Sonntag mit Zuggesprächen und Proust lesen- Die Gefangene

Zwei Anfangzwanziger lassen sich vom Schaffner Spielfiguren und Würfel bringen und spielen“ Mensch ärgere dich nicht auf kompliziert.

A zu B: “ Kannst du dir das vorstellen? Der deutsche Staat nimmt Steuern für die Regentropfen die auf mein Grundstück prasseln.“

B: naja muss ja irgendwohin ablaufen

A schweigt

2. Junge Mutter zu Kind: „Du kannst so schön ausmalen, warum kritzelst du denn nur?“

Vater zu Kind mit sarkastischem Tonfall: “ Nur noch drei Stunden.“

Kind zu Vater: “ Aber das habe ich gekauft!“

Vater: “ Ja und ich habe es bezahlt“

Person A zu Person B: In der Fremdenlegion bekommt man nach ein paar Jahren eine neue Identität.“

Ich zu Karla: Schau , Plan B

Kind zu Vater: “ Ich schau mir die Schienen von hinten an.“

Kind zu Vater: sind wir bald da?

Vater zu Kind: Schau das ist unser Kuchen. Der hat vier Stücke. Ein Stück haben wir schon gegessen, drei müssen wir noch essen.

Kind: Aber wir haben doch gar keinem Kuchen

Proust: Marcel sinniert darüber, dass eine bestimmte Frau nur so lange begehrenswert ist solange die Distanz besteht, heißt das Wesen reine Projektionsfläche ist.

„….die Distanz, die wir zu überbrücken träumten, existiert dann nicht mehr.“

Weiterhin empfindet man Eisenbahnwagen der ersten Klasse nicht mehr unbedingt als interessanter und schöner als die Markuskirche in Florenz.

„Auf alle Fälle hörte ein Eisenbahnwagen erster Klasse wieder auf, a priori als schöner denn die Markuskirche zu gelten.“

Radfahren, Golfkleidung, Polomütze, gehören nicht mehr nur der Oberschicht

Milchmädchen auf die Frage Marcels was sie trüge: “ Das ist meine Golfjacke“, antwortete sie mir. Denn infolge des üblichen Niedergangs aller Moden waren Kleidungsstücke und Bezeichnungen, die vor einigen Jahren noch der verhältnismäßig eleganten Welt der Freundinnen Albertines vorbehalten Schienen, jetzt zum festen Bestand der Arbeiterinnen geworden “

Samstag mit Zweifel

Karla fragt, ob es nicht auch sein könne, dass alles was wir Vergangenheit nennen, außerhalb unserer eigenen Erinnerung nicht existiert. Was, fragt sie, wäre, wenn wir unsere Vergangenheit nur innerhalb unserer eigenen Vernetzungen im Gehirn, träumen?

( ich muss sie noch Mal fragen, wo der Grundimpuls herkam)

Auch bei Orwells 1984 findet sie diese Gedanken wieder.“ Ich hasse das“ , sagt sie. “ Das ist so wie bei Shutter Island. Nichts ist so wie man denkt das es ist. „

Währenddessen mache ich via der Proust Lektüre Bekanntschaft mit Descartes, der offensichtlich auch alles in Zweifel zog.

Samstag mit Marktszene, Eifersucht – Proust und über das Lesen

Marcel sieht die Welt ausschließlich durch das Objektiv seiner Leidenschaft. ( FAZ vom 16.7.2001)

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-im-geissblatt-eine-ganze-welt-132812.html

Er hält Albertine, ohne Zweifel prägt er sie, für sein Werk.

Die Marktszene noch einmal in Angriff genommen, weil ich sie ungeduldig überflogen hatte. Und siehe, es war mir einiges entgangen.

Albertine schlägt vor, nur noch mit Sachen zu kochen bzw. kochen zu lassen die rufend auf dem Markt angepriesen werden. Marcel wird offensichtlich bange beim Gedanken an das ausschließlich regionale Einkaufen und schlägt vor , doch das ein oder andere zu bestellen. Der Grund:

„Mit Grauen aber dachte daran, wie lange ich bis zu den Gundeltrauben noch mit Albertine zusammenbleiben mußte.

Marcel ist Opfer seiner Inversion , so lese ich es in diesem Artikel der FAZ. Heißt: ist Albertine ihn nah, will er weg. Ist sie ihm fern, will er ihr nahe sein.

Weiterhin: alles in die Hölle der Eifersucht hinabziehen. Nichts ist mehr sicher , alles wird in Zweifel gezogen.

