Donnerstag mit Keats und dem Alten vom Berge

Keats berührt mich sehr.

Es war eine lange Suche notwendig um überhaupt etwas von Blake und Keats im Bestand der Bibliothek ausfindig zu machen. Statt dessen fülle ich den Korb für Karla auf: Dickens, Austen und Kathrin Mansfield.

Der Morgen graut. Die Wärme der Bettdecke, der Duft des Kaffees, die Farbe des Himmels und die Ruhe an jedem einzelnen Tag etwas Zeit für sein Selbst zu beanspruchen, darauf käme es an, schreibt Powys. Poetisiert euch oder so ähnlich.

Fühmann schreibt über seine Arbeit in einer Samaritereinrichtung für Menschen mit Behinderung. So liebevoll , so poetisch, “ Was für eine Insel in was für einem Meer“ ist Magie pur. Der Mensch unverstellt ohne Maske und ganz in der Gegenwart. Man lernt voneinander schreibt Fühmann, zu einer Zeit als dieser Aspekt in der Arbeit noch nicht oft gedacht wurde. Franz Fühmann wird neben seiner Arbeit als Schriftsteller, noch über eine längere Zeit dieser Einrichtung verbunden bleiben.

( Tellkamp setzte ihm in “ Der Turm“ ein Denkmal als Der Alte vom Berge“.

Assiozative Aneinanderreihung von morgendlichen Gedanken. Ich hatte in den Tagen zwischen den Jahren nach Dresden gewollt, um auf Fühmanns, Ardennes und Tellkamps Spuren auf dem “ Weißen Hirsch“ zu wandeln. Aber wieder einmal ist es das dessen Namen ich schon gar nicht mehr aussprechen mag, was mir einen Strich durch die Rechnung macht.

Die Magie des weissen Hirsches um die Winterzeit vertage ich auf 2022.

Lesetagebuch Powys- Powys zu Dante- Inferno als Kettenhemd

“ Man sollte sich um die historischen Anspielungen nicht scheren und den theologischen Problemen aus dem Weg gehen..

Von diesen Einwänden abgesehen kann man Teile des Inferno immer wieder lesen, und einige wenige Stellen werden wir liebevoll durch wiederholte Lektüre auswendig lernen, und sie werden uns zu einem Kettenhemd in unserem geistigen Kampf gegen die unverschämten Verletzungen die uns die ordinäre Gegenwart zufügt.“

John Cowper Powys “ Kultur als Lebenskunst“

( ich mag ja die kollektive Ansprache, sehen wirfühlen wir u.sw. nicht so gern, aber trotzdem: Powys lesen ist wie an einer Zapfsäule angeschlossen zu sein. Ich lade auf)

Dienstag mit Lesen

„Wir machen uns nicht immer klar, welch großen Einfluß die Literatur auf den Geist ausübt, daß sie die Macht hat, die mythische Intensität ihrer eigenen Phantasiewelt auch auf unsere realen Erfahrungen zu übertragen.“

John Cowper Powys stellt sich in „Kultur als Lebenskunst“ in einer Stelle zwei Menschen in einer U Bahn vor. Beide fahren durch New York City, schauen auf die Reklame, werden im Gedränge hin und hergeschubst und bemühen sich würdevoll in die Welt zu schauen. Der eine ganz im diesseitigen verhaftet, denkt an unbezahlte Rechnungen, stress mit dem Arbeitgeber, Streits über Belanglosigkeiten- das alles überlagert die Reklame von Seife, Zahnpasta und Badeschaum.

Und der andere der Leser: lässt Phantasiewolken entstehen. „Charles Lambs Essays zum Beispiel könnten ihm als Schutzschild dienen; sie schieben sich unendlich mild und mit ironischer Distanz zwischen ihn und die gigantischen Zahnpastatuben, zwischen ihn und die endlosen Reihen monotoner grauer Hüte und schwarzer Stiefel. Mitten in diesem U-Bahn Schacht in Manhattan werden dann auf einmal nostalgische Stimmungen wach, ein Duft steigt auf, wie von alten, vergilbten Folianten. alten holzgetäfelten Eingangshallen, alten Gärten und der lauschigen Szenerie alter College Höfe.

