Übung 8- der Vater

Fräulein? Gönnse mer a solch gudse middbringe?

„Er nervt.

Der meint die Eukalyptusbonbons.“

Klar sage ich . Mach ich.

Nächster Morgen:

Wo ist er hin?

Oh Kind. Ich hab a solch schrecklich Nach hinner mir.ständig hat er noch einen gudse wolle, un geraschelt hat’s und geknistert.und der Depp ist an mein Bett kumme um sich welche zu klaue. Der dachte ich schlaf

Und ?

Hab ich Schattenspiele an die Wand geworfe. So.. Der war abergläubisch, Jenischer.

Jenischer?

Unterbricht mich doch nicht. Fahrendes Volk.

Sinti und Roma?

Nein Jenischer, später erklär ichs dir. Also er is ins

Bett geflüchtet.

Und?

Hat trotzdem kei ru gegeben. Ständig gebettelt hat er…

Und?

Ich hab dann ne Handvoll rübber geworfe da war Ruh.

Bis de Alarm losging.

Der Depp hatte Zucker. Was denkst du was hier los war. Jetzt hadder a Einzelzimmer

Klinikum Ludwigshafen

Übung 4 Nachtrag-der Vater

Papa

Der babbelt mit niemande mehr.

Merkwürdig überdimensioniert wirkt der Nachbar auf seinem metallenen Krankenhausbett.

Geruch nach Desinfektion. Stickig. Schwer. Wo ist die Mandelblüte?

Ich lege meine Hand auf deinen Handrücken. Bleich und wächsern, kühl wie ein gebrochener Flügel. Du warst immer voller Kraft.

Geschlossene Lider.

Kind

Du ringst nach Luft.

Gäbe se ihm Sauerstoff mit de Schlauch, sagt die Krankenschwester. Vielleicht könne se ihn füttern. Du würdest nicht mehr zu dir nehmen, sagt sie und bringt eine Frikadelle. Du würdest eigentlich auch nicht mehr sprechen. Er will nimmer, sagt sie.

Können sie die pürieren? Er hat keine Zähne im Mund.

Eis!

Nach dem Essen okay?

Du sagst etwas. Ich verstehe es nicht. Ohne Zähne, ohne Luft.

Frau R.? Sie ist tot.

Du schüttelst den Kopf. Sag noch mal.

Frau R. wartet da oben auf dich? Mit Bratpfanne? Kriegst du auf den Kopf?

Ja vielleicht, sage ich. Hast mich halt immer zu spät abgeholt. Und zur Strafe gibt es süßsauer eingelegten Kürbis wirst sehen.

Du isst.

Der bettnachbar zeigt sich beeindruckt.

Wir haben uns Jahre nicht gesehen.

Frau R. betreute mich. Ich zeigte mich zu schwächlich für die sozialistische U3 Gemeinschaftserziehung. Und auch später im mutterlosen Jahr. Die Betreuung. Eine skurrile alte Dame in Dederonschürze die mit ihrer Mutter zusammenlebte in einer winzigen Plattenbauwohnung. Andere Geschichte.

Wo kommense denn her? Der Bettnachbar fragt. Ich muss Eis holen, sage ich entschuldigend.

Im Gang der junge Arzt der mich an M. erinnert. Wie lange noch?

Nicht mehr lange, aber eine Prognose kann ich nicht geben.

In den Fluren auf dem Weg zur Eistruhe dieser pfälzische Dialekt.

Ich war nie im Pfälzer Wald

Übung 5- der Vater

Empfindest du Schuld, wenn dich ein Arzt oder eine Ärztin, jung wie dieser, behandelt.

Ich empfinde Schuld. Alles in mir ruft Taterkind- das ist die Schere. Deine Schuld, die zu meiner wird und meine Liebe zu dir. Und ich sehe wie dieser junge Arzt mir zuschaut vom Flur aus, während ich dich füttere.

Hast du dir angesehen wo sie die Jahre verbrachten, die sie bessern sollten? Heilen sollten vom falschen Gedankengut? Genesen sollten von Wünschen nach einem freien Leben. Ich habe es gesehen.

In der Nacht träumte ich das du in meinen Armen starbst, weil ich es gewagt hatte dich an die Öffentlichkeit zu ziehen. Du

Du sprachst von Verrat. Eine Absurdität

Übung 3-der Vater

Tschekist nicht Tschetnik. „Ich habe mich als Tschekist verstanden.“

Ich klaube die Bits und pieces zusammen. Der Winter Mitte 70 . Du standest in der langen Reihe vor der Kaufhalle. Es gab Lakritzstangen. Lakritzstangen das war Mandelblüte und Pfälzer Wald in einem. Es würde saure Kartoffeln zum Mittagessen geben.

Und Sehnsucht im Essen. In der Plattenbauwohnung. Im Blick.

Bits und pieces: Er sieht aus wie dein Vater, sagt meine Mutter. Und ich sage: Ich weiß.

Übung2

Übung 1

Übung 2

Warum?

Weil ich nicht wollte, das das was wir uns aufgebaut haben von diesen Menschen kaputt gemacht wird.

Du hast diese Zeiten nicht erlebt. Wir haben an eine bessere Gesellschaftsform geglaubt. Zu diesem Preis?

Zu diesem Preis.

2. Telefonat:

Warum?

Ich habe mich als Tschetnik verstanden.

Werde ich jemals diese Teile zu einem ganzen zusammenfügen können? Den Duft der Mandelblüte, die Sehnsucht nach dem Pfälzer Wald, die Maidemobstrationen, die Namenslisten, die Großmutter die Care Pakete schickte?

I

Übung1-der Vater

Immer wenn er kocht spricht er mit pfälzischen Dialekt. Immer wenn er kocht, erzählt er von Mandelbäumen und dem Pfälzer Wald.

Immer wenn er kocht singt er Lieder wie: siehst de net de wutz im goade.

Immer wenn er kocht, kocht er an Wochenenden. Es ist das mutterlose Jahr. Spirelli mit saurer Gurke und Tomate, manchmal auch saure Grumbeerebrie. Aus dem Fenster der Blick auf die Plattenbaustadt. Eine neue Stadt für neue Menschen.