Samstag mit Tellkamp- der Sand in den Uhren und Disziplin

Keine Träume in dieser Nacht. Vor dem Einschlafen die Tellkamp Doku gesehen. Irritierend.

Irritierend weil ich dieses Aufgebrachte, und sich nicht halten können – emotional- nicht zusammenbekomme mit der Art des Schreibens, welches bisher in schönster Thomas Mann Manier ruhig dahinfließt.

Ich behauptete : ich mag die Art des Schreibens, nicht aber Tellkamps Denken. Auf Seite 18 stelle ich fest, dass das so nicht stimmt. Ich mag einige Werte die er vertritt: Disziplin, sich unter seine Berufung stellen, das Kleine dem Grossen unterordnen. Zähne zusammenbeißen, sich durchbeißen.

Es wäre interessant woher diese meine Faszination für Werte wie diese kommt.

Vielleicht die Prägung in einem ultrasozialistischen Umfeld. Die Idee war immer dem Persönlichen übergeordnet. Wer sich an die Soja Kosmodemjanskageschichte erinnert, weiss in welchem Ausmaß.

Zurück zur Dokumentation. Der Mensch von der FAZ ist so ein gutes Pendant zum rebellierenden Tellkamp.

Der weiße Hirsch. Im Sommer war ich mit Karla dort gewesen und später noch einmal allein. Die Zeit fließt dort langsamer.

Hat Tellkamp Recht wenn er von enger werdenden Meinungskorridoren spricht?

Einmal und daran erinnere ich mich auch, sprach ich mit einem jungen Menschen von der Angst kippen zu können. Ich erwiderte, man solle diese Angst nicht zulassen. Sie sei wach, klug, tolerant, offen : beste Vorraussetzungen um sich lesenderweise an alles wagen zu dürfen. So habe ich es immer gehalten.

Gedanken zum Samstag

Freitag mit Neubeginn und Wildkaninchen

Es zitterte auf meinem Arm. Der Wind der über die Hobbitlandschaft streifte, zerzauste das Fell.

Meine Hand beruhigend auf dem Rücken.

Gediegene Gesellschaft in einem Straßencafé. Man unterhielt sich darüber ob man Gans lieber mit Apfelfüllung oder ohne mochte.

Das Wildkaninchen zitterte die Augen weit aufgerissen.

Ich zeigte ihm eine Weide mit Kühen.

Du landest nicht in der Pfanne. Es ist alles gut Den schützenden Bau gibt es nicht mehr.

. Ich setze dich dort auf der Weide aus. Du musst es jetzt allein schaffen. Du weißt wie das geht, ich habe dir alles was ich wusste beigebracht. Das Leben ist wunderbar glaub mir,wenn es einem auch manchmal etwas abverlangt. Sei vorsichtig und neugierig, beobachte das Wetter, finde Freunde.

Ich wachte auf ohne das Kaninchen vom Arm gelassen zu haben.

Und sonst?: Regen der auf das Vordach pladdert grauer vergangener Himmel. Ich habe Büroarbeit vor mir und bin in. Diesem Falle froh über das Wetter.

Donnerstag mit Grafitti

Morgens zum Auto gegangen um Brigitte Reimann vom Beifahrersitz zu holen .

Wind fast herbstlich, und bedeckter Himmel.

Mein Blick fiel auf das Tor. In 34 Tagen wird es nicht mehr das Tor zu meinem Haus sein. Das Tor erdbraun für gewöhnlich -prangte nun mit Grafitti verziert bunt.

Grafitti – auf unserem Burgtor hier in dieser Straße in der nie etwas passiert.

Jana fragte ob ich vielleicht bei den Hunden sein könnte. Und weil Vatertag war, fand ich das eine gute Idee. Nahm Brigitte Reimann und ging ein paar Häuser weiter.

Später fragte Julia ob ich nicht Kaffee trinken wollte und so streifte ich durch die Nachbarschaft und dachte: in 34 Tagen werde ich hier nicht mehr Kaffee trinken.

Nun bin ich im Haus zurück, welches…und so weiter . Ein Gespräch mit Julius, ein Kaffee und Franziska Linkerhand.

