Proust lesen Tag 58-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Die kleine Schar

Proust: Jetzt taucht Albertine auf. Lässig ihr Fahrrad mit einer Hand vor sich her schiebend, inmitten ihrer Freundinnen. Die anderen tragen Golfschläger, ihre Aufmachung unterscheidet sich von allen anderen jungen Mädchen in Balbec. Marcel kann sie keiner Klasse zuordnen. Sie beherrschen ihre Gesten, ihre Körper sind durchtrainiert, ihr Gebaren enthüllt ihre kühle, oberflächliche, harte Natur, zusammengefunden aus dem Widerwillen gegen alles Verweichlichte, Nachdenkliche, Ungeschickte. Sie empfinden sich als eigene Rasse.

So ziehen sie über die Strandpromenade wie ein neuer Komet am Himmel. Eine Bankiersfrau hatte ihren pflegebedürftigen Mann im Schutze des Musikpavillons auf einen Faltstuhl hingesetzt. „Das Podium der Musiker bildete über seinem Kopf ein natürliches, verlockendes Sprungbrett, auf dem ohne zu zögern die Älteste der kleinen Schar ihren Anlauf nahm, dann sprang sie über den erschrockenen Alten hinweg, wobei sie seine Strandmütze mit ihren gewandten Füßen berührte-zum Ergötzen der anderen Mädchen…“

„Der alte Knabe kann einem leid tun; der kratzt sicher bald ab“, bemerkte eines der Mädchen mit rauer Stimme und in halb ironischem Ton.“

Was wenn die Golfschläger Baseballschläger wären? Diese Frage tauchte damals im Seminar auf. Sah Proust das Einbrechen einer neuen Zeit voraus? Weit voraus?

Hamburg:

Im Musical „König der Löwen“ gewesen, großes Kino.

Am Strand gesessen und gepicknickt. Ich mag Hamburg sehr.

Sah aus als gäbe es eine Wohnung im Container. So ein Tinyhouse das wär mal was.

Proust lesen Tag 57-Im Schatten junger Mädchenblüte- Balbec-Abendessen bei Bloch

Proust:

Balbec ist ein Ort in dem sich die  verschiedenen Gesellschaftsschichten mischen. 

Saint Loup und Marcel sind zum Abendessen bei den Blochs eingeladen.

Bloch Junior ist alles was Marcel nicht ist, unverschämt, laut, draufgängerisch, vulgär, ungenau, inkompetent, prahlerisch. Aber auch literarisch gebildet.  Zum anderen zeigt er offen, was Marcel verbirgt, das Streben seine eigene Kaste zu verlassen, aufzusteigen.

Blochs Großonkel , Nissim Bernard, hat das was in Vater und Sohn Bloch angelegt ist, im vollem Umfang zur Verfügung. Er ist eine Art Münchhausen, eine Karikatur. 

Man begegnet sich, so schreibt es Proust, aber sieht die Welt von der jeweiligen Stufe auf der man sich befindet oder man gibt vor bereits auf einer viel höheren Stufe zu stehen.


Ich frage mich, ob ich mir nicht ein Werk zumute, das ich zu bewältigen nicht in der Lage bin. Ich weiß, dass mein Verstehen rudimentär ist und das sich Schätze heben ließen, wenn man das Rüstzeug dazu hätte.

Vermutlich warte ich deshalb die ganze Zeit auf Albertine, von der ich nicht sehr viel mehr weiß, als das sie in Sportkleidung durch Balbec zieht, übere ältere Herren herüberspringt. Es war die Szene, in der mir beim Proustseminar etwas wie Schuppen von den Augen fiel.

Nie wäre ich darauf gekommen, das Albertine einen neuen Menschentyp ankündigt, eine neue Zeit.

Falls jemand also Kenntnis hat-von einem Seminar, einem Lesekreise, Begleitlektüre….

Und danke Gerda! Dein Kommentar gestern war sehr hilfreich.