Besser noch passt es zu dem kunterbunten Spektakel, mit dem er sich konfrontiert sieht, wenn sich eine ganz andere Schar von Geistern um ihn sammelt….nämlich die grotesk-sentimentale Bevölkerung von Dickens phantasmagorischer Welt.“

Montag mit Vermessung der Welt und einem merkwürdigen Buchwaisenkind

Es war bereits dunkel. Ich stand draußen vor der Tür, schnappte „frische Luft“, sah diesen Philosophentatort auf dem Handy. Trotz Erfolgsgaranten wie Lars Eidinger und Tukur, leider furchtbar schlecht, aber ich schweife ab.

Ich frönte meinem neu aufgeflammten Laster, als plötzlich in der Dunkelheit, ein entfernter Nachbar mit langen Ausfallschritten den Gehweg vermaß. Erstaunt sah ich auf. „Nicht wundern“, rief er im Vorbeigehen. Ich vermesse gerade die Breite der Champs elysees. Ich lächelte, erfreut darüber etwas dazugelernt zu haben- 70 m.

In der Bibliothek erlebte ich(heute) die zweite bemerkenswerte Geschichte. Vor einiger Zeit, hatte ich mir einen Stapel Bücher in der Bibliothek ausgeliehen. Zuhause angekommen, stellte ich fest, dass im Stapel sich ein Buch befand, welches ich nicht bewusst ausgeliehen hatte: https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Stille-die-aus-dem-Herzen-kommt/Thich-Nhat-Hanh/Lotos/e475472.rhd

Ich las es. Es war das richtige Buch zur richtigen Zeit. Ich konnte mir die Herkunft nicht erklären, auch auf dem Ausleihbon war es nicht vermerkt. Nun, heute wollte ich es zurückgeben. Jedoch der Automat wies es ab. „Dieses Medium kann nicht zurückgegeben werden.“ Manchmal bin ich pflichtbewusst. Ichbrachte das Orphelin zum Tresen. „Das kann nicht zurück gegeben werden, weil es gar nicht ausgeliehen wurde“, sagte die angestellte. “ Okay“, das heißt es gehört jetzt mir?“

„Nein, nein.“

Ich verstand nicht, wie ich zu einem Buch gekommen war, welches ich weder bewusst ausgeliehen, noch zurückgeben konnte.“ Behalten durfte ich es nicht.

Und sonst: Fr. Faustus lesen geht nicht. Ich brauche mehr Ruhe. Weil ich außerdem die Lektüren lese, die Patricia Highsmith in ihren Tagebüchern vermerkt, werde ich auf Werfel und H:G Wells zurückgeworfen. Werfel habe ich auf dem Kindle, aber dieses papierlose Lesen ist nicht meins. Weder Werfel noch Wells sind in der Bibliothek zu haben. Ich weiche auf Huxley aus. Karla bekam es gerade ausgeliehen und wir könnten endlich mal wieder eine Lektüre zusammenlesen. Cocteaus : „Kinder der Nacht“ kam mit der Post. Werfel orderte ich auch.

Kalter, sonniger Tag.

Nochmal Sonntag 2. Advent mit Weihnachtskonzert

Wenn man anstatt den Refrain mitzusingen aufsteht, dann mutet es fast als ein Akt von Rebellion an. Oder zumindest von: Wir finden einen Weg. Maskiert im Konzert. Ein Highlight trotzdem. Das Digitale kann das nicht ersetzen, kann nur ein Trostpflaster sein, ein nicht aufgeben wollen. Man will leben nicht nur überleben, und Kultur ist im Maul des Drachen sitzen und trotzdem Freude empfinden. Sagt Powy.

Ich will nicht zu pathetisch werden, aber ohne Kultur ohne Konzerte, Theater, Lesungen etc. blute ich aus.

Dieses Konzert made my day.

Wer behauptet, das ganze ginge ohne Zweifel doch auch gut digital, hat meiner Meinung nach, ach ich finde keine Worte.

