Dienstag mit Nachtigallg

Gegen 3.00 Uhr begann die Nachtigall zu singen

Nachgedacht, nicht geschlafen.

Auch über die Zeit in der ich Karla in Hamburg begleitete.

X. war praktisch zwei Jahre alleinerziehend gewesen, mit Anna und Julius. Da hat er den Rücken freigehalten.. Auch bei anderen Sachen.

Ich täte trotzdem gut daran, zu einem anderen Zeitpunkt nachzudenken. Ohne Schlaf wird es langsam mühsam. So jetzt Feuer machen. Und Kaffee, Gott sei gedankt für den Kaffee

Montagmorgen

Das Feuer in Gang zu bekommen ist die erste Aufgabe des Tages. Soll es gegen 7.00 Uhr warm sein, muss ich loslegen. Das Holzscheit ist zu gross, ich Versuche es wieder und wieder. Wildgänse ziehen.

5.59. übermüdet. Warum ich seit Tagen nicht schlafen kann, entzieht sich meinem Verständnis. Ich gehe hinaus in die morgendliche Kühle Feuerholz zu holen. Die Wetter App zeigt ein Grad. Die Vögel singen trotzdem
Das Haus noch in Winterstarre beginnt sich zu rekeln. Eine arbeitsreiche Woche die da vor mir liegt. Im Garten streunt eine fremde Katze Ein neuer Tag

Freitag

Die Menschen die am Haus vorbeigehen halten oft einen Coffee to Go in der Hand. Wahrscheinlich holen sie sich links vom Haus den Kaffee um nach rechts zur Arbeit zur gehen.

Eine Kohlmeise baut sich ihr Nest aus bunter Wolle.

Nachdem es gestern bis in die Nacht dauerte bis ein gemeinsamer vorläufiger Plan stand, schlief ich ein. Endlich.

Tief, traumlos.

Der neue Morgen: Es gibt keine Dusche, aber warmes Wasser. Kein Survivaltraining, nur die Wärme ist ein Problem und das fehlende W-Lan Netzwerk zu dem ich keinen Zugang bekomme.

Doppelresidenz. Ich werde mich raffen müssen heute, das Nichtstun hat ein Ende. Nur noch einen Kaffee , bevor ich ins Homeoffice wechsle. Homeoffice ohne Home und W Lan, dafür mit Stille . Vermutlich wird word vorerst ausreichend sein müssen.

Nach dem Tauchgang

Für Magda

“ Windstille. Sonnenschein. Ich schwamm unter Wasser. Und als ich zwanzig Jahre später wieder auftauchte, stellte ich fest, dass ein Unwetter ausgebrochen war, ein brodelnder Aufruhr, und ein wütender Sturm peitschte Wellen über mir auf.

Das Leben bricht auseinander. Wir versuchen es in die Hand zu nehmen, versuchen es zusammenzuhalten.

Wenn die Liebe Sprünge bekommt, dringt die Nacht ein. Und die dauert endlos. Sie ist voller zorniger Gedanken und Vorwürfe, und die quälenden Selbstgespräche verstummen auch nicht, wenn es hell wird. Das ist für mich eigentlich das Schlimmste: das meine Gedanken quasi beschlagnahmt werden.“

Ich dachte klar und fokussiert. Mit fünfzig, in einem Alter, in dem angeblich die Knochen ihre Robustheit verlieren, wurde ich körperlich stark. Ich hatte Energie, weil mir nichts anderes übrig blieb.“

Aus : Was das Leben kostet von Deborah Levy

Freitag mit Präventivmassnahmen

Auslöser des Gesprächs: ich warne Karla vor Gelenkschäden durch übermässiges Traing, Anna behauptet ich wüsste wovon ich spreche, denn sie hätte einen alten Trainingsplan von mir gelesen.