Proust lesen Tag 56-Im Schatten junger Mädchenblüte-1.Auftritt Charlus-Balbec

Proust: Baron Charlus trifft in Balbec ein. Ein Herr der nur zwei Finger zur Begrüßung reicht, durchdringender Blick, sich wie ein Geheimagent umsieht und Beunruhigung wie auch Müdigkeit ausstrahlt .  Einer der alles weibische und verweichlichte verachtet, selbst aber mit zuweilen hoher Stimme spricht und schrill lacht. Einer mit einer Maske aus feinem Puder auf dem Gesicht.  Feinsinnig und Ästhet mit Standesdünkel. Mit der Großmutter Marcels, debattiert er über Madame Sevigny und der Liebe zu ihrer Tochter. 

Mittlerweile verfahre ich mit Proust so, dass ich erst mal alles im Ganzen lese (die zwanzig Seiten), dabei unterstreiche. Am Nachmittag, lese ich den Text noch mal, schlage im Internet nach was mir unbekannt ist, male Beziehungsmuster auf. So gelingt es mir, etwas mehr in die Tiefe zu kommen.

Kiel/Falckenstein/Schilksee

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Aber nun war da dieser sonnige Tag, an dem ich durch Gluthitze zwei Stunden mit den Hunden unterwegs war.

Proust lesen Tag 55- Im Schatten junger Mädchenblüte-Saint Loup erzählt ein Geschichte über Charlus

 

Proust:

Bloch scheint ein ziemlich unangenehmer Typ zu sein, er bläst sich auf, knallt Marcel unfreundliche Wahrheiten vor die Füße, tuschelt hinterm Rücken und sagt Leift statt Lift oder Veneice statt Venice, weil er davon ausgeht, dass jedes I im englischen wie ei gesprochen wird. 

Es werden noch einige Fehler der menschlichen Psyche beleuchtet und dann erzählt Saint Loup, dass sein Onkel Charlus  erwartet wird und gibt gleich noch eine Geschichte zum Besten.

Es geht um Homosexualität: Ein Bekannter des Onkels, hatte sich einst beim Onkel eingeladen. Kaum war er durch die Tür, bekennt er sein Verliebtsein. Der Onkel im Zorn, holte sich einen Freund zu Hilfe. Sie zogen den Bekannten aus, prügelten ihn auf die Straße, wo er bei minus zehn Grad halbtot liegen blieb.

Diese Szene, erzählt bei Sonnenschein, Meeresrauschen und Urlaubsstimmung.

Kiel/Achterwehr/Westensee

Am Vormittag gepaddelt. Blaue Libellen, schwarzblaue Schmetterlinge, Eiderenten, Blesshühner, ein Bussard, Flussmuscheln, Seerosen und Sonnenschein.

dav

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Proust lesen Tag 54-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-1.Auftritt Saint Loup-Bloch und antisemitische Tiraden

 

Proust:Wie wertvoll sind Takt, Feinheit, Diskretion und vornehme Unaufdringlichkeit, wenn gewisse Leute wie Chateaubriand, Vigny, Hugo oder Balzac-eingebildete Menschen ohne Urteilsvermögen, es auch so zu etwas gebracht haben? Das fragt sich Marcel.

Abends legt er der Großmutter die skizzenhaften Eindrücke der menschlichen Wesen vor, die er vermutlich des Tages traf.

Saint-Loup trifft in Balbec ein, dieser ist der Neffe der Madame Villeparisis und beeindruckt zunächst durch Schönheit, (Marcel beschreibt den Eindruck eines überlegenen Sportsmannes), Eleganz und eisiger,hochmütiger Miene. Jedoch der Anschein trügt, er scheint allein für die Dinge des Geistes zu brennen, verbringt Stunden mit dem Studium von Nietzsche und Proudhon und hat eine Neigung zum Sozialismus. Marcel und Saint-Loup freunden sich.

