Mittwoch mit Gote darf nicht sterben

Gote, der Dorfnazi, der den Juli Zeh mit allen Widersprüchlichkeiten versah und der einem dadurch dazu bringt, Sichtweisen in Frage zu stellen. Ausgerechnet Gote soll sterben.

Ist Gote in erster Linie gewalttätiger , saufender Nazi oder liebender Vater und hilfsbereiter Nachbar?

„Das ist jetzt nicht dein Ernst“, rufe ich Juli Zeh zu, „du kannst den spannendsten Protagonisten des Buches doch nicht einfach sterben lassen. „

„Gote stirbt“, sage ich zum Gatten, „und weißt du was, ich bin traurig darüber.“

Sonnenheller Morgen, ermüdende Rechthabereien über neue Coronaregelungen. Ist Astrazeneca für unter sechzig Jährige abgesetzt oder nicht?

Die Pandemie schafft es, vieles offenzulegen. Im Großen wie im Kleinen.

Lieber Gott, gebe mir die Gelassenheit, bete ich. Was mache ich denn nun mit dem Osterurlaub? Schwanke zwischen Selbstoptimierung und Abhängen.

Ich wollte im Bulli am Strand schlafen, und die da oben lassen mich jetzt nicht.

Es gibt einige Unsinnigkeiten. Bei Coronaverdacht, werden des öfteren halbe Familien in die Quarantäne versetzt, der andere Teil ist frei.

Donnerstag mit Biontech und Dorfnazi

Der Impftermin mit Biontech ist ergattert. Halte es für eine gute Idee, dass Frauen die die Pille nehmen, Astrazeneca vermeiden können.

Was für ein frauenverachtendes und blödsinniges Argument ist eigentlich dieses : die Pille sei noch viel schlimmer……

Die Sonne geht auf. Ein Eichelhäher sitzt in der Nähe des Fensterbrettes.

Er scheint eine Strategie zu entwickeln, wie auch er, der definitiv nicht ins Vogelhaus passt ohne dessen Stabilität zu gefährden, an das Futter kommen kann.

Stabilität ist nicht das was diese Zeit auszeichnet. Unruhige Zeiten. In “ Über Menschen” stellt sich der Nachbar gerade Dora vor: „Ich bin der Dorfnazi“, sagt er und Dora fühlt sich wie in einem Stereotyp gefangen. Ich weiss, dass Juli Zeh, diese Figur anders, weg vom Klischee entwickeln wird. Ich bin abwartend.

Dienstag mit „Seemann“

Hundertvierzig. Der Bus scheppert. Hamburg ist fast erreicht.

„Kleine Lenkbewegungen“, sagt der Gatte und „ras nicht so“

Julius sitzt hinten hört Musik. „Wasn das für ein Lied“, frage ich:

„Seemann“ von Apocalyptica. Nina Hagen singt.

Im Hamburger Hammer Park ist die Hölle los. Die Menschen wollen ans Licht.

Ich wollte Ostern mit dem Bulli an den Strand und übernachten. Selten hab ich mich auf einen Urlaub so gefreut wie auf diesen.

„Jetzt wo alle raus wollen“, sagt Julius, macht sich selbst lustig über „die wollen nicht das wir rausgehen, die da oben.“ Sagt dann, vermutlich sei es sinnvoll um das Virus im Schach zu halten.

„Naja“, ich weiß nicht wen ich im Bulli am Strand angesteckt hätte. Die Ansteckung draußen ist extrem unwahrscheinlich.

Ich lese Juli Zeh „Über Menschen“. Ich lese sie gern, sie ist klug, klarsichtig, dogmenfrei.

Nichts ist mir mehr zuwider als eingefleischter Dogmatismus. Wir wissen wie die Welt funktioniert.

Und sonst: In der Vogelgruppe ein Bild von einem Sperber der eine Amsel auf den Rücken gelegt hat. Beide sehen sich sich in die Augen.

Bei mir im Vogelhaus geht es friedlicher zu. Nach zwei Wochen haben die Vögel nun die Fettfutterwurst akzeptiert, entdeckt, dass das Ding auch noch gut schmeckt. Der Kleiber ist jetzt immer einer der ersten. Gefolgt vom Grünfink und den Meisen. Das Gimpelpaar hat sich einen ungünstigen Nistplatz gesucht. So imposant das Männchen ist: Gehirn scheint nicht seine Stärke zu sein. Da oben in der frei stehenden Konifere sind sie ein gefundenes Fressen.

Habt einen schönen Tag.

Biontech wird heute freigeschaltet. Ich werde versuchen einen Termin zu bekommen.

Freitag mit Präventivmassnahmen

Auslöser des Gesprächs: ich warne Karla vor Gelenkschäden durch übermässiges Traing, Anna behauptet ich wüsste wovon ich spreche, denn sie hätte einen alten Trainingsplan von mir gelesen.

„Und wisst ihr was ich dann gemacht habe? Ich habe mich in Budapest in ein Lager gesetzt, habe mich fett gefressen und bin als die Zeit reif war als Mitfahrer im Trabbi nach Passau übergesetzt.“ War umsonst das Brachialtraining.“

Nein das ist keine Anspielung auf irgendwas. Meine Flucht war keine Flucht, sie war eine Übersiedlung.

Anna hatte mich heute morgen auf meinen Trainingsplan vom Mai 89 angesprochen. Sie muss ihn im Altpapier gefunden haben. Ja ich war jeden Tag viele Kilometer gejoggt, hatte Kraft, Ausdauer, Intervalltraining bis zum Exzess betrieben. Immer in der Natur des beschaulichen Großhennersdorf einem Ort in der Nähe von Bautzen.

