten Leute sind andere Leute. Ihr Gedanken sind die Meinungen anderer.“

„Ich vergaß, daß jede kleine Handlung des Alltags den Charakter prägt oder zerstört.“

Geschlossene, graue Wolkendecke aus der eisige Regentropfen fallen. Ich fröstle. Die Vögel warten bereits am Kompost auf Apfel und Kürbisreste und brechen in ein Gemisch von Warn und Freudenrufen aus

„De Profundis“ von Oscar Wilde- beendet. Wie im Kommentar und dem Zitat von Alexander Carmele (read2write) zu lesen, ist es so: Oscar Wilde sieht seinen Anteil, an dieser ruinösen, in meinen Augen toxischen Beziehung die ihn letztendlich alles kostete, die Familie, den Status, das Geld, die Gesundheit. Der bittere Brief an Bosie, eine Rückschau, Anklage, Selbstanklage und auch ein Frieden schließen.

“ Doch die Liebe feilscht nicht auf dem Marktplatz und benutzt nicht die Waage des Krämers. Ihre Freude ist die Freude des Geistes: sich lebendig zu fühlen. Das Streben der Liebe ist zu lieben- nicht mehr und nicht weniger.“ ( De Profundis- Oscar Wilde)

Ich frage mich. was diese Liebe besser gemacht hat. Und denke, vielleicht tatsächlich die Hinwendung zu Gott, die Verneinung des Hasses das Lebensbejahende, das Vordringen zum Wesentlichen.

Heute morgen bin ich zur „Göttlichen Komödie in der Übersetzung von Kurt Flash zurück gekehrt und lese:

“ Jeder ist eingehüllt in seinen eigenen Brand“. (Göttliche Komödie)

De Profundis ist entstanden aus dieser zutiefst irritierenden Beziehung. Es lesen zu können, dafürbin ich dankbar.

Und sonst?: Anna schickt mir dieses Video von Joko und Klaas.

Karla hole ich um Mitternacht vom Keyboard weg und bestehe darauf, dass sie auf sechs Stunden Schlaf kommt.

Julius baut ein Sideboard und muss ebenfalls ermahnt werden nicht zu lange zu werkeln.

Eine Reise nach Bremen habe ich verschoben. Noch immer Luftnot, das Fieber hat sich verflüchtigt.

Die Sonne bricht durch.

Lied des Tages: Here comes the sun

De Profundis- Lesetagebuch

“ Der Haß- das hattest du noch zu lernen-ist intellektuell betrachtet- die ewige Verneinung. Vom Standpunkt des Gemüts aus betrachtet, ist eine Form der Atrophie mit tödlichem Ausgang, nur nicht für sich selbst.“

Oscar Wilde Der Profundis-

Wilde gibt Bosie, seinem damaligen Liebhaber und Freund die alleinige Schuld an seinem Ruin. Irritierend: er selbst ist es gewesen, der sich nicht befreite aus einer Beziehung, die er als das erkannte was sie gewesen war. Eine blinde Abhängigkeit.

Immer noch Donnerstag mit de profundis- Oscar Wilde

Karla spielt Klavier, seit einer Stunde. Ich sehe : The happy Prince“

Ein Film über Oscar Wilde im Exil. Ich bekomme einen Eindruck von dem wie es gewesen sein könnte.

So eine zerstörerische Liebe die letztendlich zwei Leben ruinierte.

Die Ministerpräsidenten beschließen ein Böllerverbot. Deute das als Akt der Hilflosigkeit.

Donnerstag mit Wilde, Dante und Werfel

Licht über einer hauchdünnen Schneeschicht.

Lese Dante von 7.00 Uhr bis 8.00, dann Werfel, und noch später Wilde.

Gegen 11. Uhr stehe ich auf. Briefe für die Krankenkasse müssen zur Post. Ein Andrang als würden morgen die Läden geschlossen werden. Müde.

Der Postbote bringt die Weihnachtsgabe der Buchhandlung Jastram und wie in jedem Jahr wird mir warm ums Herz.

Wilde schreibt, alles was zu Bewusstsein komme sei gut, nur das Seichte sei verachtenswert.

Das Bildnis des Dorian Gray gesehen.

Wilde aus dem Zuchthaus in einem offenen Brief an seinen Freund: „De Profundis“

„Wahrhaftig Robbie, das Leben im Gefängnis läßt einen Dinge und Menschen sehn, wie sie sie wirklich sind. Deshalb verwandelt es einen in Stein. Die Menschen draußen in der Welt, die lassen sich von den Trugbildern eines Lebens täuschen, das ständig in Bewegung ist. Sie drehn sich mit dem Leben um und tragen zu seiner Unwirklichkeit bei .“

Oscar Wilde „De profundis“

De Profundis ist ein offener Brief, den der irische Schriftsteller Oscar Wilde zwischen 1895 und 1897, während seiner Inhaftierung in verschiedenen englischen Zuchthäusern an seinen früheren Freund und Liebhaber Lord Alfred Bruce Douglas schrieb. Der Name der Schrift, die etwa 50.000 Wörter umfasst, ist dem Psalm 130 entnommen: „De profundis clamavi ad te Domine.“ – „Aus der Tiefe rief ich, Herr, zu Dir“.