Bloch: „Eines Tages, als wir am Strand im Sand saßen, hörten wir beide, Saint-Loup und ich, aus dem mit Tuch bespannten Strandhäuschen, an das wir uns lehnten, Verwünschungen gegen die Judeninvasion ausstoßen,von der Balbec heimgesucht sei. „Man kann keine zwei Schritte gehen“, hörte man jemand sagen, ohne daß man auf welche stößt. Ich bin nicht grundsätzlich gegen das Judentum eingenommen, doch hier herrscht ein Überangebot. Auf Schritt und Tritt hört man etwas wie: Nu hör Apraham, hab ich den Jakop gesein.“ Man denkt man sei in der Rue dÁboukir“ Der Mann, der in dieser Weise gegen Israel eiferte, trat endlich aus dem Häuschen; wir schauten auf und sahen den Antisemiten. Es war mein Kamerad Bloch.“

Bloch Halbjude, der damals selbst vom Onkel Marcels mit antisemitischen Sprüchen bedacht wurde, der Bergotte mag und kein Benehmen kennt.

Die Juden seien in Balbec schlechter assimiliert als in Paris, bewegten sich immer nur in ihrer eigenen homogenen Gruppe, seien mit keinem anderen Element durchsetzt, so beschreibt es Marcel.

Kiel/Eidertal

Für die erste Seite der der heutigen Zwanzig brauchte ich eine geschlagene Stunde. Jeden Namen schlug ich nach. Auch die Phädra las ich an, endlich.

Im Wohnwagen bei pladdernden Regen, „Divines“ noch einmal gesehen. Das Leben zweier Mädchen im Banlieu, die schnell an das große Geld kommen wollen. Das war gestern.

Heute ging die Tour durchs Eidertal, Vogelgesang, Grillengzirpe, drückende Schwüle. Auf einer morschen Brücke saßen Kinder und ließen die Beine ins trübe Wasser der Eider baumeln.

 

 

 

Proust lesen Tag 52-Im Schatten junger Mädchenblüte-Balbec-Kutschfahrt mit Madame de Villeparisis

 

Proust: Morgens in Balbec:  Marcel zieht die Vorhänge ungeduldig auf um das Meer zu sehen.

 

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„Denn keines dieser Meere blieb länger als einen Tag. Am nächsten schon war ein anderes da, das manchmal dem vorherigen glich.Nie aber habe ich zweimal dasselbe gesehen.“

Er erleidet einen Fieberanfall, darf nicht mehr zu lange in der Sonne verweilen. So fahren sie jetzt auf den holprigen Straßen des Festlandes in der Kalesche der Madame de Villeparisis an der „Kühle und dem weichen Wogen“ entlang. Die Apfelbäume haben ihre Blüten verloren und erste Fruchtansätze gebildet. Marcel fühlt sich dem Meer nicht mehr nah genug: „es kam mir nicht lebendig vor, sondern lag da wie erstarrt.“ Madame Villeparisis denkt fortschrittlicher als angenommen, nimmt die Republik in Schutz und hält Menschen die nicht arbeiten für Taugenichtse, was sich in diesem Fall eher auf den Adel bezieht.

Marcel erfreut sich an ihren Reden, vereinzelt auftauchenden Kornblumen und Landmädchen.

Norpois  findet wieder Erwähnung.

Krusendorf/Kiel

Dünen, Steilküste, menschenleerer Steinestrand, gesäumt von Huflattich, Schachtelhalm, Kamille und Schilf.  Oben auf dem Dünenweg, wogende Felder von Weizen, Gerste und Hafer. Auf dem Stein im Meer sitzt ein Kormoran, hinten im Bild ein bewegungslos verharrendes Kriegsschiff.

Windschiefe Bäume, die Rufe nach den Hunden verhallen im Wind und dem Rauschen der Wellen.

