Freitag

Die Menschen die am Haus vorbeigehen halten oft einen Coffee to Go in der Hand. Wahrscheinlich holen sie sich links vom Haus den Kaffee um nach rechts zur Arbeit zur gehen.

Eine Kohlmeise baut sich ihr Nest aus bunter Wolle.

Nachdem es gestern bis in die Nacht dauerte bis ein gemeinsamer vorläufiger Plan stand, schlief ich ein. Endlich.

Tief, traumlos.

Der neue Morgen: Es gibt keine Dusche, aber warmes Wasser. Kein Survivaltraining, nur die Wärme ist ein Problem und das fehlende W-Lan Netzwerk zu dem ich keinen Zugang bekomme.

Doppelresidenz. Ich werde mich raffen müssen heute, das Nichtstun hat ein Ende. Nur noch einen Kaffee , bevor ich ins Homeoffice wechsle. Homeoffice ohne Home und W Lan, dafür mit Stille . Vermutlich wird word vorerst ausreichend sein müssen.

Nach dem Tauchgang

Für Magda

“ Windstille. Sonnenschein. Ich schwamm unter Wasser. Und als ich zwanzig Jahre später wieder auftauchte, stellte ich fest, dass ein Unwetter ausgebrochen war, ein brodelnder Aufruhr, und ein wütender Sturm peitschte Wellen über mir auf.

Das Leben bricht auseinander. Wir versuchen es in die Hand zu nehmen, versuchen es zusammenzuhalten.

Wenn die Liebe Sprünge bekommt, dringt die Nacht ein. Und die dauert endlos. Sie ist voller zorniger Gedanken und Vorwürfe, und die quälenden Selbstgespräche verstummen auch nicht, wenn es hell wird. Das ist für mich eigentlich das Schlimmste: das meine Gedanken quasi beschlagnahmt werden.“

Ich dachte klar und fokussiert. Mit fünfzig, in einem Alter, in dem angeblich die Knochen ihre Robustheit verlieren, wurde ich körperlich stark. Ich hatte Energie, weil mir nichts anderes übrig blieb.“

Aus : Was das Leben kostet von Deborah Levy

Samstag mit Dicksein-das kriegt man nicht mehr weg-Embrace

Es bereitet mir Kopfzerbrechen, wann ich das letzte Mal einen Seitenhieb auf meine Figur einstecken musste. Es ist Jahre her.

Heute ist es passiert. Die Veranlagung zum Dicksein, die würde man nicht mehr rausbekommen, Seitenblick zu mir. Das würde bleiben. Man hätte einfach immer Hunger. Lina und ich waren spazieren.

Kann sein , dass ich dieses Gespräch aus dem Zusammenhang reiße. Fast hätte ich gesagt: „Der eine isst, der andere raucht. “ Vielleicht interpretierte ich aber auch irgendwas rein, also liess ich es lieber. Eigentlich ging es um Kinder im Lockdown und der Bewegungslosigkeit.

Sag mal Lina, hattest du auch das Gefühl, dass das ein Seitenhieb auf meine Körperfülle war. „Ja“, sagt Lina „war leider unüberhörbar.“

Zu Hause erzähle ich von dem Erlebten. Anna sagt belustigt: „Ich werde nie verstehen, warum man Leute so einsortieren muss. Wer dick ist ist dick, wer Sport machen will macht Sport, gut ist. Wer warn das?

„Kennst du nicht sage ich. Jedenfalls studiert, spirituell geschult, künstlerisch, ein besserer Mensch und eben nicht dick.

Anna schüttelt den Kopf. Ich wiege 84 kg bei 169 cm. Und ich frage mich, wie sich wohl Menschen fühlen die so etwas öfter ausgesetzt sind. Dieser Arroganz, der Verurteilung, fast Verachtung. Ich mache was ich meistens mache wenn ich mich ärgere . Ich fahre ans Meer.

Lese: Caroline Emcke: Journal und Embrace

Karfreitag 2021-der mit dem Wolf lebt-Christian Berge

Gerädert.

Vielleicht ist es die Hasel vor dem Fenster. Die Augen tränen. Der Gatte fährt zur Arbeit, während ich mir das Frühstück bereite.

In der Frankfurter Allgemeinen lese ich einen Artikel über einen Mann (Christian Berge) der mit fünf Wolfshunden seit dreizehn Jahren in der Einsamkeit zusammen lebt. Früher war er mal Anwalt, bis er angefahren wurde. Auf Grund der langen Erkrankung lief die Kanzlei nicht mehr, später ging seine Ehe in die Brüche. Jetzt lebt er mit Wolfshunden und seiner Jugendliebe die eine Wildtieraufzuchtstation hat.

Meine Mutter schickte mir ein Paket und verpackte den Inhalt mit der Frankfurter Allgemeinen. So sind nicht die AMC Töpfe das eigentliche Geschenk. Sie verweigern ihren Dienst auf dem Induktionsherd.

Der Karakatschan tänzelt zu mir hinüber. „Komm schon, lass uns wandern, so wie gestern.“ Ich vertröste ihn auf später.

Seit einiger Zeit, geht es in den Telefonaten mit meiner Mutter auch um die Bibel. Sie sagt sie würde gern glauben, aber etwas versperre ihr den Weg. Sie versucht es mit dem alten Testament aufzunehmen. Nur Mord und Totschlag, sagt sie, und soviel Gewalt.

„Warum versuchst du es nicht mit dem neuen Testament?“ Oder ich schick dir mal: „Das Buch von Gott“ von Walter Wangerin. Ich brauche es nur wieder, weil ich es selbst noch nicht gelesen habe.“

„Glaubst du?“, fragt sie. Ich bejahe

Donnerstag mit tollwütigen Gepard

Geträumt ein alter Gepard hätte sich mir Haken laufend, schlagen konnte er nicht mehr, genähert. Ich versuchte ihn zu vertreiben. Er hatte Tollwut, war zu schwach für größere Emotionen. Der Blick gläsern, das Fell stumpf.

In meiner Not trat ich nach ihm.

Diese Auseinandersetzung muss mich viel Kraft gekostet haben. Ich wachte gerädert auf. Acht Uhr . Anna machte sich fertig für die Arbeit. Die Vögel warteten bereits auf ihr Futter. Auch die Tauben sind zurück und lauern wie jedes Jahr hoch oben in den Bäumen auf die Gelege. Sie erwischen immer etwas, die Elstern tun ein Übriges. Man wundert sich, dass es trotzdem einigen Jungvögeln gelingt zu überleben. Das wilde Obstbäumchen steht im Brautkleid.

Urlaub. „Über Menschen“ habe ich ausgelesen. Halte es für einen sehr gelungen Roman. Ich las gestern den Vorwurf, dass die Figuren etwas schablonenhaft seien. Sind sie, sind sie eigentlich fast immer bei Juli Zeh. Macht aber nichts. Vielleicht weil die Schablonen sich in einem sehr differenzierten Setting bewegen. Entscheidend ist das Licht was auf sie fällt.