„Und wisst ihr was ich dann gemacht habe? Ich habe mich in Budapest in ein Lager gesetzt, habe mich fett gefressen und bin als die Zeit reif war als Mitfahrer im Trabbi nach Passau übergesetzt.“ War umsonst das Brachialtraining.“

Nein das ist keine Anspielung auf irgendwas. Meine Flucht war keine Flucht, sie war eine Übersiedlung.

Anna hatte mich heute morgen auf meinen Trainingsplan vom Mai 89 angesprochen. Sie muss ihn im Altpapier gefunden haben. Ja ich war jeden Tag viele Kilometer gejoggt, hatte Kraft, Ausdauer, Intervalltraining bis zum Exzess betrieben. Immer in der Natur des beschaulichen Großhennersdorf einem Ort in der Nähe von Bautzen.

Benötigt habe ich die aufgebaute Fitness in diesem Fall nicht. Ich bin nicht wie Andere über den Fluss geschwommen, über die Grenze gerannt, ich wählte die einfache Lösung.
Genau genommen, war das Mai 89 Training mein letztes wirkliches Training.

Mit 55 kg hatte ich Normalgewicht, war durchtrainiert, gesund. Ich hätte gut daran getan, diesen Zustand in gemäßigter Form zu halten.

„Und du sagst mir, ich solle nicht so hart trainieren?, fragt Karla.

Ich war als Jugendliche lange im Leistungssport gewesen. Unter Anleitung geht vieles besser. Eine Trainerin, die Frau C. sehr ähnlich war. Ihr verdankte ich, dass aus dem schwächlichen Kind, dass ständig wegen Atemwegsproblemen in der Klinik lag, eine Läuferin wurde.

Was mir derzeit fehlt, ist das in der Kommunikation nicht mehr Wert auf Präventivmaßnahmen gelegt wird. Positive Goals setzen. Nicht in Panik zu verfallen, sondern die Zeit zu nutzen, um aus sich das Beste herauszuholen. In Bewegung kommen, die Ernährung umstellen, das Immunsystem stärken. Die Beiträge für das Fitnessstudio bezahlen.

Gute Nachricht: Buchläden gehören in Schleswig-Holstein ab jetzt zum täglichen Bedarf

Frühstück auf dem See

Gegen sechs sind die Kinder losgefahren um vielleicht ein letztes Mal auf dem See Schlittschuh zu fahren. Es soll Plusgrade geben. Anna postet ein Bild von der Thermoskanne auf der dicken Haut des Sees. Es ist stockdunkel. „Erst mal frühstücken“ schreibt Anna.

Julius sagt der See hätte geknackt, man spüre das sich zusammenziehen des Eises. „Der See gähnt“, so Thoreau.

„Da lag was im Schilf „, sagte Anna. „Wir haben es angeleuchtet. Einer der am See geschlafen hatte.“

Leichter Wind, ich höre „Walden“ als ich zurückgehe. „Vereinfachung“, darum geht es Thoreau.

Habt einen guten, beschwingten Start in die Woche

Sonntag mit Rotkehlchen und Oma hoch über den Dächern der Stadt

Meine Mutter hat ihren Umzug bewältigt und wohnt nun hoch oben über den Dächern der Stadt. Auf die Frage was sie denn zum Geburtstag haben wolle, zögerte sie nicht lange: Whisky 12 Jahre gereift.

Sie ist begeistert von Anne with an e, Beethoven und den Schneewehen. Bei uns sagte man dazu früher Winter, sagt sie verschmitzt.

Ein Rotkehlchen sitzt auf der Deichsel des Wohnwagens, Es muss das selbe wie das im letzten und vorltzten Jahr sein. Aber ich google nach: Lebenserwartung 13 Monate.

Am Strand steht ein Kormoran und lässt sein Gefieder in der Sonne trocknen.