 

Proust lesen Tag 51-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Im Grandhotel Balbec-Francoise verbündet sich mit dem Personal

Proust: Marcel ist noch immer im Grandhotel und beobachtet Gäste. Er spricht von Gefühlsinsuffizienz und Lücken in der Empfindungsfähigkeit. Sein Leben im Hotel ist nicht nur traurig, weil er keine Freunde findet, sondern auch unbequem weil Francoise sich mit den angestellten des Hotels verbündet und für deren Rechte eintritt. Es geht viel um Verhaltenskodex, nonverbale und verbale Kommunikation und die Schwierigkeiten, die die Mischung der Gesellschaftsschichten mit sich bringt.

Kiel/Krusendorf:

Am Strand treffen wir auf eine ältere Dame mit silberweißen Locken, wettergegerbter brauner Haut, Gummistiefeln, Sonnenbrille, beeindruckenden Oberarmmuskeln und lebendigem Lächeln, einen Windhund bei sich habend. Sie will noch in den Dolomiten wandern.

Wenn ich solche Leute sehe“, sagt Luise, „dann macht mir das Alter keine Angst.“

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Proust lesen Tag 50-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Erste Eindrücke im Grandhotel Balbecs

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Proust:

„….das Meer frei daliegen zu sehen, heiter und doch verschattet auf einer Hälfte seiner Weite, die von einer schmalen, beweglichen Linie abgeschlossen wurde. und mit den Augen den Wellen zu folgen, die eine nach der anderen wie Artisten von einem Sprungbrett schnellten!“

Die Verschiedenheit der Beleuchtung, die Sonne die sich erst auf dem zerwühlten Bett , dann auf dem nassgespritzten Waschtisch und dem offenen Koffer breitmacht

Goldgelber Zitronensaft  der auf Seezungen geträufelt wird, der belebende Hauch des Seewindes, das anbrandende Meer und letztlich:

„Ich war noch nicht alt genug und noch zu empfindungsfähig, um schon auf das vergnügen verzichtet zu haben, anderen zu gefallen und sie für mich zu gewinnen.“

Hamburg:

Wind und Möwengeschrei.

Ein Securitymitarbeiter im Planten und Blomen Park achtete penibel auf Einhaltung der Regeln. Er sprach mit sächsischen Dialekt.

Eine Vase zerbrach, B. machte sich Gedanken um Arbeitslosigkeit, eine alte Frau fütterte am Rathausplatz Tauben.

Proust lesen Tag 49-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Fremdheit in Balbec-Heimat ist die Großmutter

Proust: Die Möbel im Hotelzimmer sind Marcel gegenüber feindselig gestimmt, selbst die Standuhr redet unablässig in einer fremden Sprache-vermutlich über ihn.

Heimat-ist allein die Großmutter.

Kiel/Heidkate:

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Wind und Wellen

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Letzter Arbeitstag.

Am Abend am Meer gewesen.

Proust lesen Tag 48-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Ankommen in Balbec-Kirche von Balbec-Enttäuschung

Heute ist  Tagebuchbloggen bei Frau Brüllen und ich bin mit dabei.

Proust: 

Marcel ist in Balbec angekommen und zutiefst enttäuscht, denn seine Vorstellung von der meerumtosten Kirche unter Möwengeschrei  ist nicht deckungsgleich mit dem was er vorfindet. Es ist ein Urlaubsort der nichts von der schroffen Einsamkeit hat, die er sich vorstellte. Am liebsten will er zurück nach Paris. Weg vom falschen Marmor des Grandhotels und dem Fehlen des gewohnten Umfeldes.

Kiel:

Kühler, wolkenverhangener Tag mit vereinzelten Nieselregentropfen. Die Disteln blühen lila und verströmen schweren süßen Sommerduft.

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Man darf es kaum erwähnen, aber an grauen Tagen wie diesen, an denen das Licht der kleinen Stehlampe den Schreibtisch erhellt, beginne ich mich auf die Herbsttage zu freuen.