Proust lesen Tag 2-In Swanns Welt-der nicht gegebene Gutenachtkuss

Proust: 

Im Garten wird Swann empfangen, der außerhalb seiner Kaste heiratete und ein gern gesehener Gast ist. Trotzdem oder gerade deshalb? Seine Frau wird nicht empfangen. Für Marcel scheinen die Abende unheilschwanger zu sein, denn sie bedeuten, dass die Mutter ihn den Gutenachtkuss nicht an seinem Bette geben wird .

An diesem Abend gelingt es ihm noch nicht einmal, sich einen Gutenachtkuss im Salon zu rauben. Und so steigt er die Stufen, die nach Bohnerwachs riechen, entgegen seinem Herzen empor. Der Bohnerwachs aber enthält alle Erinnerungen nicht gegebener Gutenachtküsse und ist so Träger von Schmerz und Verlustangst.

Er wird in der Nacht, als alle Gäste gegangen sind, die Mutter nötigen bei ihm zu bleiben. Die Mutter sorgt sich um die Gesundheit des nervösen Kindes.

Worte des Tages: völlige Anästhesie des Gehörsinns

Proust lesen-Tag 1-In Swanns Welt S. 1-20-Mein Ausgangspunkt am Beginn der Recherche-Zufallsfund und dessen Bergung ohne Abitur und Hamsterradalltag-Erinnerung an Combray

Proust:

Die ersten zwanzig Seiten Proust: Marcel wacht kurz nachdem er eingeschlafen ist auf und ist desorientiert. Die Kerze wird mit einem Zündholz wieder angezündet, in der Ferne das Fauchen eines Eisenbahnzuges, Erinnerungen die ihn mal zur Großmutter nach Combray, mal zu altdeutschen Sagen führen. Mich beschäftigt beim Lesen die Reformation, Karl der Fünfte und ob der Erzähler Marcel Proust selbst ist. Kann ich den Erzähler Marcel nennen oder muss er namenlos bleiben?

Schönste Beschreibung: Unverletzliche Einsamkeit.

Das Proust Projekt beginnt. Ich werde die Suhrkamp Ausgabe von 1975 von Eva Rechel-Mertens lesen.

Diese fand ich einst bei uns im Keller. Zusammen mit den Buddenbrooks  fristeten die Klassiker ein lichtloses Dasein.  Dem Gatten hielt ich sie kopfschüttelnd unter die Nase. Er behauptete überzeugend, nicht der Eigentümer dieser Schwergewichte zu sein. Es klärte sich nie auf. Ohne diesen Kellerfund wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen, mich an diesen Mammutroman heranzuwagen.

Ein wenig Wind in der Stadt, das Gekreisch der spöttelnden Möwen.

Pappelschnee wickelt sich um maigrüne Blätter, Pusteblumenfelder, ein kleiner Admiral fliegt mir vor die Füße. Die Kastanien stehen in voller Blüte.

Am Abend bringe ich die „Blumenwiesensaat“ für Bienen aus. Sie sollen den im Vorgarten blühenden Rotklee ablösen. Ein Bienenvolk im Garten, das könnte ich mir auch vorstellen.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit-Das Proustprojekt beginnt

„Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.“

Ich möchte zurück zu Proust. Der Alltag ist schnell, ausschließlich auf der Aktivitätsebene. Man steht 4.30 Uhr auf, sortiert die to do Liste, startet die Apparatur, schnallt sich an. Es ist nicht hilfreich, dass der Wagen in die Jahre gekommen ist, zu schwer, zu scheppernd, mit Stellen von Rost. Er bedarf einer Generalüberholung.

Es gibt sie immer wieder diese Zeiten und es ist in Ordnung eine Zeit lang gegen meinen eigenen Rhythmus zu leben.

Allein das Lesen lässt sich so nicht beibehalten. Ich tauche nicht mehr ab, verbinde mich nicht mit dem Gelesenen, gehe nicht in die Tiefe. Heute morgen wachte ich auf mit dem Gefühl: Ich will „Die Suche“ noch einmal lesen. Ganz langsam, Stück für Stück , ohne dem Anspruch es jemals zu Ende zu lesen. Der Schnelligkeit die Langsamkeit entgegensetzen.

Noch einmal möchte ich mir : „Schmidt liest Proust “ zum Vorbild nehmen, die Vorgehensweise praktisch kopieren.

Es ist nicht mein erster Versuch, der Wunsch danach aber hält sich.