Erinnerung DDR- der zweite Strom-sie hat das moralische Recht hier zu wohnen

Trenchcoat

So weit ich mich erinnern kann, lag unter dem Strom des Wahrnehmbaren immer noch ein zweiter, manchmal auch dritter oder vierter Strom. Die Ebenen waren verschiebbar, verzahnten sich immer wieder neu.

Ich war noch nicht ganz 18, als ich nach zwei Jahren aus dem Werk und dem Internat an der polnischen Grenze wiederkehrte. Ich war nach der Kandidatenschulung nicht in die Partei eingetreten. Kein gefestiger Klassenstandpunkt trotz ideologischer Schulung. Konsequenz: ich wurde nicht wie versprochen zum Fachhochschulstudium delegiert- eine Hand wäscht die andere, sie wissen wie das läuft Frau M.

Ich kehrte nach Halle zurück, bat meinen Vater bei ihm und seiner Tochter – meiner Halbschwester, wohnen zu dürfen. Ich durfte. Etwa drei Wochen später erhielt mein Vater Besuch. Es waren zwei

Herren mit Trenchcoat und dunklen Brillen. Mein Vater defensiv, ein ungewohnter Anblick

Ich musste das Wohnzimmer verlassen. Aus dem Nebenzimmer hörte ich meinen Vater mehrfach sagen: sie hat das moralische Recht hier zu wohnen. Genutzt hat es nichts. Später teilte mein Vater mir mit dass ich ausziehen müsse, er hätte keine Wahl.

Ich zog aus. Welchen Aufwand das zu DDR Zeiten bedeutete…ich ging zu einem Arbeitgeber auf dem Land der auch ein Zimmer anbot, nur für ein paar Wochen bevor ich das Land über Ungarn verliess.

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Madame Dekabrista- Selbstbemitleidungspost ( Achtung)

„Im Blog wirst du Madame Dekabrista geheißen. Gab da mal so ne coole Bloggerin.“

Madame Dekabrista schnurrt in meinem Nacken. Ich nehme das als Einverständnis und vielleicht auch als Versuch, meinen seit Tagen anhaltenden Brachialkopfschmerz und die Schwere wegzuschnurren.

“ Wenn ich dich nur um eins bitten dürfte….

Keine morgendlichen Spaziergänge um fünf Uhr in der Früh über meinem Rücken.“

Der Himmel hat aufgeklart. Die blöden Wildgänse rufen.

Ich verpuppe mich, einwintern. Möglich machen was möglich sein muss: Gehen können ohne gehen zu müssen. Entscheidungen aus innerer Autarkie. Die Dinge fließen lassen. Es gibt für mich nichts was mehr Bedeutung hätte: Freiheit aus Verantwortung. Beides in Einklang bringen ohne auf Gewohnheiten zurückzugreifen. Das Neue täglich erschaffen.

Die Trennungskrise in den vergangenen sechs Monaten hat mich, hat uns alle viel Kraft gekostet. Ich halte inne um aufzutanken, neu zu justieren, nicht auszubluten innerhalb der für mich fast unerträglich fest gesteckten Grenzen. Die Bahncard 100 hatte Freiheit versprochen. Es war zu früh, wir bekamen die Absprachen nicht hin. Den Schnitt ins eigene Fleisch beim Verpacken und Zurücksenden der 5 g Freiheit , spüren als wäre der Schmerz körperlich real.

Ja, für alle hier ist das eine Prüfung.

Madame Dekabrista schnurrt.

Straßenköter

Den Straßenköter in der Literatur wagen. Sprache der man anmerkt, dass sie von unten geprägt wurde .( auch)

Das ist es was ich an Espedal mag.

Es klingelt, ich bleibe liegen. Weil es egal ist, dieses Läuten. Und weil der Weg zu weit ist vom Dachzimmer nach unten.

Grau.

Der sich ausbreitenden Müdigkeit zusehen. Strategien um das Wichtige abzuspalten, frei sein wollen von allem, sich an nichts hängen. Alles loslassen können.

Letzte Abhängigkeiten lösen. Die Kontrolle über sich selbst erlangen.

Den eigenen Strassenköter von der Leine lassen und belustigt, irritiert, skeptisch und peinlich berührt seinem Treiben zuschauen. Ein seltsam schmatzendes Bellen, eine fast tollwütige Überdrehtheit. Abgedreht.

Kopfschüttelnd ihn wieder an die Leine nehmen. So angebunden ist er händelbar , schön ist er nicht.

Einer flat coated Dame wird Aufmerksamkeit gezollt.“ Vergiss es“ sage ich, “ du spinnst doch.“

Der Köter senkt den Kopf. Er hat das Heldengen auch in sich mault er.

“ Und wo? Außerdem fehlt dir Klasse. Man muss bei seinen Leisten bleiben.“

Ach, vielleicht sollte ich ihn bei ebay Kleinanzeigen verhökern. Ich hab dieses unzivilisierte Wesen so satt.

Ich habe mich satt.

Rocco und seine Brüder: im Rahmen der Neutralität gegen die Meinungsfreiheit

https://urbanshit.de/eine-installation-von-rocco-seine-brueder-in-kiel-die-keiner-sehen-soll/

Die spinnen doch, denke ich und schlage die Tageszeitung wieder zu.

Man darf die Grünen hängen aber Laschet darf nicht auf AFD Plakaten surfen.

Stürmische Böen, keine Wildgansrufe heute.

Du hast den Tag verloren

„Du hast den Tag verloren.

Du hast den Glauben an den Tag verloren, an das Erste und das Letzte, an das Neue, das es jeden Tag gibt, das es in jedem Anfang und jedem Ende gibt.

Ein neuer Tag. Es ist da, aber du siehst es nicht, dein Tag ähnelt anderen Tagen, denn du bist bereits tot. Etwas in dir ist tot …und doch lebst du, ein Halb- Leben, ein Fast Leben, ein Tod- Leben lebst du.“

Zitat aus “ Lieben“ von Espedal

Du

Erhoben und gestürzt- Pfuhlschnepfe

Wildgänse .

Kehlig ihr Ruf durch die Nacht.

Dunkelheit, Schwere, Flügelschlag der Weite. Ich schliesse das Fenster, sich dem Sirenengesang nicht aussetzen.

“ Abgründigkeit eines “ Konflikts,

Wildgans mit gestutzten Flügeln

Unzuverlässigkeit.

Auswirkung

Erhoben und gestürzt.

Nils Holgersson wäre ich gern gewesen.

Und sonst: Pfuhlschnepfe kehrt nach 2000 km Flug wieder um.

Gegenwind

https://www.spiegel.de/wissenschaft/pfuhlschnepfe-muss-nach-2000-kilometern-flug-umdrehen-a-488ba15b-a0e6-4cd7-a2db-1615319512c7