Alltagspost- temporär

Vielleicht stimmt das mit der Nichtidentität vom Hochlandrind auch nicht. Falsche Fährten legen:)

Im Prinzip Quarantänealltag ohne Corona. Erst Adorno, dann:

Der Versuch bei der Zulassungsbehörde schon Mal eine Parkplakette zu bekommen per Telefon- scheitert. Vier Strafzettel , weil der Termin erst in fünf Tagen ist, ich aber das Auto in der Nähe haben muss.

Es ist praktisch unmöglich sich in Gänze an die Vorgaben der Instandsetzerim zu halten

Spazieren erst in 7 Tagen.

Das Auto muss auf den Kostenlosparkplatz. Für den Rückweg brauche ich lange. Tempo 2 per pedes.

Julius kommt, erledigt Erledigungen. Er muss danach noch arbeiten, ich rechne ihm das hoch an.

Wie machst du das denn mit dem Kochen?

Jana hat vorgekocht. Unmengen und richtig leckere Sachen. Ich werde eine weiter Inkarnation brauchen um das wieder gut zu machen.

Heute gibt es Spaghetti mit Tomaten aus ihrem Garten. Willst du probieren? Es schmeckt. Richtig gut.

Julius zeigt mir ein Video von Jazz Emu. Coole Musik.

Später

Ich lese Amy Liptrot Nachtlichter zum 5. Mal. Orkney……immer wieder Erinnerungen an die Wochen in der Saltwaterflap. An diesen ewig rauen Wind, den Blick auf das Meer, Einkaufsfahrten aufs Mainland mit dem Schlauchboot. Die Dunkelheit im Winter, das Weihnachtsfest als man von Haus zu Haus ging, Silvester mit Whistle, Fiddle und orcadian Whisky, lange Spaziergänge im Sommer durch das idyllische Tal.

Erinnerungen

Wenn die Ruhe zu groß wird setze ich mich aufs Fensterbrett und sehe dem schnellen Treiben auf der kleinen Straße zu.

Mittwoch mit Hochlandrind, Saltwaterflap, Einfachheit. Für Saskia

Es ist niemand insbesondere gemeint. Das Hochlandrind steht für die Sehnsucht nach dem Einfachen.

Diese Zersplitterung, das Schnelle, dieses medial mit allem verbunden und doch nicht verbunden zu sein. Es erschöpft. Es hält an der Oberfläche. Morgens bin ich aufgewacht mit dem Bild von der Saltwaterflap auf Hoy. Orkney. John du fehlst.

Saltwaterflap Rackwick Hoy Orkney Schottland

Weißt du die Phase jetzt ließe sich nutzen. Anstelle dessen verliere ich mich in Suchmaschinen und Messengern. Wer weiss wann so eine Zeit noch einmal kommt. Ich will sie nicht vergeuden.

Das ist als würde man vor dem Tor mit der Sphinx stehen, aber nicht durchkommen. Der Zugang wird verwehrt.

Das Hochlandrind steht für Einfachheit, für das was wirklich wichtig ist. Die Drei sind wichtig. Die Freund*innen sind wichtig.

Was ich damit sagen möchte, ich breche auf zur Saltwaterflap. Ein Versuch einer inneren Reise.

Und danke Saskia für all die Denkanstöße gestern im Gespräch.

Dienstag mit Hochlandrind

Auswandern wäre gut, sagt S. Sich dem ganzen entziehen.

Es ging vorher um Schnelllebigkeit , die Erziehung zum perfekten Konsumenten, Dekonzentration, Zersplitterung. Apropos Konsument*in: schau Mal was ich mir heute gekauft habe.

Schottland. Die Orkneys sind unberührt. Rackwick, Hoy, und wenn es kein Hochlandrind wird, dann eben ein schwarzes Schaf.

Und sonst? : Danke Jana für deine Hilfe und danke euch Dreien , dass ihr hier helft.

