Freitag mit Bekassine und Reiseplänen

Am Wegrand war ich zu Keks gegangen. Sie hatte sich schnüffelnd auf etwas fokussiert was mir entgangen war. Braunschwarze Federn. Ich hob sie auf, bis zu ich zu dem Vogel gelangte.

Ein großer Vogel mit ungewöhnlich langem Schnabel. Später stellte er sich als (mutmaßlich) Waldschnepfe heraus. Leider tot. Die Krähen warteten bereits in den Bäumen.

Und sonst: Plane eine Reise im Sommer, wenn Corona es denn zuletzt. Bukarest, Budapest, Prag.

Ich:

„Ich trainiere in unfertigen Hallen.“

„Das Beste was du in Übergangszeiten machen kannst, ist ausharren und lernen.“

(Aus: „Nicht sterben“ von Terezia Mora)

Aber: Ich werde nicht noch weitere sieben Jahre die Herde hüten, thats for sure. Steiniger Weg hin oder her

„Ich bin gerade erst losgegangen“

„Ich weiß nicht“, sagt mein Fahrlehrer, „aber am besten fährst du, wenn du völlig übermüdet bist. Immer wenn du sagst, du hast nur drei Stunden geschlafen, läuft es wirklich gut. Im ausgeschlafenen Zustand ist dein Energieniveau zu hoch.“

Ach U. , wie lange ist das jetzt her? Acht Jahre? Nach jeder Fahrstunde brauchtest du eine Packung Kinderschokolade, zur Selbstbelohnung überlebt zu haben.

Ein Jahr etwa: dann hielt ich den Schlüssel in der Hand, um einen Teil meines Lebens wieder zur Entfaltung zu bringen. Du musst unglaublich zugenommen haben in dieser Zeit.

Ich löse die Handbremse.

Bukarest, Budapest, Prag,

„Ich bin gerade erst losgegangen.“ (Satz von Tereza Mora: nicht sterben)

Alternatives Narrativ

„Aus der Höhle kommen und überleben, nicht irgendwie sondern in einer neuen Qualität. Der Bestien draußen und drinnen Herr werden.

Handlungsfähig werden.“

Aus : “ Nicht sterben“

Frankfurter Poetik Lesungen von Terezia Mora

Morgenrot über dem See.

Sonntag mit Angelika Klüssendorf „Jahre später“, Fahrt ohne Ziel und Iva Bittova

Jemand war auf der Suche nach dem Buch auf meinem Blog gelangt.

Hier eine Besprechung des Buches „Jahre später“ in der FAZ : „Lebenslädiert in die Liebesfalle“

Inspiriert (stimmt Klüssendorf ist genial jetzt) , begann ich ebenfalls zu suchen. Es war schon nach Zehn und ich geisterte auf Zehenspitzen im Haus herum.

Seit ich in Karlas Zimmer gezogen bin, gibt es keinen Platz mehr für meine Bücher. Auch die Bücher haben ihren festen Standort verlassen. Sie erproben neue Standorte in Koffern, Schubläden, Abseiten.

„Jahre später“ von Klüssendorf wohnt in der Bettschublade. Das Buch war mir immer nah.

Angelika Klüssendorf verarbeitet in diesem Roman ihre Ehe mit dem Journalisten und Mitherausgeber der FAZ Frank Schirmmacher.

Klüssendorf ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Eine Prägung die auch meine Prägung ist. Schlage es auf und: lese mich selbst.

Die Zeit als die Kinder klein waren. Diese bodenlose Einsamkeit. Diese alles überlagernde Erschöpfung. Neben unseren drei Kindern lebte auch ein Pippi Langstrumpf Kind in unserem Haushalt. Eine Energie wie ein Orkan. Naturgewalt, Urkraft ungezähmt.

Nie Rückzug, nie Ruhe, nie Schlaf. Morgens zur Arbeit, da war Karla erst drei Monate alt. Ein Haus will bezahlt werden.

Und doch ist da auch: diese Liebe zu unseren Kindern. Die mich umhaute, auf die ich nicht vorbereitet war. Eine unglaubliche Intensität des Mutterglücks.

Der Schatten ist die alles verschlingende Erschöpfung.

Was damals nicht gelingt, gelingt jetzt.

Sich verpuppen, in die Dunkelheit des Zimmers entschwinden. Dem Sonnenlicht den Zutritt verwehren. Es ist meine kinderfreie Woche. Ich muss gar nichts. Ich verpuppe mich. Ruhe, Stille, Dunkelheit. Einmal gehe ich dann doch los. Um mich zu zwingen in Bewegung zu kommen. „Eingewintert“ nennt Deborah Levy diesen Zustand.

Ich lasse mich treiben.

Fahrrad fahren geht nicht, spazieren gehen geht auch nicht, kaufe ein Bustickett für einen Bus der immer leer ist. Es ist egal wohin er fährt. Eine weitläufige Sitznachbarin beginnt mir ihr Leben zu erzählen. Unter der Maske. Ich bin aufmerksam. Manchmal frage ich nach: „Bitte Das habe ich jetzt nicht verstanden, sagen sie es bitte noch einmal.

