Dienstagstelefonat-Hund in der Pfanne

Bild oben „Saskias Werk-Telefonkritzelei“

Kurz vor Mitternacht. Saskia und ich telefonieren seit drei Stunden.

Georgia O Keefe hatte einen Chow Chow.“

Weiß nicht Saskia, die sind mit Vorsicht zu genießen.

Luise hat mir mal einen Mops empfohlen. Gut zum Lesen, hängt nur ab.

„Oh nee, keinen Mops!“

Aussies sind cool, wollen aber viel Input.

Warte mal, ich hatte einen Westhighlandterrier. Der war Klasse.

Hatte ich mir von der Schweiz eingeschleust. Mit eurythmischen Namen. Von der Größe her kein Hund, eher so ein Mittelding zwischen Katze und Hund. Super frech und dickköpfig.

„Ich mag ja eher so Irische Wolfshunde.“ Aber in ner Stadtwohnung. Als ich früher noch in einer WG gewohnt habe, hatte mal jemand ne Dogge mit. Wir saßen praktisch um die Dogge drum rum, auf dem Boden und immer wenn sie mal aufgestanden ist um sich zu drehen, fiel etwas um.“

Pudel?

„Nee.“

Immer noch Dienstag mit Gesang der Löwin

“ Du kannst meinen Fluss nicht bändigen.

Du willst mich auslöschen, ich aber werde nicht weichen von dieser Stätte.

Ich werde weiter tanzen, so lange ich mich halten kann.

Meine Stimme wird zu hören sein, so lange ich lebe, in Wut, Getöse und Erhebung.

Du kannst meinen Fluss nicht bändigen.“

Aus die Löwin des Iran- Simin Behbahani

Dienstag mit Gladiolus Cruentus

Klirrende Kälte. Öffne das Fenster zur Straße. Schnee auf Autodächern.

Das zwölfte Kapitel im Ulysses mit seinen Parolen und antisemitischen Ausfällen, fällt mir schwer. Joyce gibt den Sound der Zeit wieder. Kneipenszene.

Folge ich den Verweisen akribisch, lande ich plötzlich bei den Römern und Etruskern. Einer Gladiole wegen.

Egal wo ich beginne, Nahostkonflikt, Ästhetik des Widerstands, Joyce- überall zeigt sich, dass ich nicht viel weiß. Zusammenhänge erschließen sich nicht. Wenn sie das sollen muss ich nacharbeiten, mir Geschichtswissen aneignen. Der Besuch der Uni als Gaststudentin- nicht möglich. Der Schichtdienst steht der Kontinuität entgegen.

Gespräch mit S., auf einer langen Autofahrt, über die Weimarer Republik. Erklärs mir noch einmal, sage ich an manchen Stellen.

Mein Vater hat die Schule nur bis zur sechsten Klasse besucht. Ich weiß nicht, wie es ihm gelang, sich solch ein umfassendes Wissen in Geschichte, Politik, Philosophie, Literatur und Musik anzueignen. Er war Handwerker. Schrieb seiner Gattin mal für die Uni eine Hausarbeit in Philosophie. Der Dozent beglückwünschte meine Mutter zu dieser außerordentlichen Leistung. Bitte widerholen sie das.

Und sonst?

Diesen Film gesehen.

Sonntag mit: Schnee in der kleinen Straße

Für mich gibt es nur Sonn- oder Montage. Von wem ist das Zitat?

Es trifft. Eine Woche Sonntag. Der Geruch von Bienenwachs und Orangen. Kleine Schneeflocken schweben am Fenster entlang. Lese etwas von Sayyid Qutb über Kapitalismus, Sozialismus und Werte.

Ich bin noch nicht weit. Zu Beginn die Frage: was macht den Menschen zum Menschen.

Eine Woche voller Sonntage. Abtauchen, eintauchen, lesen. Allein sein wollen, allein sein müssen um wieder Luft zu bekommen nach einem Monat Dauermontag.

. Nur die Drei haben Zugriffsrechte:) immer.

Der Bücherstapel; Natalie Amiri: Zwischen den Welten, Ulrich Kienzle Tödlicher Naher Osten

James Joyce Ulysses

Peter Weiss

Wochenrückblick:

Ich will verstehen.

Gesehen diesen Film: https://www.teherantabu-film.de/

Gehört:Luise Amtsberg zum Iran.

Gelesen: Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss.

Gegessen: nichts bemerkenswertes

„Zwei Jahrtausende der Sklavenhaltergesellschaft waren vergangen, in ihren antiken, ihren feudalen und bürgerlichen Stadien, die Historie hatte, wie es hieß, Stufe um Stufe erklommen, Fortschritte erreicht durch den ständigen Druck der Massen, jeder Verbesserung lag ein Ausbruch von Verzweiflung zugrunde, dass Herrschaftssystem aber war dasselbe geblieben, dem Andrängen der Leibeigenen, der Geknechteten, der Lohndiener war es immer wieder mit neuen Waffen begegnet, und je größer die Wucht der Notwehr war, desto umfassender wurden die Vernichtungsschläge.“

“ Von oben her war die Geschichte gegeben worden, dort wurde überzeugend dargestellt, daß jeder Aufruhr erstickt werden könnte, und ebenso selbstverständlich wechselten die Profiteure.“

„Die Ästhetik des Widerstands“ / Peter Weiss

Montag mit Peter Weiss und Roshanak Rafani, persischer Lyrik und dem Cymin Samawatiequintett

Danke Alexander Carmele für dieses Bücherpaket. Ich bin sehr gespannt auf diese Ausgabe.

Einen ganz lieben Gruß von der Förde ins turbulente Berlin.

Gestern trotz allumfassender Müdigkeit zu einem Abend mit dem Cymin Samawatie Quintett ins Theater der Komödianten gegangen.

Persische Lyrik in free Jazz vertont, Geige, Klavier, Kontrabass, Klarinette.

Zutiefst beeindruckt hat mich die Frau am Schlagwerk:

Ein besonderer Abend innerhalb der Kulturwochen Kiel .

Die Nacht war kurz, im Mondlicht zur Arbeit. Hundemüde.

Im Traum zogen die Frauen Irans durch das nächtliche Kiel.

In farbiger Kleidung mit offenem Haar gingen sie durch Holtenauerstrasse.

Sie hatten es geschafft. Der Sieg war errungen. Ich stand irgendwo abseits: dachte wie sehr sie diese Stadt belebten. Mit dem Mut, der Kraft, dem Stolz.

In realen Leben: stehe ich irgendwann auf und höre Tekkal Duzen und ihren Gästen

, der Tochter von Nahid Taghavi zu.

Mut. Was für ein Mut und der Appell: Schaut hin.