Samstag mit Sommer- Tag 6- und Malina von Ingeborg Bachmann

Holunder ist im Verblühen.

Ligusterhecken verströmen ihren Duft, die Wiesen sind gemäht. Der Kuckuck ruft nicht mehr. Im Vorgarten blüht Fenchel, reifen Erdbeeren.

Noch einmal kann ich die Küche, die ich seit Monaten nicht mehr nutzte, bewohnen. In die Essecke stelle ich Rosen und Farn . Ich bereite Lasagne und Salat, Schmorgurken gefüllt. Die Borretschblüten verleihen dem sommerlichen Gerichten eine eigene Note .

Am Tisch unterhalten wir uns über Lou Andreas Salome und ob es möglich ist, dass Frauen und Männer befreundet sein können.

Diese Frage warfen die Mädchen in die Runde und baten Julius um seine Meinung.

Intensive Tage

Literatur: Tellkamp: es gibt nicht mehr viel zu sagen. Das Buch zerfällt in einen großartigen Teil, der stilistisch nahtlos am Turm anknüpft und den ich sehr gern gelesen habe, der andere Part bereitete mir Mühe, war oft sehr vereinfacht, kein Lesegenuss, eigentlich überall dort wo das Buch Ereignisse ab 2015 benennt – fällt es ab. Oder ich mag den Stil einfach nicht. In meinen Augen, hätte es dem Buch gut getan , sich in zwei Bücher aufzuteilen.

Malina; ich habe jetzt mit Malina von Ingeborg Bachmann begonnen.

Und sonst: dritte Woche Krankschreibung, seit gestern geht es bergauf.

Bekannte Materie – Tellkamp lesen – der Schlaf in den Uhren

Sprachgebrauch: nicht Gummibärchen oder Harribo sondern Gummitier.

Amiga Jazzplatten mit dem orangefarbene J. auf der in Schwarzweiß gehaltenen Plattenhülle.

Traumzauberbaum / Kinderliederplatte Lakomy

Samuel Marschak; das Tierhäuschen

( mein Gott hab ich das geliebt als Kind)

Plastik der drei Affen, nichts hören, nichts sehen, nichts sagen

Paul und Paula / Film

Zeitschrift : Filmspiegel

Jugendbrigade Adolf Hennecke

Der Fall Eschloraque alias operativer Vorgang Marmor

“ Unsere Sonne ging auf über dem Bitterfelder Weg und Leuna und Petrolchemischen Kombination, über dem berüchtigten 11. Plenum, und sie ging unter, wenn “ Unser Sandmännchen“ über die Bildschirme der Neubaugebiete flimmerte..“

Der schwarze Kanal- Sudel-Ede

Karl Eduard von Schnitzler

Dienstag mit stillgelegt

Die Feder in die Mitte des Sturms halten

Logbuch eines Umbruchs. Abgestoßen, aber noch nicht angekommen.

Hier greifen noch die Gewohnheiten die wir uns im letzten Jahr schufen.

Ich bin noch einmal ins Haus gezogen um die Nachmittage und Abende abzudecken.

Karla spielte gestern lange Klavier. Ich hielt es für Bach, aber es war ein Stück eines Rappers.

Nachts schickte Anna diese Nachricht. Ihr Fahrrad war auf der Kieler Woche gestohlen worden.

Wer macht sowas? Fahrräder.

Menschen die Fahrräder stehlen haben keine Moral. Das antworte ich.

Es gibt Menschen, denen fehlt das Areal für Moral und Empathie. Es interagiert einfach nicht, wie stillgelegte Straßen.

Keine schöne Erkenntnis, aber so ist es: leider.

Ich quäle mich mit Tellkamp herum. Das liegt nicht an dem Buch, sondern an der Schwierigkeit sich in diesen Tagen konzentrieren zu können.

