Dienstag mit Frühstück und Bahncard 100 vorläufiger Beitrag

Wie stets auf Reisen, so findet sich auch jetzt ein eigener Rhythmus.

9.00 Kaffee in der Lounge. Heute lese ich über Augustinus.

Entgegen meiner Gewohnheit frühstücke ich, ein bewusster Akt der Dämmung. Ich habe mich gegen die alten Meister und für die Stasi Ausstellung entschieden. Zum ersten Mal in diesen fünfzig Jahren wage ich mich hier einen Schritt weiter.

Wer weiss ob ich danach noch Hunger habe.

Am Nachmittag werde ich Grit suchen, vielleicht lässt sich ihr Atelier noch finden. Damit ist der Kurzurlaub bereits beendet. Am Wochenende werde ich bereits am nächsten Ort sein und Satie lauschen.

Doch davon später .

Hat jemand Erfahrungen mit der Bahncard 100. Die Idee setzt sich regelrecht fest. Es wäre weniger kostenintensiv als eine Wohnung und würde zudem meinem Naturell sehr entgegenkommen. Ich bin hier wirklich an Meinungsaustausch , pro und contra , interessiert.

Auf den Spuren von Tellkamps Turm

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/uwe-tellkamp-der-turm-das-geheime-land-1692734.html

An der Elbe entlang bis zum Blauen Wunder. Dieser Weg an der Elbe ist besonders und auch im Regen ist Dresden wunderschön.

Mit der Standseilbahn zum Luisenhof, Plattleite entlage bis zur Sternwarte von Ardenne und dann all die Villen abgeklappert.

Ein besonderer Ort noch immer. Kurz vor 1989 habe ich hier einmal den Jahreswechsel verbracht. Es hatte damals etwas sehr elitäres. Ostrom eben:) Auch heute ist der “ Wille zum Zauberberg“ noch deutlich zu spüren. Kultur als Überlebensmittel und Gegenhalten gegen die äußeren Verhältnisse. So war es damals.

Sonntag mit Alleinreisen

Im Bistro spricht der Kellner jene vertraut unvertraute Sprache. Nicht sanft wie das tschechische, klar irgendwie voller Umlaute.

Dreissig Jahre ist es her, als ich voller Zweifel durch Ungarn trampte. Ich hatte L. beschworen: „Lass es uns wagen, es wird nichts passieren.“ Aber Lutz wollte die DDR nicht verlassen. Für das Stillen des Fernwehs genügten ihm Knoblauchbrote im gigantischen Ausmaß.

Ich hatte einen Zettel hingelegt: „Bin weg, weiß noch nicht wann ich wiederkomme. Ich wage die Grenze.“

Ich habe mich trampend durch Ungarn bewegt, im Freien geschlafen und bin drei oder vier Tage später wieder in Balatonalkali aufgeschlagen. Ich hatte es nicht gewagt.

Nur sechs Wochen später fuhr ich wieder los, diesmal vorbereitet, der wenige Besitz verschenkt. Niemand hatte etwas gemerkt. Ich fuhr in den Urlaub. Die letzte Nacht im Katharinenhof verbrachte ich wachend.

Budapest Keleti, Botschaft, Weiterleitung nach Zugliget Zeltlager, ARD, derselbe Rucksack wie jetzt.

„Das Kind ist in Ungarn“ , sagte mein Vater meiner Mutter am Telefon, „ich habe es in der Tagesschau gesehen.“

Lange Wochen voller Glück und Aufbruch in Budapest. Immer wieder rief mein Alleinreisen Verwunderung hervor.

Wie soll man jemanden erklären, was das Glück des allein unterwegs seins ausmacht? Ich hab es immer gehasst vom Bahnhof abgeholt zu werden. Es stört den Fluss des Autarken.Niemanden Rechenschaft schuldig sein, Aufbrechen wenn man Lust dazu hat, sich nicht absprechen müssen, die Route plötzlich ändern können.

Manchmal besuchte ich Karoly und seine Frau in Alkali am Balaton.

Was wenn ich in Zug sitzen bliebe? Der Zug wäre nach zwanzig Uhr in Budapest. Dann denke ich an Corona, und das nur Sputnik gilt. Und Karoly habe ich nicht mehr im Netz gefunden. Ob er noch lebt?

Sonntag mit on the Road again und Kierkegaard

Im Regionalzug morgens 5.00 Uhr.

Es ist noch dunkel, der Morgen ist wärmer als erwartet. Ich bin allein im Zugabteil und geniesse dieses sich sofort einstellende Gefühl des Glücks unterwegs zu sein. Vielleicht sollte ich mir doch eine Bahncard 100 zulegen.

Irgendwann. Die Wohnraumfrage ist noch immer ungelöst.

Nane coha

Lese die Geschichte von Kierkegaard und dem Antrieb seines Schreibens, schon Wittgenstein faszinierte mich. Philosophie über die Hintertreppe. Einsame menschenleere Bahnsteige.

In Elmshorn beginnt es zu dämmern

Schau dir „Fadia el Hage Erbarme Dich in arabic فاديا طنب الحاج: رحماك يا الله“ auf YouTube an

Auf dem Nachhauseweg diese Musik gehört. NDR Kultur. Die Musik besetzt mich, kenne sie, kann sie nicht zuordnen, eigentümlich vertraut.

Später fällt es mir ein Pasolinis Matthäuspassion. Bach

Hier nun diese Version auf arabisch.

Das Lacrimosa aus Mozarts Requiem gehört, während ich an der Klimmzugstange im Gym kämpfe und plötzlich eine Nachricht zur Lage in Afghanistan die Musik unterbricht.

“ Es gibt kaum Möglichkeiten die Menschen dort rauszuholen“, sagt D.

Im Radio schalte ich um, weil mir diese Beteuerungen, man hätte das nicht kommen sehen, so endlos auf den Geist gehen. Was für eine verlogene Sch ….

Mittwoch mit Saskia

Das Langhanteltraining war gerade beendet, da sah ich das Saskia angerufen hatte.

Ich bin im Land sagte sie. Saskia, die die Sägen zum Klingen bringt und die im Tango zu Hause ist. Überhaupt kenne ich wenige Menschen die sich so kompromisslos in der Kunst beheimaten.

Immer habe ich sie bewundert, für ihren Mut allein in Buenos Aires zu leben, für ihren Stil, für ihre perfektionistische Art an Dinge heranzugehen.

Und sonst? : Lese Treichel. Ostpreußen, Flucht, Traumata verpackt im kindlichen Sprachklang.

Afghanistan schockiert mich. Und mir fällt dieser Arzt aus Afghanistan ein, den ich vor Jahren im Zug traf. Der der Anna sagte sie solle gross denken. Sie sei klug, erste Reihe. Da war sie acht. Er malte Bilder für sie um ihr die Langeweile zu vertreiben. Sie kritzelte er machte was daraus.

Wir diskutierten über Afghanistan bis der Zug in Mannheim hielt. Ich war auf dem Weg zu meinem Vater.