Und sonst: Danke Reiner für den Film. Geht an die Substanz. Vielleicht hast du ja auch noch einen Buchtipp? Ich kann werfel nicht lesen, er schreibt mir zu blumig. Ich bekomme es nur schwer mit dem überein über was er berichtet.

Auf dem Weg nach Hause nachgedacht und beschlossen zu Dr. Faustus zurückzukehren.

Immer noch den Traum im Kopf: von Kultur im Untergrund. Diese Pandemie ist so unendlich ermüdend, trotz Boosterimpfung. Man will einfach nur noch das es aufhört.

Sonntag mit Powy und Werfel- 2. Advent

Aufgestanden, als die Katze mit anklagendem Miauen den Sonntagmorgen verfluchte, der ihr jedesmal, aber auch wirklich jedesmal, den Rhythmus durcheinanderbringt.

Das Spiegelbild warf mir ein vom wirrem Haar umkränztes kreidebleiches Gesicht zurück. Als hätte ich auch physisch Dantes Höllenkreise durchquert.

Lese Werfel.

Wie kann es sein, dass ich vom Genozid an den Armeniern so gar nichts wusste?

Lese die 40 Tage des Musa Dagh.

Grinsekatz, du hattest mir einmal kurz darüber geschrieben. Ich googelte nach, verstand aber nicht.

Die 40 Tage des Musa Dagh

Der Protagonist, Armenier ist nach langen Jahren in Frankreich an den Musa Dagh zurückgekehrt und erfährt aus einer sicheren Quelle, das eine Bedrohungslage besteht. Er soll Schweigen bewahren. Ein Wissen, dass ihn aus ausschließt aus dem friedlichen Alltag der Nichtsahnenden. Umsonst versucht er seine Frau (Französin ) zu überreden, die Scheidung zu vollziehen und das Land zu verlassen. Sie sitzen in der Falle.

Gestern Abend eine Einladung für Elektra in Hamburg bekommen. Danke Yulia, habe mich so gefreut.

Andreas von Wald und Höhle hatte in diesem (verlinkten) Blogbeitrag so darüber geschrieben, dass ich beschloss die Oper mir bei nächster Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Ich sagte den Bremenbesuch erneut ab, bzw. verschob ihn zugunsten von Hamburg. Karla braucht Lesenachschub aus den Bücherhallen, werde das verbinden.

Auch Powy gelesen, am Morgen. Highsmith mochte ihn nicht besonders, aber ich kann ihm viel abgewinnen.

Ein Weihnachtskonzert heute. Ich komme langsam in die Aufrechte

Träume von Reisen in Zügen, in denen Kultur im Geheimen stattfand. Corona hatte das kulturelle Leben im Schlaf bereits eliminiert oder zu einem Nischendasein verdammt.

Habt einen schönen Sonntag und einen schönen 2. Advent.

Samstagnachmittag Göttliche Komödie beendet- Lesemarathon beendet

Jetzt kann ich sagen: ich habe sie gelesen:)! in einem 17 Stunden währenden Kraftakt habe ich die Göttliche Komödie bewältigt. Waren Hölle und Fegefeuer oft auch schillernd, spannend lehrreich, ironisch, klug, humorvoll, so blieb mir das Paradies bis zum Schluss verschlossen.

Es wird Zeit mich zu bewegen, Karla muss zur Probe gebracht werden und meinen Kreislauf wird ein Spaziergang ankurbeln. Ich bin erschöpft vom Herumliegen.

Es wird mit Franz Werfels Die 40 Tage des Musa Dagh weitergehen, aber erstmal brauche ich eine Pause. Auftauchen, Gehen, Aufräumen, putzen. Irgendetwas nur keine Kopfarbeit.

Mein Gott, es dunkelt schon wieder.

Was seit Jahren nicht mehr funktionierte, gelang jetzt. Das Lesen über Stunden, die Konzentration..Es ist wie Weihnachten. Was den Umschwung genau ermöglichte, ist mir nicht klar. Aber es war Oscar Wildes De Profundis- was den Auftakt bildete. Nahezu mühelos las ich es von Beginn bis Ende.

Ich habe das Lesen zum zweiten Mal erlernt.