Mittwoch mit neuem Flussbett

Manchmal.

Manchmal fühlt sich das neue Leben merkwürdig vielfältig an

Nach der Arbeit die Drei gesehen. Plane für Reisen ans Nordkap ,( Julius), Anna die ihre Ausbildung sehr mag. Karla die mir etwas über Rousseau erzählte.

Später bei Jana Kaffee getrunken. Der kleine Salamander sonnte sich auf den warmen Pflastersteinen. Ich bekam Mangold und Bohnen geschenkt. Belud das Fahrrad mit der grünen Fracht.

Später an einem Ort an dem Frauen jeden Alters und aus aller Herren Länder zusammen wirkten.

Noch später oder vielleicht war es auch gestern, bei der Generalprobe von Carmen gewesen.

Sommeroper in Kiel. Bis auf die Autos die mehrfach über die Bühne

fuhren, gefiel es mir sehr.

Lese kaum, arbeite viel, lerne viel an stetig neuen Plätzen.

Ich vermisse die Drei sehr. Nestflucht ist kein Anfängerlevel. Ich beruhige mein wehmütiges Herz.

Das Leben fließt. Der Versuch sich im neuen Flussbett einzufinden. Mit dem Strom schwimmen.

Jetzt: auf dem Fensterbrett. Südamerikanische Klänge von irgendwoher.

Freitag mit „Die Geschichte von Jaques und Jaqueline“

Es klingelt. Karla „Les voici“ singend kommt die Treppen herauf. „Hej ich wollte dir die Theaterkarte vorbeibringen und dich zum Kaffee einladen. Wenn es für dich okay ist durch die Gluthitze Fahrrad zu fahren. Ich wollte dir ein Cafe vorstellen.“

Karla fährt progressiv durch die glühende Stadt. Es erinnert an unsere Fahrt durch Leipzig. Eine Amazone auf fliegenden Drahtesel.

https://wordpress.com/post/alltaginkiel.com/23366

Heute ist es nicht das Völkerschlachtdenkmal, sondern das Restez unique was wir erreichen.

Das Restez unique hat definitiv das Potenzial zum Lieblingscafe zu werden.

„Ein Käsecroissant und den Jaques bitte.“

„Mit Wurst?“

„Nein, das Schüsselchen mit Käse.“

„Das ist Jaqueline.“

Meine Ratlosigkeit muss sichtbar sein.

„Nun die Geschichte hinter Jaqueline und Jaques ist folgende. Jaqueline gibt uns mit ihrer Milch den Käse, aber Jaques gibt uns die Wurst und bezahlt mit seinem Leben. „

„Was für ein tiefschwarzes Ende“, sage ich.

Später fallen Karla und ich in die Bibliothek ein. Ich erjage „Das Buch Franza“ von Ingeborg Bachmann.

Durch die Stadt tönen Klänge der Habanera. Die Sommeroper „Carmen“ ist in der heißen Probenphase.

Ein Sommermorgen.

Mittwoch mit Glückspilz

Nach der Spätschicht mit den Dreien Glücksburger gegessen.

Anna hat ein duales Studium aufgenommen und erzählte von ihren ersten Tagen, Julius brachte das Licht an meinem Fahrrad wieder in Gang. Karla hatte Halsschmerzen.

Später fuhr ich durch die Nacht in die Zweitwohnung. Die Stadt schlief noch lange nicht.

Morgens mit dem Fahrrad vorbei am kleinen Kiel, durch den Schlosspark die Kiellinie entlang. Schöner lässt es sich im Sommer nicht sein.

Mit R. auf einen Kaffee getroffen, Erinnerungen an ein versunkenen Land ausgetauscht. Die Zeit verflog.

Gegen Mittag kehrte ich zurück und sah wie Eine auf meinem Wunschdrahtesel Probe fuhr. Jeden Tag hatte ich vor diesem Schaufenster gestanden und gehofft es würde sich kein Käufer finden.

Mittlerweile hatte die Hitze die Stadt belagert. Ich fuhr gemächlich der Arbeit entgegen.

Dienstag

Es ist von außen nicht zu verstehen, warum Ingeborg Bachmann an der Trennung mit Max Frisch zerbricht.

