Samstag mit Marktszene, Eifersucht – Proust und über das Lesen

Marcel sieht die Welt ausschließlich durch das Objektiv seiner Leidenschaft. ( FAZ vom 16.7.2001)

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-im-geissblatt-eine-ganze-welt-132812.html

Er hält Albertine, ohne Zweifel prägt er sie, für sein Werk.

Die Marktszene noch einmal in Angriff genommen, weil ich sie ungeduldig überflogen hatte. Und siehe, es war mir einiges entgangen.

Albertine schlägt vor, nur noch mit Sachen zu kochen bzw. kochen zu lassen die rufend auf dem Markt angepriesen werden. Marcel wird offensichtlich bange beim Gedanken an das ausschließlich regionale Einkaufen und schlägt vor , doch das ein oder andere zu bestellen. Der Grund:

„Mit Grauen aber dachte daran, wie lange ich bis zu den Gundeltrauben noch mit Albertine zusammenbleiben mußte.

Marcel ist Opfer seiner Inversion , so lese ich es in diesem Artikel der FAZ. Heißt: ist Albertine ihn nah, will er weg. Ist sie ihm fern, will er ihr nahe sein.

Weiterhin: alles in die Hölle der Eifersucht hinabziehen. Nichts ist mehr sicher , alles wird in Zweifel gezogen.

Lektion die Albertine Marcel gibt, Begehren und Bindung stehen in keinem Zusammenhang( FAZ)

Fußnote weist daraufhin, das das Selbstpastiche , Markt- Essen ein Glanzstück ist.

Und sonst?: Tellkamp kommt mit.

Freitag mit Tellkamp, Reisevorbereitungen für Dresden und Proust lesen – Die Gefangene

Soll Tellkamp mit auf die Reise nach Dresden?

Eine Gewissensfrage.

Ich habe “ Der Turm“ von Uwe Tellkamp mehrmals gelesen. Ein Roman den ich für hervorragend halte, weil er eine Atmosphäre erschafft, die noch erinnerbar, aber unwiederbringlich verloren ist.

Das Leben auf dem weißen Hirsch unter dem Radar. Literatur und Musik als Ausdruck von innerer Emigration und stiller Rebellion.

Ein Abgesang auf das Bildungsbürgertum. Ein Abgesang auf die DDR.

Kann man Tellkamp mit auf Reisen nehmen, trotz seiner Nähe zum Buchhaus Loschwitz und anderen sich am rechten Rand befindenden Institutionen?

Und sonst?

Entdeckt den Job des : Nachtbürgermeister’s

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nachtb%C3%BCrgermeister

dieses Comic : Das Überleben der Spezies von Paul Jorion Gregory Makies

Und dieses Bild von Paul Klee Angelus novus

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Angelus_Novus#/media/Datei%3AKlee-angelus-novus.jpg

Proust: Albertine ist mit Marcel auf dem Markt. Es zeigt sich deutlich, die detailverliebtheit Proust. Puh…Fordert meine Geduld über alle Massen.

Montag mit Kiel und Proust lesen–die Gefangene

Die Frage was im Herbst zu wählen ist bleibt unbeantwortet. Ich fühle mich von keiner Partei vertreten.

Neoliberalmismus, Klimawandel, Fragen über Fragen und kaum Antworten die Antworten wären.

Lese erstmalig wieder Zeitung. Mein Gott was für ein verheerendes Hochwasser.

Gelernt: Karla betreibt Austeritätspolitik.

Proust : Marcel macht sich über eine vergangene Verliebtheit Gedanken und reflektiert: hätte er nur schneller der Verliebtheit die Stromzufuhr entzogen, im Sinne von daran Denken, wäre es viel schneller vorbei gewesen.

Bei Albertine scheint ihm das nicht zu gelingen. Vielleicht weil es keine Verliebtheit ist, sondern reines besitzen wollen. Hat Marcel eigentlich einen Freundeskreis? Einen guten Freund? Ich verstehe diese Albertinegeschichte nicht. Sie machen sich das Leben gegenseitig zur Hölle.

Samstag: unterwegs in Leipzig – Schritte zu gehen- Proust lesen- Auf der Suche nach der verlorenen Zeit- Die Gefangene-

Morgens durch das noch ruhige Leipzig zu Saskia spaziert.

Ich bin selten neidisch. Jetzt war ich es. Wir standen in Saskias Dachgeschosswohnung und ich erblasste vor Neid.

Ein sehr gutes Frühstück im Cafe. Wir bewegten Themen wie Studiumswünsche von Karla, Hobbys, Musik und Südamerika. Saskia hatte eine Zeit dort gelebt und Karla erfuhr zum ersten Mal von der Zeit der Militärdiktatur. Und von H.I.J.O.S.

Wir kauften das Buch: Drei Minuten Wirklichkeit von Wolfram Fleischhauer.

