Proust lesen Tag 124-Sodom und Gomorrha- Albertine-Eifersucht

 

Im Wald kann man den Blättern bei der Transformation zusehen, noch in Farbe verwandeln sie sich zu einem nassen schleimigen Zwischenzustand, um irgendwann in Erde überzugehen.

Proust: (zu Albertine): „Ich hätte an jenem Abend abreisen sollen, um sie nie mehr wiederzusehen. “ Man ahnt die Dramatik die noch folgen wird. Jede neu anreisende junge Frau, versetzt Marcel in die Not, Albertine nicht ihre Begegnung machen zu lassen. Die krankhafte Eifersucht nimmt ihren Lauf.

Proust lesen Tag 123-Sodom und Gomorrha-Albertine

Den Hokkaido zerteile ich, füge Anis, Kurkuma, Lorbeer hinzu, später noch Honig und Apfel, währen die Kartoffeln bei 100 Grad im Ofen garen, nebenbei höre ich

Proust. Ich mag die Stimme Albertines nicht. Sie ist mir zu unterwürfig. Irgendwo habe ich gelesen, dass man Proust nicht psychologisieren sollte. Ich kann gar nicht anders, als es psychologisch zu betrachten, weil die Liebesbeziehungen und Verehrungen immer ins wahnhafte abgleiten. Immer ist da die Suche nach Symbiose, jedenfalls verstehe ich es so. Marcel hält Albertine hin, sagt ihr er sei in Andree ihre Freundin verliebt und ja fast hätte er auch mal sie geliebt-Albertine, aber nun nicht mehr. Er genießt darauf hin, dass er nun wesentlich unbefangener mit Albertine umgehen kann, deren Verwandlung vom wilden Kätzchen zur gefügigen jungen Dame vollzogen ist. Es sind diese Stellen, die ich nicht verstehe. so wie er sich hier über Albertine äußert, so äußert er sich über Charlus oder Bloch-abfällig. (satirisch, ironisch, überspitzt.)

Langer Spaziergang am Fluss entlang, Sonne, Wind, Regen und Regenbogen, die Libellen fliegen noch immer.

Wieder zurück zu Hause, bollert der Ofen, es riecht nach Lavendel und Thymian. Anna hat Klösse selbst gemacht. Ich weiß jetzt wer das Weihnachtsessen kochen wird. Julius schleppt Körbe voller Holz herbei.

Der Hund sieht die Klöße auf dem Tisch, sieht mich versunken in Proust, springt mit den Vorderpfoten auf den Tisch, holt sich den Kloß.

 

Proust lesen Tag 122- Sodom und Gomorrha

Es stürmt. Böen treiben das Laub vor sich her. Der Himmel ist bedeckt, es dämmert bereits. Ich mag dieses Wetter so viel mehr, als diesen satten, unbeweglichen Sommer.

Mit der Gewitterschwimmerin unterm Arm verlasse ich den Buchladen, es ist später als geplant, weil es mir nicht gelang rechtzeitig von der Arbeit aufzubrechen. Die Vorfreude ist groß.

Dann fällt mir ein: „Ich muss ja noch Proust lesen.“ Manchmal ist es allein eine Disziplinübung, ich glaube dass es auch meinem nur oberflächlichen Verständnis geschuldet ist. Ich lese was da steht ohne die Symbolik überhaupt zu erkennen. I

 

Madame de Cambremer ist für mich nicht gerade die interessanteste Person. Sie beurteilt Künstler und Werke von ihrem eigenem unübertroffenem Standpunkt aus und sabbert dabei durch Hypersekretion.

Schön: “ Man behauptet, einer Epoche der Hast entspreche eine „rasche“ Kunst…Man empfahl, die Aufmerksamkeit des Zuhörers nicht zu ermüden.“

Bei der Gewitterschwimmerin lese ich von Schmerz der größer ist als angenommen und von Trauer von der man nicht wusste, dass man sie nachzuholen hätte,von Bässen die im Auto wummern, als wäre es ein vor Anstrengung pumpendes Herz, bleigrauen ernsten Wolken und einem Meer das antreibt.