Sie hat ihn vier Jahre lang am langen Arm verhungern lassen. Die Verlusterfahrung wiegt dennoch schwer. Die Biografin führt es auf eine schockartige Verlusterfahrung in der Kindheit zurück.

Und sonst?: Die Arbeitszeit im Nebenjob kommt meinem Biorhythmus entgegen.

Sehr.

Lazy morning, vielleicht der letzte für einige Zeit.

Montag mit Jaques Brel

Grand Jacques https://g.co/kgs/m9nmJ3

Jaques Brel ist Abiturstoff in Belgien, das erfuhr ich heute.

Mein Feierabendplatz : auf dem Fensterbrett, Brel hörend, Erinnerungen nachhängend.

Einer der Orgeln baute, sang sich in der Freizeit auf Bühnen die Seele aus dem Leib. Fiebrig, an beiden Enden brennend.

Orly

La Quete

Eines Abends bei einer Aftershowparty gab er mir das Mikro in die Hand.

Ich glaub es war Ne me Quitte Pas, was ich wählte.

Weißt du noch?, fragte B. als wir in Italien in der Kapelle gesungen haben.

B. hatte die Brel Songs auf deutsch gesungen. Ich glaube es waren Dietrich Versionen. Ich kannte bis dahin nur Klaus Hoffmanns Adaptionen.

Später sang Dirk Schäfer diese Songs, mit seiner krassen Gruppe in Kiel. So genial.

Ich weiß nicht wie oft ich in diesen Konzerten war. Oft. Sehr oft.

I. fertigte zu meinem Geburtstag ein Mobile aus Eintrittskarten.

Erinnerungen am Montag.

Freitag mit obdachlos

Karla und ich flanierten unter den Arkaden, als ein Obdachloser mit voll beladenen Bollerwagenähnlichen Gerat an uns vorüber zog.

„Ich weiß nicht wozu ich da bin!“ Ich hasse dieses Leben. Ich hasse diese Welt! Wozu der ganze Scheiss! Was soll das?“

Er blieb an einem Schaufenster stehen.

Hilft wahrscheinlich nicht“, sagte ich, „aber wenn sie wollen können sie sich davon einen Kaffee kaufen. „

Es waren zwei Euro, nichts von Belang. Aber er strahlte, bedankte sich und begann zu resümieren, wann denn der Tag wäre wo das Fest stattfinden würde.

Er lächelte auch später noch.

Ich wünschte ich könnte das.

Gearbeitet. Ich liebe diesen Job, das bleibt.

Ein wunderbarer Tag. Shoppingtour und Frühstück mit Karla. Später diese coole Arbeit. Und am Wochenende ist in meiner Straße, mit der neuen kleinen Wohnung immer immenser Publikumsverkehr. Man braucht kein Fernsehen.

Dienstag mit Lied

Aufgewacht nach einem Traum : Flashmob in der Kirche. Eine Geige und ein Typ am Keyboard spielten ein Lied von Grönemeyer. Die gesamte Kirche erfüllt vom Hall , Publikum sammelte sich.

Im wirklichen Leben:

Anna feiert ihren zwanzigsten.

Große Vermissung.

Das Ebike gegen ein selbst zusammen geschraubten Fahrrad eingetauscht. Quer durch die Stadt zur nächsten Einarbeitung. Ein paar Vertretungsschichten am Rande Kiels.

Besuch von B. Im Schrevenpark hatten wir uns vor 19; 5 Jahren kennengelernt. Weder Anna noch Mila waren des Laufens schon mächtig, aber sitzen in der Sandkiste ging. Stell dir vor hatte B. damals gesagt, mein Mann sollte heute wickeln. Er hat die Windel falsch rum angezogen, die feuchtigkeitsabweisende Seite nach innen

Ich hatte damals gedacht, dass Annas Vater so etwas niemals passieren würde und das machte mich freudig gestimmt fast stolz.

Zurück zum Traum: ich wollte eine Rede halten von der Empore der Kirche. Aber der Pfarrer legte dem Arm lächelnd um meine Schulter, schüttelte sanft den Kopf und hielt mir den Mund zu.

Das Lied war überall. Der Keyboarder fast im Trance sang mit jeder Faser seines Seins.