Samstag mit besonders

Die Sache ist doch die, ja du bist ein besonderes Hochlandrind. Du bist einzigartig.und für mich bist du es sowieso. Nicht weil dein Fell glänzender ist oder du bedeutende andere Hochlandrinder kennst. Ich mag dich , weil du bist wie du bist.

All die anderen Hochlandrindern sind auch besonders, jedes für sich, das muss man sehen können.

Nee sagte das Hochlandrind ich bin besonders besonders.

Es stand auf der neuen Weide. Probegrasen.

Und sonst? Bräunig ist wieder aufgetaucht. Er befindet sich noch immer an dem sicheren Ort. Am Dienstag darf ich ihn abholen. Danke Alexander Carmele fürs Überbrücken!

Habe ein arbeitsreiches Wochenende vor mir auf neuen Weiden ( sozusagen) und bin gespannt wo es mich hinführt.

Lesen ist im Moment nur sporadisch möglich. Aber Hannah Arendts Vita activa passt gut.

Bedeckter Himmel.

Donnerstag mit Chroniken eines Hochlandrindes

Chroniken vom Hochlandrind sollen das nicht werden, jedenfalls nicht ausschließlich.

Jedoch: das Hochlandrind sendet widersprüchliche Botschaften, irritierte mich damit.

Eines Tages legte es sich in die Sonne. Ich bin müde, sagte es. Meine Hufe Schmerzen.

ich machte mir Sorgen, beschloss den Tierarzt zu holen.

Immer ist das Geld ist knapp.

Ich hütete zusätzlich eine Horde Schafe um den Tierarzt bezahlen zu können. Es gab kein Wochenende mehr.

Kein Kaffee mehr Samstags im Bett, keine langen Lesestunden, stattdessen zog ich über fremde Weiden und achtete darauf dass mir kein Schaf verloren ging.

Auch ich war müde.

Der Tierarzt kam, als ich das Geld zusammen hatte. Er kam abends, weil er nachmittags verhindert gewesen war. Nie hatte ich die Weide des Hochlandrindes abends aufgesucht.

Wir waren erstaunt, welcher Anblick sich bot. In wilden Sprüngen tobte und sprang das Hochlandrind über die Weide. Keine Spur von schlechten Gewissen. Habt ihr meine tollen Sprünge gesehen fragte es.

Ich gab dem Tierarzt das Geld. Vielleicht sollten sie morgens wiederkommen sagte ich.

Morgens ist es immer besonders schlimm.

So blieb es. Abends bocksbeinige Freudentänze im Abendrot, morgens matt, krank, verzweifelt.

Die Frage wie mit dem Wesen weiter umzugehen sei blieb.

Vielleicht hat ja jemand von euch da draussen eine Idee. Ich bin wirklich hilflos.

Mittwoch mit Begutachtung neuer Weiden

Heute morgen, auf dem Weg zur Arbeit, habe ich das Hochlandrind gesehen.

Es stand vor einer neuen Weide und hielt neugierig die Nüstern in den Wind.

Ich sah, es hatte sein Fell gebürstet und in den Augen war ein neuer Glanz. Es wurde beäugt von zwei anderen Hochlandrindern. Sie schienen miteinander auszukommen. Das Hochlandrind ist ein besonderes Hochlandrind und kann , wenn es will charmant sein.

Und fragte ich später?

Ich darf sie besuchen, sagte es. Du hattest Recht mit den blühenden Landschaften. Das Gras sah gut aus. Vielleicht wird es die neue Weide.

Es freute mich, das Rind mit dem Glanz in den Augen zu sehen. Die Gewohnheit hatten sie stumpf aussehen lassen, jetzt aber konnte man die Weite der Steppe erahnen.

Immer noch Dienstag mit Hochlandrind und Ariadnefaden

Man hatte es dem Hochlandrind angesehen, es fühlte sich nicht gut.

Unfrei, sagte es und kaute traurig auf den verbliebenen Grasspitzen.