Später: Noch einmal haben Karla und ich Leipzig durchstreift.

Diese kreative, vor Energie sprühende Stadt. Es fällt wirklich nicht leicht nach Hause in den Wohnwagen zurückzukehren. Was deutlich geworden ist, ist dass sich an dieser Stelle etwas ändern muss.

Grundlegend.

Ich bin mir nicht sicher, wo mich diese Veränderung hinführen wird und wie gross der Schritt ist der zu gehen ist. Nur gemacht werden muss er.

Proust: Marcel verliert sich in Eifersuchtsphantasien, weil Albertine zu den Verdurins möchte.

Man möchte Marcel zurufen: „Verdammt lebe endlich!“

Samstag mit Umentscheidung- unterwegs in Leipzig-Westwerk- Tangoorchester – Leipzig- Proust lesen Tag 7

Beim Konzert des Tangoorchesters Leipzig.

https://www.tango-orchester-leipzig.com/

Ein Konzert zum hundertsten Geburtstag von Astor Piazolla.

Gänsehautfeeling pur.

Eine Entscheidung getroffen. Wir kehren morgen für eine Woche nach Kiel zurück, pausieren, bevor es nach Dresden weiter geht. Nach diesem wirklich gelungenen, inspirierenden, harmonischen Aufenthalt in Leipzig, können wir uns nicht vorstellen, Berlin nahtlos hinzuzufügen.

Die Linie des geglückten Tages nicht abschwächen.

Regen. Noch einmal Westwerk heute.

Aktuelles

Morgen wird ein Beitrag über dieses Hostel folgen. Schöner habe ich bisher nicht gewohnt.

Karla: liest Orwell 1984 und ist gebannt von der Thematik des Sprache besetzens.

Proust: “ Wenn wir ein gewisses Alter überschritten haben, werfen die Seele des Kindes, das wir gewesen, und die Seelen der Toten, aus denen wir hervorgegangen sind, mit vollen Händen ihre Schätze und ihren bösen Zauber auf uns und verlangen, daß sie zu ihrem Teil an den neuen Gefühlen mitwirken können, die wir empfinden und in denen wir sie, nachdem wir ihr altes Bild ausgelöscht haben, in einer neuen Schöpfung wieder zusammenschmelzen“ (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit/ Die Gefangene)

Freitag mit “ Unterwegs in Leipzig- Baumwollspinnerei, Piazolla/ Proust lesen/ Albertines Augenlider und Ovid

Ovid lesen am Morgen. Die Geschichte von Alcyone und Keyx https://de.m.wikipedia.org/wiki/Alkyone_(Trachis)

Proust beschreibt Albertins Augenlider: “ Ihre Brauen die so geschwungen waren, wie ich es niemals gesehen hatte, umgaben die Wölbung der Augenlider wie ein weiches Eisvogelnest.“ ( Proust/Recherche/Die Gefangene).

Was auf mich zunächst irritierend wirkt, löst sich in der Fußnote auf: Albertines Augenlider als Metapher für Alkyone und Keyx. Die beiden Eisvögel auf dem Meer, die in Sturm und Brandung das Nest der Jungen bebrüten. Eine Metapher für Sicherheit im Ungewissen, für Seßhaftigkrit. Eine Erzählung von Abschied, Verlust, Wehmut, Treue.

Unterwegs in Leipzig: während der nächtliche Beitrag ein Rückblick gewesen ist, wird dieses nun ein Vorblick.

Wir werden zunächst die Baumwollspinnerei besuchen,https://www.spinnerei.de/ wenn das Wetter es zulässt im Park lesen und abends beim Piazollakonzert sein.

Uns beschäftigt der bevorstehende Aufenthalt in Berlin. Die Inzidenz ist, wie gehabt, hoch. Ich bin vollständig geimpft, Karla allerdings nur halb. Wir werden trotzdem fahren, Beschliessen wir beim Frühstück, es sei denn die Lage ändert sich bis morgen dramatisch.

Freitag unterwegs in Leipzig und Proust lesen/Tag 6

Mit Fragen leben.

Geplant war heute ein Besuch in Halle – Neustadt. Ich verwarf diesen Plan.

Morgens schwimmen im Kuljwirzer See. Kristallgrünes Wasser.

Nachmittags: Museum der bildenden Künste.

Fotografien von Andreas Gursky. https://m.andreasgursky.com/de

Beeindruckend, den Finger in die Wunde legend.

Proust: Marcel kommt nach Hause und reagiert mit Eifersucht auf Andree, die soeben Albertine besucht hat. In Gedanken unterstellt er den Freundinnen eine Affäre.

Donnerstag mit Quiz, Connewitz und “ Auf der Suche nach der verlorenen Zeit Tag 5- Die Gefangene- Charlus und Morel

Leipzig

Im Urlaub beginnen wir unsere eigenen Rituale zu entwickeln. Eines davon ist das tägliche Lesen im Clara Zetkin Park.