Zitat Wikipedia

Oscar Wilde wurde wegen homosexueller Handlungen zu einer Zuchthausstrafe verurteilt.

Mittwoch mit Umkehrung und ‚De Profundis“ von Oscar Wilde

Das Faszinierende am derzeitigen Input von Literatur und Film, ist die Umkehrung.

“ Erzähle mir von der Welt der Schatten, die ich so geliebt habe“, schreibt Oscar Wilde aus seiner Zelle im Zuchthaus ( The profundis)

Auch in Orpheus stellt Cocteau das Leben als Schattendasein dar. Erst in der Unterwelt trennt sich Wichtiges von Unwichtigen, wird die Form sichtbar.

„Riders to the sea“ von Millington in Verfilmung gesehen.Sofort von der Sehnsucht nach Rackwick auf Hoy überfallen worden. Manchmal spreche ich mit John.

Ich verlasse das Haus selten.

Differentialdiagnostik im Januar. Ich bin mir sicher: man wird finden wo der Hund begraben liegt.

Weitere Zitate: “ Freilich von einem Gesichtspunkt aus weiß ich, daß ich am Tage meiner Entlassung lediglich von einem Gefängnis ins andere gehe, und zu Zeiten scheint mir die ganze Welt nicht größer als meine Zelle und ebenso voller Schrecken für mich.“

“ Frauen sind am verlässlichsten, weil sie kein Gedächtnis für das Wichtige haben.“

Oscar Wilde “ Der Profundis“

Dienstag mit Glaubensbekenntnis

Ehre sei Gott in der Höhe. Versprochen ist versprochen.

“ Das Testament des Orpheus“ von Jean Cocteau gesehen.

So den Morgen zu beginnen…

Nach Cocteau Highsmith zu lesen geht kaum. Sie holt einen gnadenlos in die Wirklichkeit zurück.

Das Fieber kommt stets erst am Nachmittag. Dafür aber verlässlich.

Anna las mir eine Gedichtsanalyse . Das mit den weissen Stiefmütterchen von Sarah Kirsch kannte ich noch nicht, mag es sehr.

PCR Test.

Zur Coronarunde: Ich erneuere mein Glaubensbekenntnis. Kryptisch.

Montag mit Orpheus von Cocteau und Alltag

Mein Gott denke ich. Man kann verstehen dass Camus sich damals in Maria Casares verliebte.

Was für eine Ausstrahlung. Was für eine Schönheit.

Ich lese in gewohnter Manier, ich folge den Links. Patricia Highsmith notiert alle Lektüren die sie liest und das sind viele. Alle Filme die sie sie sieht, alle Opernaufführungen die sie hört und sieht.

Am Wegweiser entscheiden ob man folgt oder nicht. Ich folge Orpheus und der Prinzessin in die Unterwelt. Welch ein Vormittag. Jetzt bin ich aufgetaucht und völlig erschlagen. Der Film endet mit der Rückkehr zum Gewöhnlichen, Unbewussten, Alltäglichen. Der Chauffeur bezeichnet es als Sumpf.

Und sonst? Lese bis spät in die Nacht die Tagebücher von Highsmith weiter. Warum schien damals eine Tiefe möglich, die heute fast unerreichbar scheint.

Julius baut für mich einen Schreibtisch aus Eichenholz. Ein kompliziertes Konstrukt zum Aufklappen (mein Zimmer ist zu klein für eine permanente Lösung) mit integriertem Bücherregal. Er sagt ich solle mir ein Bild überlegen für die Rückseite.

Im Schneeregen zum Wohnwagen gegangen um Emcke und Frisch aus der Kälte zu holen. Noch immer krank, aber auf dem Weg der Besserung. Ich vermisse die Arbeit durchaus, genieße aber lesen zu können ohne mir die winzigen Zeitschnipsel einteilen zu müssen. Lesen geht nur mit Zeit, wenn die Beanspruchung im Alltag zu übermächtig ist kann man es vergessen. Ich denke über Stundenreduzierung nach.

Von der Kindlichkeit-Lestagebuch Tagebücher Patricia Highsmith

„Dass die Kindlichkeit nie verlorengeht, sondern das Erwachsensein nur wie eine Fassade davor gebaut wird.

Im Innern denken wir wie Kinder, reagieren wie Kinder und haben die gleichen Begierden. Das Benehmen nach außen hin ist nur eine absurd aufgeblasene Blendwolke.“

“ Es heißt immer, es sei die Liebe, nach der wir ein Leben lang suchen oder es sei Ruhm. Aber es ist keins von beiden. Was wir suchen ist Verständnis.“

Zitat aus: Tagebücher von Patricia Highsmith