Dienstag mit die einzig wahre Liebe- Die Flüchtende-Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

In was hat er sich verliebt?

Bei Gilbert, bei Albertine?

“ Ich hätte fast meinen können, die sinnliche und eigenwillige Persönlichkeit Gilbertes sei in den Körper Albertines übergegangen, der freilich etwas anderes war, aber doch jetzt, wenn ich darüber nachdachte, tiefgehende Analogien mit dem ihren aufwies.“

Die ersten Blicke Albertines seien von denen Gilbertes kaum zu trennen gewesen.

„Die schwer fassbare Persönlichkeit, die eigenwillige und listenreiche Natur Gilbertes wieder gefunden in einer anderen Inkarnation. Marcel fragt sich, wer wäre es anstelle Albertines gewesen, hätte er in einer anderen Stadt gelebt?

„Einzigartig? Glauben wir das?“

„Und dennoch steht sie kompakt, unzerstörbar vor unserem liebenden Blick unersetzbar für sehr lange Zeit durch eine andere.“

Marcel verneint Albertines Tod, erschafft sich eine andere Realität mit ihr, liest Bücher über Tischerücken. ….“ich begann die Möglichkeit einer Unsterblichkeit der Seele zu erwägen.“

Albertine stürzte mit dem Pferd in den Tod, welches Marcel ihr finanziert hatte. Vermutlich eine Anlehnung an Proust´s Chauffeur Agostinelli, der mit seinem von Proust finanzierten Flugzeug tödlich verunglückte.


In Butscha a seien die vermeintlich Toten ukrainische Schauspieler vielleicht auch amerikanische. Beim Abzug am 30. März hätte die russischen Truppen keine Leichen gesehen.

Widerliche Propaganda. Es macht hilflos.

Ich sehe Bilder von einer Friseurin die den Schutz suchenden die Haare schneidet in der Metrostation „Helden der Arbeit“.

Ich sehe ein Streichquintett im U-Bahnschacht spielen, eine Mutter füttert ihr Kind.

„Stell dir vor, hatte Saskia im Casablanca gesagt, Leipzig würde bombardiert und die Welt schaut zu.“

Tränen am Morgen. Ich bin dünnhäutig. Meine Seele gewöhnt sich nicht.



Ende des Regens. Übertrage die Frage der heutigen zwanzig Proustseiten auf den Tag. In was verliebt man sich? Was macht den oder die andere/en unaustauschbar? Wäre es in anderen Stadt ein Anderer, eine Andere gewesen?

Glaubt man an Zufälligkeit oder an Schicksal? (tendiere zu letzterem weil romantischer)

Die Maskenpflicht ist gefallen. Man trägt sie trotzdem in den Supermärkten und Geschäften. Eine Inzidenz über 2000.

Die Schulferien haben begonnen. Mittlerweile nutzen die Drei sie um arbeiten zu gehen. Ein Roadtrip im Sommer wird erarbeitet.

Sonntag-Albertine´s Tod

„Wenn eine Krankheit, ein Duell, ein durchgehendes Pferd bewirken, daß wir den Tod ins Auge sehen, so meinen wir, wir hätten sonst noch das Leben, die Lust oder unbekannte Länder in Hülle und Fülle genießen können, all die Dinge derer wir uns nun beraubt sehen. Ist aber die Gefahr vorbei, so finden wir nichts anderes wieder als das gleiche trübselige Leben, in dem von alledem für uns nichts existierte.“

(Auf der Suche nach der verlorenen Zeit/Die Flüchtig/Proust)

Die Amazone im Gummimantel und Schlangenhelm auf dem Kopf, radfahrend ganze Straßen von Balbec in Angst und Schrecken versetzend, wird mit dem Tod bestraft. (sinngemäß aus Schmidt liest Proust/ Jochen Schmidt). Aus der Rolle gefallen wird nicht ungestraft.

Marcel erhält ein Telegramm. Albertine ist bei einem Reitunfall tödlich verunglückt. Er lebt in der Schattenwelt seiner Erinnerung, durchläuft die Jahre rückwärts, versucht zudem in der Gegenwart die Geheimnisse Albertines zu entschlüsseln. Aimee wird ins Seebad geschickt, um herauszufinden, ob Albertine in den Duschkabinen amouröse Abenteuer mit anderen Frauen hatte. Man hofft auf die Indiskretion der Bediensteten gegen Geld.

Marcel bemerkt, dass es vielleicht an der Zeit sei, Albertine nicht mehr aus sich heraus verstehen zu wollen, sondern aus ihrer Perspektive zu sehen. Er quält sich. Zugleich die Angst vor der Heilung-dem Vergessen.

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Sonntag-kalter, blauer Himmel. Licht fällt über den Dielenboden. Ich brauche einen Kaffee, auch wenn ich ihn nicht trinken sollte.

Der kleine Hund ist zurück aus Dänemark. Die Kokonidame sieht aus als hätte sie eine Schönheitskur hinter sich. Eine Woche Wanderurlaub an Dänemarks Steilküste haben aus der Couchpotatoe ein waches, neugieriges, quicklebendiges Wesen gemacht. Seidiges Fell inklusive.

Mein Gott ich muss in Bewegung kommen, denke ich. Mein Bruder schreibt: Wann kommst du?

Samstag schreibe ich gegen Abend, kauft bitte nichts ein. Darf nur Haferflocken mit Hafermilch, aber die Entzündungswerte sind das erste mal seit Jahren verschwunden. Geflügel geht auch, in der Menge wird es unmoralisch. Keine Ahnung wie ich das ersetzen soll, wenn Hülsenfrüchte und Soja nicht gehen.

Anna schreibt: Hej mein Abiball findet statt! Ihr seid eingeladen! Ihr helles klares Lachen im Haus. Und ihre Hilfsbereitschaft, als ich schreibe: Kollegin ist krank, wird eine harte Woche. Könnt ihr einkaufen? Und hier übernehmen?

Karla spielt Bach. Prelude c

Ukraine: Furchtbare Bilder aus einem Vorort von Kiew. Tote Zivilisten am Straßenrand. Der Spiegel schreibt von ganzen Familien die erschossen im Auto sitzen, Kinder, Großmütter, Mütter, Väter.

Odessa wird von Raketen getroffen. Der ukrainische Außenminister wirft Steinmeier zu große Russlandnähe vor.