Frühstück auf dem See

Gegen sechs sind die Kinder losgefahren um vielleicht ein letztes Mal auf dem See Schlittschuh zu fahren. Es soll Plusgrade geben. Anna postet ein Bild von der Thermoskanne auf der dicken Haut des Sees. Es ist stockdunkel. „Erst mal frühstücken“ schreibt Anna.

Julius sagt der See hätte geknackt, man spüre das sich zusammenziehen des Eises. „Der See gähnt“, so Thoreau.

„Da lag was im Schilf „, sagte Anna. „Wir haben es angeleuchtet. Einer der am See geschlafen hatte.“

Leichter Wind, ich höre „Walden“ als ich zurückgehe. „Vereinfachung“, darum geht es Thoreau.

Habt einen guten, beschwingten Start in die Woche

Sonntag mit Rotkehlchen und Oma hoch über den Dächern der Stadt

Meine Mutter hat ihren Umzug bewältigt und wohnt nun hoch oben über den Dächern der Stadt. Auf die Frage was sie denn zum Geburtstag haben wolle, zögerte sie nicht lange: Whisky 12 Jahre gereift.

Sie ist begeistert von Anne with an e, Beethoven und den Schneewehen. Bei uns sagte man dazu früher Winter, sagt sie verschmitzt.

Ein Rotkehlchen sitzt auf der Deichsel des Wohnwagens, Es muss das selbe wie das im letzten und vorltzten Jahr sein. Aber ich google nach: Lebenserwartung 13 Monate.

Am Strand steht ein Kormoran und lässt sein Gefieder in der Sonne trocknen.

Morgen beginnt die Arbeit wieder. Ich halte diese stufenlose Öffnung der Grundschulen und Kindergärten für gewagt. Zumindest könnten dann die Zeitungen ihre gebrüllten Warnungen vor den Mutationen sein lassen, sonst beginnt man sich doch wie Kanonenfutter zu fühlen. Ehrlich dieses Coronawirrwarr hat auch meine Akzeptanz nahezu zum Erliegen gebracht. Das Virus scheint ohnehin schneller als der Mensch zu sein. Die Friseure, die Fußballer, die Nagelstudios…Ohne Worte-.

Macht verdammt noch mal die Theater wieder auf, die Opernhäuser, die Cafes und Restaurants und die Bibliotheken!

Höre Thoreau. Ein unglaubliches Hörbuch „Wo und wofür ich lebte“

Auszüge aus Walden.

Donnerstag mit Möbel Höffner-Kiel

Der Nachthimmel ist verblasst. Die frostklare Luft trägt das Heulen des Karakatschans über den zugefrorenen See. Fast metallisch klar auch das Krächzen der Krähen, das Scharren der Pfoten über das Eis. Und noch etwas anderes ist da. Das Heulen des domestizierten Wolfes wird von dumpf tönenden überdimensionalen Hammerschlägen pariert.

Unter diesem Schlägen wurde schon eine Kleingartensiedlung zermalmt.

Der Mensch will wohnen. Offensichtlich muss das schwedische Möbelhaus den Ansprüchen nicht gerecht geworden sein. Vielleicht darum seit Wochen dieser wuchtige Baustellenlärm, der davon zeugt, dass Möbel Höffner Nachbar von Ikea wird.

Ich schaue mich im Zimmer um. Den massiven Schreibtisch bekam ich von Herrmann geschenkt bevor er nach Afrika in die Entwicklungshilfe ging. Das Bett und die Regale baute der Gatte. Den massiven, blauen Bauernschrank vermachte mir Svenja bevor sie umzog. Das Hundesofa bekam ich ebenfalls umzugsbedingt geschenkt. Gekauft ist einzig der türkise Samtsessel und ein Bücherregal.

Dienstag mit Gelegenheitswerk

Mit Eis überzogene Strandgewächse. Die Möwen finden sich in Horden zusammen. Die Wellen klatschen gegen die Mole, ein Hauch von Morgenlicht fällt auf das Meer.

Im landläufigen Sinn keine Sturmflut, aber durchaus Wind von Ost , eisig ,ein bewegtes Meer.

Wasser, Wind und Kälte im Schaffensprozess. Eisskulpturen im Detail variierend über die heiser rufend Wildgänse ziehen.

Gelegenheitswerk

Samstag mit Bibliothek im Lockdown und Happy Homeoffice

Lange bin ich nicht mehr in der Stadt gewesen. In der Holtenauer Straße ist vom Lockdown wenig zu sehen. Die Geschäfte verkaufen außer Haus. Die hell erleuchteten Bäckereicafes strahlen einen Hauch Normalität aus.

Ich fahre auf den Parkplatz der Bibliothek. Ein großer Hinterhof, setze die Maske auf. Die Schiebetüren öffnen sich wie gewohnt, aber ehe ich eintreten kann, schiebt sich mir ein kleiner Wagen entgegen. Ich sehe es auf den ersten Blick. Madame Atwood fährt mir entgegen: Aus dem Wald herausfinden. Natürlich entbehrt es den Reiz des Stöberns, aber eine gute Zwischenlösung ist es allemal.

Zuhause gehe ich das Buchregal entlang. Es muss nicht immer Proust oder Hannah Arendt sein.

Ich sammle Clarissa Pinkola Estes, Gianconda Belli, Connie Palmen, Daniel Schreiber, Joanne Fedler, Anne Donath, Tetje Mierendorf. Haruki Murakami und Erling Kagge ein. Sie dürfen eine WG bilden in diesem Monat. Ich ziehe mit ein.

Umbruchzeit, ich spüre es deutlich. Zeit der Suche.

Der Karakatschan hebt die Nase in den aufkommenden Wind und sieht mich mit undurchdringlichen Blick an. „Pass auf, mach langsam, es ist spiegelglatt.“