Und müde. Unendlich müde.

Das Hochlandrind hatte gar nicht gehen können, weil ein Riegel am Tor war. Mit Code: 030522

Ich- die nie Riegel vor Toren akzeptierte, hatte. Der Code ist 030522 flüsterte ich ihm zu. Langsam öffnete sich das Gatter.

In den aufkommenden Wind rief ich ihm hinterher.

„Hej, was wird jetzt aus meinem Pullover? Ich wollte mir aus deinem Fell Wollfäden spinnen, einen als Ariadnefaden um den Weg zu finden, drei für den Pullover als Schutz vor rauen Winden.“

Das Hochlandrind sah müde auf, trottete dann wortlos durch das geöffnete Tor. Ich war nicht ärgerlich nur müde. Es war nicht ärgerlich, nur müde. Freiheit kann müde machen, das ist ihr Preis. Manchmal.

Aber Unfreiheit macht immer müde. Wirklich immer.

Immer noch Dienstag mit Hochlandrind und abgeweidet

Weißt du, sage ich zum Hochlandrind. Mir ist nicht entgangen, wie sehr du an dieser Weidefläche hängst.

Schau, das Gras ist verdorrt, ein paar grüne Halme zu finden, ist als würde man sein Essen würfeln.

Manchmal gibt es was, manchmal nichts. Das Gras was du siehst ist eine Täuschung, eine Fata Morgana.

Diese Weise ist :

Abgeweidet, sage ich. Gib dem ganzen einen Break oder verlasse es. Ich verspreche dir blühende Landschaften.

Das Hochlandrind blockiert.

Es hängt an der Weide. Ein Jahr hat es hier zugebracht. Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Frühling.

Ich löse dem Pflock. Vertrau mir, Rindvieh. Blühende Landschaften.

Sonntag mit Osterimpressionen

Beim Frühstück sagt Karla, Superheldenfilme fände sie blöd, man könne da nicht mitfühlen und sie schaue lieber peaky Blinders.

Anna liest aus den Känguruchroniken etwas über Voltaire und Leibnitz.


Später steht Lucia in der Tür. Komm herein. Hier findet gerade ein Schützengrabenüberspannendes Grillen statt. Und zur Mauer gewandt: „Wir bilden Geschichte nach, Ulbricht und so. Wir haben mal wieder den lichtlosen Part abbekommen. Küche und neues Wohnzimmer liegen fortan im Dauerdunkel.

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„So ein Hof mit Ziegen und Selbstversorgung, das würde mir genügen. Die Welt retten müssen jetzt andere.“

Lucia übergibt Karla ein Osterpräsent.

„Ich weiß nicht“, sage ich, „vielleicht liegt etwas in der Luft. Seit Tagen führe ich ein Hochlandrind neben mir her, in der Hoffnung irgendwann eine Hütte zu finden, das spinnen zu lernen und mir aus seinem Pullover zu stricken.“

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Lese: „Der Duft der Blumen bei Nacht“ von Leila Slimani. Sie lässt ihren Vater auferstehen.

„Ich schreibe, und ich grabe ein Loch in die Wand einer Zelle. Ich schreibe, und jede Nacht feile ich an den Gittern eines Gefängnisses. Ich schreibe und ich rette ihn, ich biete ihm Ausflüchte, Landschaften, Figuren, die ungewöhnliche Abenteuer erleben. Ich biete ihm Leben, das ihm angemessen ist. Ich gebe ihm das Schicksal zurück, das man ihm verwehrt hat.“ Leila Slimani/ Der Duft der Blumen bei Nacht.

Im Vorgarten:

Den haben drei in der Coronazeit angelegt. Wunderschön. Gartenarbeit.

Das Hochlandrind binde ich an den Staketenzaun.

Ich befreie den Thymian von der Quecke befreie.

Nach dem Vorgarten:

Lese ich zum ersten Mal James Baldwin: Giovannis Zimmer. Was für eine Sprache.