Morgen beginnt die Arbeit wieder. Ich halte diese stufenlose Öffnung der Grundschulen und Kindergärten für gewagt. Zumindest könnten dann die Zeitungen ihre gebrüllten Warnungen vor den Mutationen sein lassen, sonst beginnt man sich doch wie Kanonenfutter zu fühlen. Ehrlich dieses Coronawirrwarr hat auch meine Akzeptanz nahezu zum Erliegen gebracht. Das Virus scheint ohnehin schneller als der Mensch zu sein. Die Friseure, die Fußballer, die Nagelstudios…Ohne Worte-.

Macht verdammt noch mal die Theater wieder auf, die Opernhäuser, die Cafes und Restaurants und die Bibliotheken!

Höre Thoreau. Ein unglaubliches Hörbuch „Wo und wofür ich lebte“

Auszüge aus Walden.

Donnerstag mit Möbel Höffner-Kiel

Der Nachthimmel ist verblasst. Die frostklare Luft trägt das Heulen des Karakatschans über den zugefrorenen See. Fast metallisch klar auch das Krächzen der Krähen, das Scharren der Pfoten über das Eis. Und noch etwas anderes ist da. Das Heulen des domestizierten Wolfes wird von dumpf tönenden überdimensionalen Hammerschlägen pariert.

Unter diesem Schlägen wurde schon eine Kleingartensiedlung zermalmt.

Der Mensch will wohnen. Offensichtlich muss das schwedische Möbelhaus den Ansprüchen nicht gerecht geworden sein. Vielleicht darum seit Wochen dieser wuchtige Baustellenlärm, der davon zeugt, dass Möbel Höffner Nachbar von Ikea wird.

Ich schaue mich im Zimmer um. Den massiven Schreibtisch bekam ich von Herrmann geschenkt bevor er nach Afrika in die Entwicklungshilfe ging. Das Bett und die Regale baute der Gatte. Den massiven, blauen Bauernschrank vermachte mir Svenja bevor sie umzog. Das Hundesofa bekam ich ebenfalls umzugsbedingt geschenkt. Gekauft ist einzig der türkise Samtsessel und ein Bücherregal.

Dienstag mit Gelegenheitswerk

Mit Eis überzogene Strandgewächse. Die Möwen finden sich in Horden zusammen. Die Wellen klatschen gegen die Mole, ein Hauch von Morgenlicht fällt auf das Meer.

Im landläufigen Sinn keine Sturmflut, aber durchaus Wind von Ost , eisig ,ein bewegtes Meer.

Wasser, Wind und Kälte im Schaffensprozess. Eisskulpturen im Detail variierend über die heiser rufend Wildgänse ziehen.

Gelegenheitswerk

Samstag mit Bibliothek im Lockdown und Happy Homeoffice

Lange bin ich nicht mehr in der Stadt gewesen. In der Holtenauer Straße ist vom Lockdown wenig zu sehen. Die Geschäfte verkaufen außer Haus. Die hell erleuchteten Bäckereicafes strahlen einen Hauch Normalität aus.

Ich fahre auf den Parkplatz der Bibliothek. Ein großer Hinterhof, setze die Maske auf. Die Schiebetüren öffnen sich wie gewohnt, aber ehe ich eintreten kann, schiebt sich mir ein kleiner Wagen entgegen. Ich sehe es auf den ersten Blick. Madame Atwood fährt mir entgegen: Aus dem Wald herausfinden. Natürlich entbehrt es den Reiz des Stöberns, aber eine gute Zwischenlösung ist es allemal.

Zuhause gehe ich das Buchregal entlang. Es muss nicht immer Proust oder Hannah Arendt sein.

Ich sammle Clarissa Pinkola Estes, Gianconda Belli, Connie Palmen, Daniel Schreiber, Joanne Fedler, Anne Donath, Tetje Mierendorf. Haruki Murakami und Erling Kagge ein. Sie dürfen eine WG bilden in diesem Monat. Ich ziehe mit ein.

Umbruchzeit, ich spüre es deutlich. Zeit der Suche.

Der Karakatschan hebt die Nase in den aufkommenden Wind und sieht mich mit undurchdringlichen Blick an. „Pass auf, mach langsam, es ist spiegelglatt.“