Proust lesen Tag 111-Guermantes-einsamer Charlus

Proust: Charlus macht Marcel ein Angebot, welches dieser nicht versteht. In die Schlöndorff Verfilmung von Proust reingesehen. Schlöndorff hat diese Szene ins Bild gebracht. Charlus gebärdet sich mal wie ein Wahnsinniger, wie aus einem „Shakespeare entsprungener Hamlet“, aber auch nah, ernst, maskenlos.

Charlus im Morgenrock, reagiert empfindlich auf die vermeintliche Abfuhr Marcels.

Kiel: Sonniger Tag, noch relativ warm, Wespen und Hornissen teilen sich den Garten. Die Bienenweidenblumen beginnen tatsächlich jetzt noch zu blühen.

Versuch über….

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Gestern. Er stand da, drehte sich um. Vielleicht war es die Art der Kleidung oder wie er sich bewegte, vielleicht war es der Blick oder die Form der Energie. Es ist egal was es war, es weckte Erinnerungen, ließ Sequenzen in schwarz -weiß vor mir ablaufen. Kühl war es, die Sonne versuchte sich Bahn zu brechen. Aus dem Trubel der Menschenmenge herausgehoben und versetzt in einen Stummfilm der Vergangenheit: du, beim Verteilen von Hagebutten, du, beim Essen von warmen Apfelkuchen in kühler Herbstluft, du beim Spielen mit Kastanien-wie ein ausgelassenes Kind, du wie du verärgert das Laub vor dir hertriebst, du, mit deinem klarem Blick, der spröden, herben Art und dem warmen Lachen. Ich weiß nicht ob ich vielleicht lieber nicht an dich erinnert worden wäre. Offensichtlich vermisste ich dich.

Gestern. Er stand da, drehte sich um, lächelte. Ein Schauer ging über der Stadt nieder. Sein Gesicht weckte die Erinnerung an dich.

Willkommen Mr. Herbst

Kurze Proustpause-Tagebuchbloggen

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen und ich bin mit dabei.

8.00 Uhr auf dem Parkplatz gestanden und nach Jemanden Ausschau gehalten der mir beim Tragen der Apfelkisten helfen könnte. Irgendwann kam C. und half tragen.

Apfelsaftpresse im Garten aufgebaut, Waschanlage, Tische mit Brettern und Messern.

In der noch kühlen morgendlichen Herbstluft prasselte ein Feuer und erzeugte diesen typischen würzigen Herbstduft mit Spuren von Äpfeln und Holzfeuer. Die Bosköppe waren ergiebig. Die Kinder zerkleinerten mit Feuereifer Äpfel, schredderten, kurbelten und jubilierten als der goldgelbe Saft in den Topf floss.

Zum Mittag gab es Safranreis mit Hackfleisch, später Blaubeerpudding. Gegen 17.00 verließ ich die Kita, telefonierte, Whats appte, hing Wäsche auf.

Ich genieße den früheren  Einbruch der Dunkelheit, der einem das schlechte Gewissen nimmt. Nur noch schnell den Kuchen aus dem Ofen nehmen, den Geburtstagstisch decken  und dann schlafen, ich bin so müde.

Mit Proust geht es spätestens Samstag weiter.

Proust lesen Tag 110-Guermantes-Charlus

Proust: Bert hatte Recht. Die Begegnung mit Charlus ist ein Knüller. Aber diesen Teil würde ich gern wach und am Stück lesen. Es soll mir nichts entgehen.

Kiel:

Das Gefühl am Morgen, wenn man einem veganen Schokoladenkuchen an welchem man 3 Stunden herumgebacken hat, dann als Zwieback aus dem Ofen holt.

Yulia hat mich in eingeladen mit ihr in die Staatsoper in Hamburg zu gehen.

Nachts geträumt, ich säße am Strand vor dem Zelt, ein Feuer wärmte. Ich sagte: „Ach die Familienzeit, die hat mir schon manchmal viel Disziplin abverlangt.“

Proust lesen Tag 109-Guermantes

Es wurde noch einmal warm, der Hornsauerklee blüht. Es sieht aus als würde die Magnolie zur dritten Blüte ansetzen.

Proust: Es ist so wie es Jochen Schmidt sagte: nach gefühlten hunderten von Seiten Salon, bemerkt Madame de Guermantes, dass es bei ihr an diesem Abend todlangweilig sei. Es fühlt sich an als würde Proust sich über den Leser lustig machen.

Proust lesen Tag 107-Guermantes

Kiel:

Holunder gepflückt, Quitten auch, ein wunderbarer Herbsttag. Sechzehn Gläser Quitten und Holundermarmelade sind dabei herausgekommen. Brenesselsamen gesammelt, angebraten und zum Salat hinzugefügt. Ein Eichhörnchen sprang mir vor die Füße.

Proust: Oriane gibt spitzzüngig zu verstehen, dass sie Charlus für homosexuell hält, denn:

Er trauert komisch um seine Frau: „Er geht alle Tage zum Friedhof und erzählt ihr, wieviele Personen er zum Dinner gehabt hat.“

Sie lebten ja auch wie Heilige zusammen.

ER hat Zartgefühl, etwas Weibisches.————–