Sonntag mit Sprachwandel

Der Karakatschan weckt mich. Es ist 7.00 Uhr.

Hast ja Recht.“

Stehe übermüdet auf, mach mir einen Kaffee und nehme die Morgenlektüre zur Hand.

Wie sind die Arier eigentlich ausgerechnet nach Indien gekommen?“, frage ich in den Familienchat. Keine Antwort.

8.00 Uhr Finanztreffen, Karla wecken, Test hinlegen.

9.00 Uhr Gespräch mit Karla über eine Bibelstelle und Missionierung. Sie sagt: „Die Schwarzen“ haben…

„Hatte gestern ein langes Telefonat mit S. „Sie meint das Wort schwarz -auf Hautfarbe bezogen geht nicht, weil es nicht trifft. „

„Okay. „People of Colour“ und auf deutsch?“

Maximalpigmentiert.“

„Quatsch“, Dann wäre ich minimalpigmentiert. „

„Farbig

„Klingt auch blöd. Manchmal nervt mich das, das man jedes Wort dreimal überlegen muss bevor man es ausspricht.“

„Sprachwandel, komm wir müssen los. „

Auf halber Strecke fällt ihr ein, dass sie den Test nicht gemacht hat. Die Straßen sind leer zum Glück.

„Kommt wieder Tempo rein“, sagt sie. „wie hab ich das Leben vermisst.“

Mittwoch mit „We shall overcome“

Manchmal steigen Lieder auf. Solche wie „Little Boxes“ von Pete Seeger , „We shall overcome“ oder“ Grandola vila morena“. (Nelkenrevolution)

Sie rufen mir zu, aus der Kindheit. Tragen rote Nelken im Knopfloch, sind in Feststimmung. Fahnen in den Fenstern, Männer nach den Maifeierlichkeiten an den Tischen der Außengastronomie.

„Wann kommt Mutti wieder?“

Berlin, sagt er, ich wisse doch dass das weit sei. Das Studium….wichtig.

Ich darf Faßbrause haben. Die Sonne scheint, von irgendwo her klingt „Guantanamera“.

Melancholie. Ich bin fünf -etwa. Ich hab das Lied nicht hinbekommen. „We shall overcome“. Vor dem riesigen schwarzen Raumteiler mit all den Büchern steht er und sagt frustriert: Nein so geht es nicht. Es heißt come nicht Kamm!“

Er hasst sprachliche Unsauberkeiten egal wo.

Jetzt sind wir mitten in den Maifeierlichkeiten. Ich sitze auf der Schulter meines Vaters. Ein russischer Soldat drückt mir einen übergroßen Teddybären in den Arm. Es ist der letzte 1. Mai mit meinem Vater, es ist der letzte Frühling zu Hause.

Von irgendwoher schallt „Grandola vila morena.“

Pfingstmontag mit Max Frisch und Alice

In Ermangelung von Sloterdijk, den ich irgendwohin verlegt habe, lese ich Max Frisch. Wahrscheinlich kann man die Beiden nicht miteinander vergleichen, aber Frischs Stil ist ebenso klar, kühl und treffsicher.

Ein fremdes Tagebuch. Alice, die junge Geliebte Max Frischs, erzählt begeistert von einem Co Counselling Workshop. Emotionen raus-lassen und annehmen. Kollateralschäden gab es: eine verletzte Wirbelsäule, ein Beinbruch. Beides hatte Job-Verlust und hohe Krankenhaus-Kosten zur Folge. Frisch reagiert mit Unverständnis. Ein narzisstischer Workshop, bei dem keiner der Beteiligten auf die Idee kommt, Folgegeschädigte finanziell durch Spenden zu unterstützen. Alice reagiert ebenso pikiert aber in gegensätzlicher Richtung. Es sei doch kein Workshop für Solidarität gewesen. Sie wirbt weiter Teilnehmer.

