Oh so sonnig heute , sage ich, als du eintrittst. Ich weiss nicht was mit mir los ist. Jedes Jahr habe ich mich auf diese Zeit gefreut. Ein Störfeld jetzt.

Komm leg das Buch weg, sagst du. Die Sonne scheint, die Kastanien und Haselnüsse fallen von den Bäumen, die Blätter sind freischwebend. Wir gehen in den Park mit der Fontäne

Ich darf nicht spazieren gehen, fauche ich. Nur auf dem Fensterbrett abhängen. Du hättest fragen können ob ich Hilfe brauche.

Am Ende ist es immer Arbeit. Selbst mit dir, sage ich genervt.

Du gehst.

Ich lass mir durch dich nicht die Laune verderben. Du ziehst deinen Hut.

Du hast meine schon verdorben. Könntest du es bitte weiter regnen lassen, nur ein paar Tage flehe ich dich an.

Der Regen kommt wenn er will nicht nicht wenn er soll

Ich rufe dir einen zornigen Zweiwortsatz hinterher. Hab gar nicht gewusst, dass du so fluchen kannst. Du drehst dich nicht um.

Willkommen Mr. Herbst

Andere Begegnungen: 2016, 2018, 2021

Wie hast du mich gefunden?

Du bist zu früh.

Halt, häng bitte die Jacke nicht an den Haken an der Wand. Die Nässe wird die Wand ruinieren.

Schuhe bitte auch aus. Siehst du diesen guten Holzboden.

Wie lange ich hier schon wohne? Vier Wochen.

Espresso oder normal?, rufe ich aus der Küche. Der Kessel pfeift. Er hat einen Eichenholzgriff. Das macht mich gut gelaunt.

Hast du Hunger? Ich hätte was vorbereitet Hokkaido mit Maulbeeren oder so, wenn du was gesagt hättest . Du legst die Terminlichkeiten sehr freilassend aus.

Jetzt gibt nur Spaghetti . Aus Gewohnheit habe ich zu viel gekocht.

Diese Woche gibt es Nudeln – bis sie alle sind. Und ich mag keinen Mais, den hab ich nur wegen Karla reingetan. Aber Karla kommt frühestens nächstes Wochenende wieder.

Beim Aussprechen des Wortes Vermissen falle ich plötzlich aus meinem Wortschwall.

Du trittst ans Fenster. Ich habe dich vermisst, sage ich in die Stille. Magst du den neuen Ausblick? Ich mag ihn sehr.

Du lächelst unterkühlt, schweigst, undurchschaubar, gelassen.

Willkommen Mr. Herbst

Du stehst in der Tür. Es ist wieder so weit.

Du erscheinst verändert, heller, klarer, aufrechter irgendwie.

„Ein bisschen heldenhafter eben“, sagst du mit einem Grübchen beim Lächeln.

Wie jedes Jahr bereite ich das Gastmahl.

„Was ist los?“

„Gab es nicht immer Kastanien und Kürbis?“

Ich schaue wenig schuldbewusst auf das Steak.

„Eine Form von Resistance.“

Neulich habe ich veganes Eis im Tiefkühlschrank gefunden. Brr.

Später gehen wir unter Blätter abwerfenden Bäumen entlang. Dieses Licht.

Ich zünde mir eine Feierabendzigarette an. Benson und Hedge, Fackel der Freiheit und so.

Nur eine am Tag.

Du schweigst.

Ich höre das raschelnde Laub unter deinen Schritten..

Schön, dass du bist, höre ich mich sagen und bitte: Nicht so viel Regen! Auch zwei Tornados sollten genügen.

‚Mal sehen“, sagst du. „Mal sehen, ich befürchte die lauen Zeiten sind vorbei.“

Willkommen Mr. Herbst.

Versuch über….

dav

dav

Gestern. Er stand da, drehte sich um. Vielleicht war es die Art der Kleidung oder wie er sich bewegte, vielleicht war es der Blick oder die Form der Energie. Es ist egal was es war, es weckte Erinnerungen, ließ Sequenzen in schwarz -weiß vor mir ablaufen. Kühl war es, die Sonne versuchte sich Bahn zu brechen. Aus dem Trubel der Menschenmenge herausgehoben und versetzt in einen Stummfilm der Vergangenheit: du, beim Verteilen von Hagebutten, du, beim Essen von warmen Apfelkuchen in kühler Herbstluft, du beim Spielen mit Kastanien-wie ein ausgelassenes Kind, du wie du verärgert das Laub vor dir hertriebst, du, mit deinem klarem Blick, der spröden, herben Art und dem warmen Lachen. Ich weiß nicht ob ich vielleicht lieber nicht an dich erinnert worden wäre. Offensichtlich vermisste ich dich.

Gestern. Er stand da, drehte sich um, lächelte. Ein Schauer ging über der Stadt nieder. Sein Gesicht weckte die Erinnerung an dich.

Willkommen Mr. Herbst

Einmal im Jahr

Morgens stehst du in der Tür. Überraschung! Du rüttelst am Haselnusszweig. Ich muss zur Arbeit, wenn du willst zeig ich dir was. Du wirfst die Blätter vor dir her und fährst den Kindern durchs noch sommerblonde Haar.

Los hilf mir mal. Du lächelst, als du den Bollerwagen mit den Äpfeln ziehst. Einen Schluck selbstgepressten Apfelsaft schlägst du nicht aus. Hm Boskop. Diesmal bist du nicht zu früh gekommen. Listiges Lächeln.Vielleicht bleibe ich deshalb länger.

Bleib solang du willst.

Ich mag den nicht, ruft der kleine J. Aber ich, sag ich, ich liebe den. Du weißt schon: Bienenwachskerzen, Holundersaft, warme Schals und lesen ohne schlechtes Gewissen. Meinetwegen bleib bis zum Frühjahr. Mal sehn, mal sehn, brummelst du. Hängt von der Erntedanksuppe ab, die du mir morgen kredenzt. Willkommen Mr. Herbst.