Malina von Ingeborg Bachmann wartet bereits

Montag mit: in zehn Tagen werde ich gegangen sein

„Kann mich mal bitte jemand vorwarnen. Man will ja den Dresscode einhalten.“

„Hab ich euch nicht beigebracht, keine Fremden ins Haus zu lassen? „

„Is nur der Schornsteinfeger Mama.“

„Na gut“, sage ich, „sie bringen Glück das ist okay.“

Der Schornsteinfeger erklärt mir den Ofen, aber der Ofen wird mir nicht mehr gehören. Das sage ich nicht, aber es fühlt sich merkwürdig an. „Ein guter Kachelofen“, sagt er, „20-30 000 müssten sie für den heute hinlegen.“

Und dann reden wir über Schamott für den Ofen der in zehn Tagen nicht mehr meiner ist. „Ich geb es weiter, sage ich und hoffe, dass ganz viel Schornsteinfegerglück auf mich übergewandert ist.

Später am Vormittag

Ein Lächeln in den Augen der weißhaarigen Schamanin als sie ein Rezept unterschrieb. Ein Blick voller Leben. Man sieht es selten. So eine Leuchtkraft und Intensität. Sie hat mir den Hintern gerettet in diesem Jahr.

Beruf aus Berufung.

Sonntagabend/Rückblick

Nachts war Julius zu später Stunde von der Kieler Woche heimgekehrt. Ich hatte auf ihn gewartet-im Halbschlaf-wollte sicher gehen, wie immer. Wir verstrickten uns in ein Gespräch über Frontallappen, Aufmerksamkeit, mediale Dezentrierung.

Pflöcke schlagen in die eigene Innenwelt.

Chronik der letzten Vororttage

Immer noch Donnerstag mit Plöck in Heidelberg

Sasa Stanisics teilt auf seinem Instagaccount : howtowaitforalongetime

Erinnerungen an Heidelberg

Und es setzt sofort eigene Erinnerungen frei. 89 September . Sechs Wochen Zugligetlager in Budapest lagen hinter mir und ein Tag Passau. In Passau hatte der junge Soldat mir erschrocken eine Leberkäsesemmel gebracht, als er hörte dass ich allein unterwegs war. Welche Stadt soll es werden? hatte er gefragt und ich hatte mit den Schultern gezuckt.

Gehen sie nach Heidelberg, dort ist es schön , viele Studenten.

Nachts landete ich in der Plöck. Ich war 19. Und warum auch immer, kletterte ich durch das Fenster des Übersiedlerlagers. Ein magisches Jahr begann, und zugleich ein surreales. Von der Plattenbaustadt in ein Postkartenidyll. Ich holte mir Pizza bei Ginos, wurde Tagesmutter für ein paar Wochen , begann ein Praktikum im Krankenhaus, ging oft den Philosophen Weg entlang. Im Kino sah ich zum ersten Mal Bilder vom Prager Frühling in “ Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ . Martin was sind das für Bilder? Hast du noch nie etwas vom Prager Frühling gehört? Aß mein erstes Buttermilkfresh, jobbte für umsonst im Dritte Welt Laden, tauchte nachts im Jazzkeller ab und lebte den größten Teil des Jahres in einem winzigen Zimmer, Klo halbe Treppe, keine Dusche, keine Kochplatte, aber Mensaessen in der Uni in der ich nicht studierte .

Donnerstag mit Abientlassung

Wie hoch ist der Wert?

Bei 8, das Ferritin. Es bestätigt das, was ich im Spiegel sehe.

Annas Abientlassung. Niemand hatte mir damals gesagt mit welcher Wucht die Mutterliebe zuschlagen würde.

Stundenlang habe ich an ihrem Bett gesessen und ihr zugesehen wie sie schlief.

Annas erstes Lächeln, als sie das erste Mal Apfelsaft sagte, diese riesigen blauen Augen unter damals noch dunklen Babyhaar.

Der italienische Arzt an ihrem Bett. Ich erschrak als ich aufwachte. “ Entschuldigung, aber sie ist so schön.“

Anna mein trotzendes zorniges Kleinkind, Anna Harfe spielend, Anna auf Survivaltour, Anna mit ihrem schwarzen Humor. Sie ist jetzt endgültig flügge.