Proust lesen Tag 121-Albertine-Selbstintoxikation

Bazillen der Schwermut so nennt es Terezia Mora in ihrem Roman „Das Ungeheuer“, Keime der Toxikation so nennt es Proust und benennt damit nicht die Schwermut, sondern die Eifersucht, die ich in diesem Falle, als Flucht vor Schwermut deute. Denn so oft von Liebe oder Verliebtheit die Rede ist, so ist sie vergiftet von Sehnsucht, Festhalten wollen, Eifersucht. Gerade eben war alles noch gut, dann holt Cottard die Giftspritze raus, der Patient wie gelähmt spürt das Gift warm durch seine Adern rinnen, das Ausmaß der Vergiftung aber, begreift er erst später. Begreift er dann, als er sich nicht mehr konzentrieren kann, die Gedanken an Albertine kreisen, das Misstrauen sich breit macht. Es ist es eine Leere, eine Sehnsucht, die durch eine andere Sehnsucht überdeckt wird, um die Ursprungswunde nicht spüren zu müssen, bzw sie überhaupt erst mal wahrzunehmen. Vermeidung durch Ersatzdrogen. Ob der Schmerz geringer ist bleibt zu fragen. Oder aber ist es die suche nach dem Seelenpartner? Demjenigen mit dem man rund und heil wird?

Kiel:

Am Morgen:

Draußen war es kühl. Eine Krähe ließ eine Walnuss auf die Strasse fallen. Vielleicht wartete sie auf ein Auto, dass ihr half die Nuss zu knacken. Ich hob die Nuss auf.“

 

Proust lesen Tag 120-Sodom und Gomorrha-Albertine

Hamburg:entgegen der Gewohnheit ist der Zug pünktlich. Noch ist der Wind warm. Auf der Mönckebergstrasse spielen ein paar junge Typen Schlagzeug auf Mülltonnen. Es groovt. Die Saison ist beendet, die Touristenströme ebben ab.

Viel Polizei, auch Helikopter, Streifenwagen bilden Barrikaden. HSV hat gegen Sankt Pauli gespielt. Ich befinde mich auf dem Rückweg.

Proust:

Marcel auf dem Weg zu den Verdurins, wird von einer Betriebsstörung der Straßenbahn ausgebremst. Nachgelesen: Die Bahn verbindet die verschiedenen Welten, Verdurin, Sodom, Gommorrha, La Raspelliere und Balbec. In diesem Falle will Marcel zu den Verdurins, bei denen sich später zeigen wird, dass sie im Wandel der Gesellschaft die Aufsteiger sind und macht statt dessen einen Stopp im Kasino, somit wendet er sich der Welt Gomorrhas zu

Cottard (Verbindung zur Welt der Verdurins) begleitet ihn. Marcel trifft dort wie erwartet auf Albertine, die in Ermangelung junger Männer mit ihrer Freundin Andree tanzt.  Cottard weist Marcel daraufhin, dass die Brüste der Beiden sich beständig berühren und glaubt sie befänden sich auf dem Höhepunkt der Lust. Das Misstrauen bei Marcel ist geweckt, er hält eine Neigung Albertines zu anderen Frauen für möglich. Er beginnt in gewohnter Intensität um dieses Thema zu kreisen.

 

Wetter:

Ein Kolonie Eichelhäher in der Konifere, sie kreischen und krakeelen in Variationen. Die Sonne geht rot auf. Bei 8 Grad ist es herbstlich kühl, fast schneidende Luft. Die Sommerblumenmischung fröstelt.