Lektion die Albertine Marcel gibt, Begehren und Bindung stehen in keinem Zusammenhang( FAZ)

Fußnote weist daraufhin, das das Selbstpastiche , Markt- Essen ein Glanzstück ist.

Und sonst?: Tellkamp kommt mit.

Freitag mit Tellkamp, Reisevorbereitungen für Dresden und Proust lesen – Die Gefangene

Soll Tellkamp mit auf die Reise nach Dresden?

Eine Gewissensfrage.

Ich habe “ Der Turm“ von Uwe Tellkamp mehrmals gelesen. Ein Roman den ich für hervorragend halte, weil er eine Atmosphäre erschafft, die noch erinnerbar, aber unwiederbringlich verloren ist.

Das Leben auf dem weißen Hirsch unter dem Radar. Literatur und Musik als Ausdruck von innerer Emigration und stiller Rebellion.

Ein Abgesang auf das Bildungsbürgertum. Ein Abgesang auf die DDR.

Kann man Tellkamp mit auf Reisen nehmen, trotz seiner Nähe zum Buchhaus Loschwitz und anderen sich am rechten Rand befindenden Institutionen?

Und sonst?

Entdeckt den Job des : Nachtbürgermeister’s

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nachtb%C3%BCrgermeister

dieses Comic : Das Überleben der Spezies von Paul Jorion Gregory Makies

Und dieses Bild von Paul Klee Angelus novus

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Angelus_Novus#/media/Datei%3AKlee-angelus-novus.jpg

Proust: Albertine ist mit Marcel auf dem Markt. Es zeigt sich deutlich, die detailverliebtheit Proust. Puh…Fordert meine Geduld über alle Massen.

Montag mit Kiel und Proust lesen–die Gefangene

Die Frage was im Herbst zu wählen ist bleibt unbeantwortet. Ich fühle mich von keiner Partei vertreten.

Neoliberalmismus, Klimawandel, Fragen über Fragen und kaum Antworten die Antworten wären.

Lese erstmalig wieder Zeitung. Mein Gott was für ein verheerendes Hochwasser.

Gelernt: Karla betreibt Austeritätspolitik.

Proust : Marcel macht sich über eine vergangene Verliebtheit Gedanken und reflektiert: hätte er nur schneller der Verliebtheit die Stromzufuhr entzogen, im Sinne von daran Denken, wäre es viel schneller vorbei gewesen.

Bei Albertine scheint ihm das nicht zu gelingen. Vielleicht weil es keine Verliebtheit ist, sondern reines besitzen wollen. Hat Marcel eigentlich einen Freundeskreis? Einen guten Freund? Ich verstehe diese Albertinegeschichte nicht. Sie machen sich das Leben gegenseitig zur Hölle.

Sonntag mit Abschied von dem Spirit Lodge Hostel und Leipzig

https://www.spirit-lodge.de/

Das ist der Link zum schönsten Hostel das ich bisher besucht habe.

Und ich bin schon in vielen Hostels gewesen.

Dieses ist in Leipzig Plagwitz und mit so einer besonderen Atmosphäre, dass ich trotz völlig erschöpften Zustands zur Ruhe finden konnte. So viel Liebe zum Detail, so viel Andacht zum Kleinen.

Wir fühlten uns hier so schnell zu Hause, dass wir Abstriche an unseren Programm vornahmen.

Und Sebas der als gute Seele des Hostels immer für Fragen offen war, Tipps gab.

Es ist also nicht nur ein Abschied von Leipzig, es ist auch ein Abschied von einem wunderbaren, magischen Ort.

Samstag: unterwegs in Leipzig – Schritte zu gehen- Proust lesen- Auf der Suche nach der verlorenen Zeit- Die Gefangene-

Morgens durch das noch ruhige Leipzig zu Saskia spaziert.

Ich bin selten neidisch. Jetzt war ich es. Wir standen in Saskias Dachgeschosswohnung und ich erblasste vor Neid.

Ein sehr gutes Frühstück im Cafe. Wir bewegten Themen wie Studiumswünsche von Karla, Hobbys, Musik und Südamerika. Saskia hatte eine Zeit dort gelebt und Karla erfuhr zum ersten Mal von der Zeit der Militärdiktatur. Und von H.I.J.O.S.

Wir kauften das Buch: Drei Minuten Wirklichkeit von Wolfram Fleischhauer.

Später: Noch einmal haben Karla und ich Leipzig durchstreift.