Dienstag mit Bücheraussetzen

In diesem Haus habe ich gelebt. Einhunderzwanzig Quadratmeter. Ich verlasse es.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: den Schreibtisch den mir Julius zu Weihnachten gebaut hat und eine Lampe die er in der Lampenwerkstatt seiner Patentante fertigte.

Die Bücher können nicht mit. Es ist einfach nicht genug Platz vorhanden. Und so verteile ich sie in der Stadt. Morgen werden Beowulf von Tolkien,

Sachkundenachweis für Hundehalter,

Der merkwürdige Fall von DR. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson

Metropol von Eugen Ruge

und

Herztier von Herta Müller ausgesetzt. Nicht ohne ihnen eine gute Reise und neue Behausungen zu wünschen.

Dienstag mit Labyrinth

Der erste Tresen, ich bestehe die Aufgabe.

Bitte gehen sie zum zweiten Tresen. Ich bestehe die Aufgabe nicht. Bitte gehen sie zurück auf Anfang und lassen sie sich testen.

Run zur Teststation, registration, abwarten. Mit dem Testergebnis zum zweiten Tresen. Die Hüterin der Schwelle lässt mich dieses Mal passieren und leitet mich weiter zu Tresen drei.

In Tresen drei fülle ich ein paar Bogen aus, supernette Hüterin mit blauen Haar und schickt mich in den zweiten Stock.

Im zweiten Stock Verläufe ich mich , lande dann an einem weiteren Tresen , fülle Bögen aus und lande im Wartebereich.

Entwirrt

Sonntag mit Chemiefaserwerk

Der Ruf des Kuckucks, hallend erhebt er sich über Gesamtgezwitscher. Umstreift die vom Regen beglänzte Rosskastanie, fliegt über die Hasel.

Es ist Sonntag. Er zeigt sich sonntäglicher als je. Ruhet von des Tages Mühen. Kaffee, ein Buch.

Franziska Linkerhand, die ihre Kleinstadt verlässt. Neue Stadt für neue Menschen, Plattenbau mit idealen. Brigitte Reimanns Ton geht mir unter die Haut mit seiner wilden, rebellisch melancholischen Eigenwilligkrit

Und sonst?:

Eine weitere Nachtschicht, die mich fühlen lässt: Ich bin eine Bewohnerin der Nacht.

Rückblick:

87. Chemiefaserwerk an der polnischen Grenze ;

Die Nachtschichten sind mir die liebsten. An hohen Maschinen werfe ich hauchdünne Polyamidfäden um rotierende Metallrollen. In den Pausen lerne ich spanisch, lese oder unterhalte mich mit Cubanerinnen, Vietnamesinnen, Polinnen, Mosambiquanerinnen. Später dann wechselte ich in die Forschung- wegen guter Leistungen. Ein Staat im Staate. Abgeschnitten vom Rest der Welt. Es wurde nur noch deutsch gesprochen.

Eine Kündigung. Ein Aufbruch. Zurück in der Plattenbaustadt begann die Arbeit die mir bleiben sollte,die ich liebe.

Gedanken am Sonntag. Franziska Linkerhand verlässt die Stadt . Aufbruch.

Dienstag mit: ja ich will

Im Rathaus: 7.00 Uhr morgens und die Schlange anstehender Menschen reicht bis in die oberen Stockwerke.

Sie müssen wieder gehen. Der Security Mensch besteht darauf. Nein sagt die junge Frau vor mir. Ich will Reisen. Ich bleibe.

Ich bleibe auch sage aber nichts. Vier Stunden später ist der Ausweis beantragt.

Das Telefon klingelt sie haben den Zuschlag. Wenn sie wollen können sie in vier Wochen einziehen.

Ich will, sage ich am Telefon und erinnere mich diese Worte in diesen heiligen Hallen schon einmal gesprochen zu haben.

Fast Sommer.

In meinem Kopf immer noch Worte und Gedanken über Begabungen und Berufungen. Es ist etwas besonderes wenn man spürt, dass jemand da wo er ist genau richtig ist. In diesem Fall: Ruhe, Geduld, Klarsicht, Empathie. Das ist irgendwie Zen.