Die Linke hat heute eine Veranstaltung in der Nähe der Brücke, wir kommen hinzu, nehmen an einem Quiz teil.

Es geht um queere Themen, ich versage auf ganzer Linie, aber Karla gewinnt ein Buch über die Geschichte des Feminismus von Antje Schrupp und ist fortan am lesen.

Warum Frauen Highheels tragen

Connewitz:

Besuch einer Buchhandlung, Buch gekauft.

Proust: Charlus taucht auf und mit ihm das Thema der Homosexualität, die er, wenn auch versteckt, für damalige Verhältnisse, doch offen lebt.

Mit dem snobistischen Morel ( ist Charlus bereits in einer Beziehung mit ihm ?)

besucht er die Nichte des Westenmachers. Charlus, der älter als Morel ist, unterstützt diese entstehende Beziehung um Morel zu halten. Er begibt er sich in die Rolle des gütigen und protegierenden Schwiegervaters und genießt es , die Kontrolle zu haben bzw sie auszuweiten. Bisher ist es so, dass der alles bestimmende Faktor in Beziehungen bei Proust -Macht ist. Von Liebe schreibt er nicht.

Mittwoch-Mit dem Kajak durch Leipzig- Auf der Suche nach der verlorenen Zeit- Die Gefangene-Tag4

Leipzig vom Wasser aus. Im Kajak durch den Karl Heine Kanal.

Unglaublich schön.

Später lesend im Park. Karla liest Orwell auf Englisch, ich arbeite die Dreyfus Affäre nach, halte anschließend ein Referat, nur um zu sehen ob ich es verstanden habe. „Also es gab da eine Putzfrau die für den französischen Geheimdienst tätig war und im Abfalleimer einen Zettel mit geheimen Informationen fand.

Eine Polizeistreife zieht über die Brücke. Kein Tango heute.

Dreissig Grad. Es beginnt zu regnen. Warmer Sommerregen. Immer muss ich an solchen Tagen an eine Erzählung von Stefan Zweig denken -„Die Frau und die Landschaft.“

Noch später am Abend eine Musicalsession am Eingang des Theaters . Die Zuhörer trotzen dem Gewitter unter Regenschirmen. Eine ausgelassene Stimmung.

“ Ich will hier nicht mehr weg“, sagt Karla abermals. Und: “ ich plädiere für Zeugenschutzprogramm, neue Identität, neues Leben- hier „

Proust: Ein Kleid, das schlecht riecht, weil die Farben mit Eiweiß gebunden wurden. Ich lese den Abschnitt von Vortag noch einmal, schlage jeden Namen akribisch nach, erarbeite mir die Dreyfusaffäre. Am Ende bleibt das Gefühl nun im Text weiterlesen zu können.

Dienstag mit Leipzig per Rad und Proust die Gefangene Tag 3

Karla fährt progressiv, als wäre sie schon immer durch Grossstädte per Rad geheizt. Thomaskirche, Gewandhaus, Haus des Buches.

Sie laviert gnadenlos, fährt mitten durch eine Gruppe muskelbepackter Männer die diskutierend auf dem Fahrradweg stehen, erinnert mich an die furchtlose Springerin aus Balbec : “ die in ihrem Schwung die Schädel entsetzten alter Herren streifte‘ ( Szene der kleinen Schar/ Balbec, Zitat aus Die Gefangene“)

Am Völkerschlachtdenkmal fragt sie: „Dein Ernst Mama? Wegen dieses Klotzes im nowhere sind wir 10 km Fahrrad durch die ganze Stadt gefahren?“

In meiner Erinnerung war hier früher alles voller Leben. Jetzt sind wir allein.

Sie will weiter zu einem Vintage Laden, aber wie so viele kleine Läden in Leipzig, scheint auch dieser die Coronakrise nicht überstanden zu haben.

Später am Abend sitzen wir am Kanal. Es wird Tango gespielt. Eine greift den Rhythmus auf und bewegt sich mit einer unglaublichen Leichtigkeit tanzend über die Brücke.

“ Ach man“ , sagt Karla am liebsten würde ich für immer hier bleiben.“

Proust: ich lese die Recherche weil ich wieder lesen lernen möchte. Im letzten Jahr ist mir die Konzentration abhanden gekommen. Die Langsamkeit im proustschen Schreiben zwingt zur Konzentration. Heute geht es um die Dreyfusaffäre, Zola und “ Ich klage an“, Antisemitismus, und Äneas. Ich verstehe im Grunde nichts. Es bedarf dessen, sich die Zeit zu nehmen sich in die Materie einzuarbeiten.

Nehme mir vor jeden Abschnitt schriftlich zusammenzufassen.