Und sonst: ich ziehe die Bettwäsche ab. Früher mochte ich das Ankommen ebenso wie das Ablegen. Das Eine, das in Besitz nehmen, das Andere beinhaltet den Reiz des Spuren verwischens. Ich gebe das Haus sich selbst zurück. Erinnerungen an diese unstete Zeit. Reisen durch Paris, Genua, Venedig, Kephalonia, Bukarest, Deva. Jede zweite Nacht im Nachtzug unterwegs irgendwohin. Sommer 1990 mit dem Versuch alle nicht erlebten Reisen nachzuholen.

Nicht erfüllt haben sich: Nicaragua, New York, Buenos Aires.

Später am Tag lasse ich Pfingstvögel aus Schafwolle fliegen während ich “ Please don’t let me be misunderstood“ von Joe Cocker höre.

Erinnere mich, ebenfalls bei Max Frisch, in Montauk, das Zupfen von Schafwolle für das Fertigen von Figuren, gefunden zu haben.

Sonntagmorgen mit virtueller Fahrt durch Prag und Nahostkonflikt

Im Klassikradio läuft “ Schlaf mein Kind“ während ich durch die Strassen Prags fahre. Da ist die Moldau.

Ich fahre mit driveandlisten.

Stehe auf um mir einen Kaffee zu kochen. Die Wildkaninchen erobern den fremden Garten.

Die kleine Amseljungspundschar ist auch wieder da.

In der Zeit ein Artikel über den Feind im eigenen Bett. Es geht um den Nahostkonflikt. Nach der Vorlesung am Mittwoch zum ersten Mal irgendwie einen Splitter einer Idee zu fassen bekommen, um was es eigentlich geht.

Nehme mir vor, am Abend “ Die Frau die singt“ zu sehen.

Habt einen schönen Pfingstsonntag

— Tagebuch eines Landpfarrers

Man wird wohl kaum ein ernsthafteres Gespräch führen, ohne daß auf Dunkelheiten hingewiesen würde. Worüber auch immer man nachdenkt – Gefahren werden beschworen. Auffallend, daß, mit wem auch immer man spricht, die Argumente geradezu schematisch sich wiederholen. In welcher politischen Ecke der Einzelne sich eingerichtet – was die Analyse der gesellschaftlichen Situation anbelangt, weicht niemand […]

— Tagebuch eines Landpfarrers

Ein Beitrag der mich sehr nachdenklich stimmt. Leider ist die Kommentarfunktion bei dir, lieber Landpfarrer, ausgeschaltet. So konnte ich nicht um Erlaubnis fragen. Ich gehe jedoch davon aus, dass die die Möglichkeit des Teilens gewollt ist.

Uniformierung in Aussehen, Konsum, Denken- warum strebt der Mensch dahin Schaf in der Herde zu sein. Bequemlichkeit? Verführbarkeit?

Dienstag mit Stellplatzsuche, Wohnungssuche etc. in Kiel und Umgebung

In Kiel und Umland gesucht

Noch einmal nutze ich den Blog, um eventuell neue Ideen zu finden.

Ich suche für jede zweite und vierte Woche im Monat (von Freitag bis Freitag) eine Möglichkeit unterzukommen. Dabei möchte ich ungern irgendwo ein Zimmer mieten. Am liebsten wäre mir ein Wohnwagenstellplatz, ein Dauercampingplatz in der Nähe oder eine bezahlbare Einzimmerwohnung (illusorisch ich weiß).

Außerdem suche ich für mich einen Bulli, aber der ist im Moment nicht so dringend:)

Dienstag mit “ Darwin schlägt Kant“

Lese Urbaniok.

Lese Urbaniok, in der Küche.

In der Küche lese ich, um den Karakatschan im Auge zu behalten
Auf seinem Hochstand im Garten trotzt er Wind, Regen und Kälte.

Das Schützenmüssen bei Nacht scheint ihm in die Gene geschrieben.

Es ist Nacht. Es ist sein Job. Er kann nicht anders. Ab und an jault er einer am Tor entlang schlendernden jungen Hundedame hinterher. Das Fortpflanzungsprogramm läuft immer standby. Böen werfen sich gegen Wände.

Lese in der Küche bei Funzellicht, nebenan erarbeitet Karla am Telefon englische Lektüre.

Lese auch Adorno: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

Hab mich eingeschrieben im Sommersemester . Endlich.