Benötigt habe ich die aufgebaute Fitness in diesem Fall nicht. Ich bin nicht wie Andere über den Fluss geschwommen, über die Grenze gerannt, ich wählte die einfache Lösung.
Genau genommen, war das Mai 89 Training mein letztes wirkliches Training.

Mit 55 kg hatte ich Normalgewicht, war durchtrainiert, gesund. Ich hätte gut daran getan, diesen Zustand in gemäßigter Form zu halten.

„Und du sagst mir, ich solle nicht so hart trainieren?, fragt Karla.

Ich war als Jugendliche lange im Leistungssport gewesen. Unter Anleitung geht vieles besser. Eine Trainerin, die Frau C. sehr ähnlich war. Ihr verdankte ich, dass aus dem schwächlichen Kind, dass ständig wegen Atemwegsproblemen in der Klinik lag, eine Läuferin wurde.

Was mir derzeit fehlt, ist das in der Kommunikation nicht mehr Wert auf Präventivmaßnahmen gelegt wird. Positive Goals setzen. Nicht in Panik zu verfallen, sondern die Zeit zu nutzen, um aus sich das Beste herauszuholen. In Bewegung kommen, die Ernährung umstellen, das Immunsystem stärken. Die Beiträge für das Fitnessstudio bezahlen.

Gute Nachricht: Buchläden gehören in Schleswig-Holstein ab jetzt zum täglichen Bedarf

Sonntag mit Bipedie

Meine Mutter sagte, man müsse einfach weiter laufen. Wenn das Gefühlschaos nicht verschwunden ist, dann bist du einfach nicht weit genug gelaufen.“ Es waren 12 km, sage ich. Und ich habe Arthrose im Fuß. „

„Du musst einfach weiterlaufen, glaub mir, so hab ich es immer gemacht. „

Ich fahre ans Meer. Vormittag. Ich gehe. Wellen, Schwarzkopfmöwen, Silbermöwen, eine Raubmöwe. Enten mit rotem Kopf.

Nach 10 km ein Fischbrötchen, ich drehe um. Ein Vater baut mit seinem Sohn einen Damm. Sie sind völlig vertieft. Kitesurfer gleiten über das Wasser, ein paar Ponys lassen die Mähne in den Seewind wehen. Irgendwann spüre ich Leere. Ein Gefühl der Ruhe was sich manchmal beim Segeln einstellte. Ich weiß nicht wann ich meinen Körper das letzte Mal so gespürt habe. Ich bin erschöpft, müde, an meinen Grenzen und zufrieden.

Donnerstag mit Impfen zum Zweiten

Eine Entscheidung, die mir schwer fällt. Ich sehe eine Doku auf Arte über die Schweinegrippe und der nachfolgenden Narkolepsie. Ich lese über die beiden Krankenschwestern die in zeitlicher Nähe zur Impfung erkrankten.

Grinsekatz von Wupperpostille schickt einen guten Artikel der sich mit dem Thema auseinandersetzt.

in der Nacht auf Mittwoch kann ich nicht schlafen und ergatter 1.00 Uhr am Morgen einen Impftermin Ende April. Das gibt mir Zeit. Am nächsten Morgen bitte ich um einen Termin für einen Checkup beim Arzt. Lieber wäre mir ohnehin das bis dahin die Hausärzte impfen dürfen. Ich will jemanden gegenüber sitzen dem ich vertraue, meiner Ärztin vertraue ich.

Und sonst: Stürmische Böen. Die Singvögel kommen nur selten ans Vogelhaus. Unter den Vogelfreunden berät man ob Fütterung sinnvoll ist oder nicht.

Die Blaumeisen, sie erinnern mich immer an kleine Ninjas, sind die mutigsten. Immer. Eine Amsel quetscht sich auch in das Vogelhaus. Die Fettfutterwurst hängt noch unangetastet herum.

Erste Knospen am Weißdorn, wenn es denn einer ist.

Wunderbares Buch: Wo die wilden Frauen wohnen von Anne Siegel.

Dienstag mit Angst

Es ist nicht so, dass ich voller Freude zum Impftermin laufe, vielleicht laufe ich auch nicht. Ich bin hin und hergerissen zwischen Fremd und Eigenschutz.Ein erhöhter D-Dimere Wert.

Ich dürfte ab heute Abend 17.00 Uhr mir einen Termin holen. Aber will ich das auch? Astra Zeneca macht mir Angst. Und gegen Angst lässt sich schlecht intellektuell argumentieren. Die Angst bleibt. Der Gatte fragt, ob er denn dann meinen Impftermin haben dürfe.

Ich bin durchgeimpft, manchmal sogar auch gegen Grippe. Dieses Mal ist es anders.

Ich habe Angst.

Und sonst: Am Sonntag an der Nordsee gewesen, mit Bulli und ich saß am Steuer. Die Fahrangst blieb aus, ich hatte Spaß an der Tour, nur die Autobahn ist nicht meins. ZU schnell.

Die endlose Weite des Strandes, dass Meer hatte sich zurückgezogen. Der Karakatschan zog immer längere Kreise, in der wilden Lust am Wind und der endlosen Weite. Ein Vogel sang hoch und trillernd, der salzige Geruch nach Algen und Tang

Am Vogelhäuschen haben sich zu den Blau und Kohlmeisen auch Schwanzmeisen gesellt. Ein Gimpelpärchen, ein Stieglitz (was für ein lustiger Vogel), ein Kleiber, Amseln , Sperlinge und leider Türkentauben.

Ich lese: Dostojewskij der Spieler und Clarissa Pinkola Estes