Sie ist etwa so alt wie ich, wirkt lebendig.

Kiel zieht an mir vorbei. Sie erzählt wie es ist, für einen Stundenlohn von zehn Euro zu arbeiten, das die Kinder nun mit der Schule fertig sind. Das es schwer war als der Leistungssport für die Kinder einfach wegfiel, dann der 18. Geburtstag, dann die Abifeier, der Mann seinen Nebenjob verlor. Als der Leuchtturm von Friedrichsort auftaucht sagt sie: aber wir spielen jetzt jeden Abend wieder Gesellschaftsspiele. Das haben wir früher auch gemacht, als die Kinder noch klein waren und nun aus der Mottenkiste wieder rausgeholt. Und wir haben uns einen Punschkocher gekauft. Dann hören wir auf dem Balkon Schlager und trinken Glühwein.

„Das nennt man Resilienz“, sage ich und lächle ihr unter der Maske zu.

Ich habe eine Busticket gekauft, es ist eines für den ganzen Tag. Ich weiß noch nicht wohin es mich führt. Aber etwas von früher muss wieder aufgetaucht sein. Ein Stück Sichtbarkeit. Das mir Menschen ihr Leben erzählen, dass ist mir früher ab und an passiert, dann zwei Jahrzehnte nie wieder.

Ich kehre in das Familienhaus zurück und habe die erste erzählte Geschichte in meinem Netz.

Ein Wunsch der auftaucht und sich festsetzt: Ein Gesangsworkshop bei Iva Bittova in den USA. Ich wäre auch nach Jedlova gefahren, aber diese Art Workshops werden dort nicht mehr angeboten.

Freitag mit roten Strumpfhosen in Nordkorea

Fahnenappell. Graue Uniformen,graue Gesichter, trostlose Kühle. Nur Kim strahlt.

Ich trage dicke wollene rote Strumpfhosen, solche die ich als Kind gehasst habe, und falle schon allein deshalb auf. Mein Nachbar warnt mich mit Blicken und stößt mich am Ellbogen an. „Nicht aus der Reihe tanzen.“ Die Strumpfhosen leuchten im Einheitsgrau. Keine Chance nicht aufzufallen.

Letzter Morgen im Försterhaus. Ich grüsse die neunzig Jahre alten Dackel bevor ich Kaminholz hole. Heute kein Feuer entscheide ich dann, sonst fällt der Abschied zu schwer.

Die Kohlmeise holt sich die gelbe Wolle.

Meine Woche mit den Kindern beginnt. Ich richte mich in Karlas ehemaligen Zimmer ein. Es ist winzig. Wo reduziere ich?

Bin froh nach dieser arbeitsreichen und schönen Woche ins Wochenende zu starten.

Donnerstag mit Moritz und Wolf

Fast ist diese Woche geschafft
Ich bin jeden Morgen gegen 6.00 Uhr in eisiger Kälte aufgewacht, habe völlig übermüdet Feuerholz geholt, den Kamin entzündet. Erst dann gab es den Kaffee. Anderes Haus andere Rituale

Im Garten finde ich zwei Grabsteine, Beide beziffern ein Datum in den dreissigern. Moritz würde nur 6 Jahre alt, bei Wolf lässt es sich nicht mehr entziffern.

Eine Zeit stehe ich fragend davor.

‚ Die Dackel vom Förster damals“, sagt M.

Die Geschichte dieses Hauses wüsste ich gern.

Ich muss nun Sachen packen.

Mittwoch mit inaktiven Mandelkern

Geschlafen. Alles steht und fällt mit dieser Statusmeldung.

Wir haben eine Wohnsitzlösung gefunden. Danke an die die geholfen haben. Und danke als Wort ist hier wenig aussagekräftig für das was ich empfinde, ohne die Möglichkeit zeitweise außerhalb des Hauses zu wohnen, würde alles wohl sehr viel schwieriger sein.

Der Mandelkern im Gehirn scheint auf stumm geschaltet zu sein. Ein Gefühl von Kraft und Kälte, seltsam

Ein Rotkehlchen badet in der Vogeltränke. Ich nehme mir vor dem Rotkehlchen im ehemaligen zu Hause auch eine Tränke zu bauen.

Was mir zu Gute kommt: dass mein Herz nicht an materiellen Geschichten hängt. Zum Glück war und ist das weitgehend unbedeutend für mich. Selbst Bücher haben ihren Reiz verloren. Überlege entweder Auto oder E-Bike abzuschaffen.

Dienstag mit Nachtigallg

Gegen 3.00 Uhr begann die Nachtigall zu singen

Nachgedacht, nicht geschlafen.

Auch über die Zeit in der ich Karla in Hamburg begleitete.

X. war praktisch zwei Jahre alleinerziehend gewesen, mit Anna und Julius. Da hat er den Rücken freigehalten.. Auch bei anderen Sachen.

Ich täte trotzdem gut daran, zu einem anderen Zeitpunkt nachzudenken. Ohne Schlaf wird es langsam mühsam. So jetzt Feuer machen. Und Kaffee, Gott sei gedankt für den Kaffee