Diese kreative, vor Energie sprühende Stadt. Es fällt wirklich nicht leicht nach Hause in den Wohnwagen zurückzukehren. Was deutlich geworden ist, ist dass sich an dieser Stelle etwas ändern muss.

Grundlegend.

Ich bin mir nicht sicher, wo mich diese Veränderung hinführen wird und wie gross der Schritt ist der zu gehen ist. Nur gemacht werden muss er.

Proust: Marcel verliert sich in Eifersuchtsphantasien, weil Albertine zu den Verdurins möchte.

Man möchte Marcel zurufen: „Verdammt lebe endlich!“

Samstag mit Umentscheidung- unterwegs in Leipzig-Westwerk- Tangoorchester – Leipzig- Proust lesen Tag 7

Beim Konzert des Tangoorchesters Leipzig.

https://www.tango-orchester-leipzig.com/

Ein Konzert zum hundertsten Geburtstag von Astor Piazolla.

Gänsehautfeeling pur.

Eine Entscheidung getroffen. Wir kehren morgen für eine Woche nach Kiel zurück, pausieren, bevor es nach Dresden weiter geht. Nach diesem wirklich gelungenen, inspirierenden, harmonischen Aufenthalt in Leipzig, können wir uns nicht vorstellen, Berlin nahtlos hinzuzufügen.

Die Linie des geglückten Tages nicht abschwächen.

Regen. Noch einmal Westwerk heute.

Aktuelles

Morgen wird ein Beitrag über dieses Hostel folgen. Schöner habe ich bisher nicht gewohnt.

Karla: liest Orwell 1984 und ist gebannt von der Thematik des Sprache besetzens.

Proust: “ Wenn wir ein gewisses Alter überschritten haben, werfen die Seele des Kindes, das wir gewesen, und die Seelen der Toten, aus denen wir hervorgegangen sind, mit vollen Händen ihre Schätze und ihren bösen Zauber auf uns und verlangen, daß sie zu ihrem Teil an den neuen Gefühlen mitwirken können, die wir empfinden und in denen wir sie, nachdem wir ihr altes Bild ausgelöscht haben, in einer neuen Schöpfung wieder zusammenschmelzen“ (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit/ Die Gefangene)

Freitag mit “ Unterwegs in Leipzig- Baumwollspinnerei, Piazolla/ Proust lesen/ Albertines Augenlider und Ovid

Ovid lesen am Morgen. Die Geschichte von Alcyone und Keyx https://de.m.wikipedia.org/wiki/Alkyone_(Trachis)

Proust beschreibt Albertins Augenlider: “ Ihre Brauen die so geschwungen waren, wie ich es niemals gesehen hatte, umgaben die Wölbung der Augenlider wie ein weiches Eisvogelnest.“ ( Proust/Recherche/Die Gefangene).

Was auf mich zunächst irritierend wirkt, löst sich in der Fußnote auf: Albertines Augenlider als Metapher für Alkyone und Keyx. Die beiden Eisvögel auf dem Meer, die in Sturm und Brandung das Nest der Jungen bebrüten. Eine Metapher für Sicherheit im Ungewissen, für Seßhaftigkrit. Eine Erzählung von Abschied, Verlust, Wehmut, Treue.

Unterwegs in Leipzig: während der nächtliche Beitrag ein Rückblick gewesen ist, wird dieses nun ein Vorblick.

Wir werden zunächst die Baumwollspinnerei besuchen,https://www.spinnerei.de/ wenn das Wetter es zulässt im Park lesen und abends beim Piazollakonzert sein.

Uns beschäftigt der bevorstehende Aufenthalt in Berlin. Die Inzidenz ist, wie gehabt, hoch. Ich bin vollständig geimpft, Karla allerdings nur halb. Wir werden trotzdem fahren, Beschliessen wir beim Frühstück, es sei denn die Lage ändert sich bis morgen dramatisch.

Freitag unterwegs in Leipzig und Proust lesen/Tag 6

Mit Fragen leben.

Geplant war heute ein Besuch in Halle – Neustadt. Ich verwarf diesen Plan.

Morgens schwimmen im Kuljwirzer See. Kristallgrünes Wasser.

Nachmittags: Museum der bildenden Künste.

Fotografien von Andreas Gursky. https://m.andreasgursky.com/de

Beeindruckend, den Finger in die Wunde legend.

Proust: Marcel kommt nach Hause und reagiert mit Eifersucht auf Andree, die soeben Albertine besucht hat. In Gedanken unterstellt er den Freundinnen eine Affäre.