Proust lesen-Tag 119

Habe in einem neuen BLOG-Beitrag Deinen Maccaroni-Cheese in Katzenfutter verwandelt, was an sich nicht tragisch ist. War aber im übrigen nicht so nett, wie man das von Mit-Bloggern vielleicht erwartet. https://leolaeufer.com/

  1. Wichtig erscheint mir der Ausgangspunkt: Ich fand Proust in unserem Keller, vermutlich hatte der Gatte die Recherche mit in die Ehe geschleppt und mir somit das Vergnügen beschert auf diese 7 Bände zu stoßen, als ich eigentlich nach Marmeladengläsern suchte.
    Ausgangspunkt Nummer zwei: kein Abitur, kein Studium, kein geisteswissenschaftliches Training, eher so ala Bitterfelder Weg: Proust von unten.
    3. Grundvorausetzung: Vollzeitjob im pädagogischen Bereich, mit 3 pubertierenden Kindern. Vielleicht gibt es ein Tabu das besagt, mit solchen Voraussetzungen, lass lieber die Finger davon, wäre ja sonst schade um Proust und so weiter…
    Ja, ist schnell und kurz abgehakt im Moment, Vergleich mit dem abgebremsten Porsche passt.
    Grundfrage für mich war:
    geht das mit Proust im Alltag und mangelnder Bildung oder geht es nicht. Im Moment sieht es tatsächlich so aus als würde das nicht funktionieren und dann nehme ich eben das mit, was sich mitnehmen lässt, darauf habe ich übrigens in vergangenen Posts immer wieder hingewiesen. Es ist leider eher ein Projekt für mich als für den Leser. Kommentare finde ich immer bereichernd, bzw. meistens.Wenn dir das nicht anspruchsvoll genug ist tut mir das leid. Du musst dir das ja nicht ansehen bzw. lesen:). Ändern werde ich es nicht.

Proust lesen Tag 118-Sodom und Gomorra

Marcel denkt in seinem Hotelzimmer,  an seine verstorbene Großmutter und sucht im Styx der Gedanken nach ihren Spuren. Sie ist verloren.

Nachgelesen: “ Die Erinnerung an seine Großmutter und damit die Trauer über ihren Tod überfällt Marcel förmlich.. An den ersten Tagen kann er in Balbec  das Hotel kaum verlassen. Es ist die Verbindung zu seinem altem Ich.

Ich war viel im Internet unterwegs, hab auf einen Sturm gewartet der nicht kam, Maccaroni Cheese gekocht-weil wir nichts anderes da hatten und versucht die Kopfschmerzen auszuhalten. Lesen konnte ich so nicht. Deshalb ist der heutige Post so kurz und inhaltsleer. Der Vorort liegt wie verlassen, vor Kälte und Regen schlotternd. Nur ein Eichhörnchen lief über die Straße.

Später ging ich mit dem Gatten noch eine lange Hunderunde im Mondschein. Warm eingepackt erschien das Wetter nun nahezu mild, kein Mensch auf der Straße, ein Gulli rauschte. Es roch nach Feuerholz und Laub, windstill.

 

 

 

Proust lesen Tag 115-Sodom und Gomorra

Mit einem Klacken fallen, die Eicheln vom Baum, eher springen sie. Junge Eichhörnchen  springen hinterher.  Es ist bereits recht warm als ich zur Arbeit gehe, später als sonst.

Libellen fliegen zusammen mit Wespen immer dicht über den Sand, als würden sie die Ritterburg observieren, die später ein paar Füßen zum Opfer fällt.

Die Erkältung hat auf mich übergegriffen, das Aspirin überdeckt die Halsschmerzen, aber nicht den Schnupfen.

Der Tag hat zu wenig Stunden.

Proust: Endlich hat Marcel die Soiree verlassen. Bei Francoise, die eilig die Schüsseln wegräumt (sie hatte nur ein paar Happen gegessen), fühle ich mich wohler.

Marcel erwartet Besuch, Albertine hat sich angekündigt.