Gelesen 2021

Ayn Rand : Hymne

Franz Werfel: Die 40 Tage des Musa Dagh

Dante: Göttliche Komödie

Oscar Wilde: De profundis

Jenny Erpenbeck: Kairos

John Cowper Powy: Kultur als Lebenskunst

Thomas Mann: Tonio Kröger

Angelesen: Thomas Mann Dr. Faustus

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verloren Zeit

Ariane Koch: Die Aufdrängung

Bei der Recherche nochmals gesehen, dass der Lesefluss erst im November diesen Jahres griff. Erst dann las ich Bücher zu Ende.

Jetzt hat sich Thomas Podhostnik zwischen Franz Werfel und Ayn Rand gedrängelt. Vielleicht nicht gedrängelt, eher geschlichen. “ Der falsche Deutsche“ und warum?

Weiss nicht sage ich vielleicht weil B. damals mit ihren kleinen Kindern nach Kuba auswanderte. Wir schickten Care Pakete, ich erinnere mich. und Lina später. Lina die gegen Hilfe mietfrei wohnte um dann ebenfalls nach Kuba zu gehen. Havanna glaube ich.

Kuba hat einen Impfstoff entwickelt, die WHO erkennt ihn nicht an, sagt B.

Kuba war Stichwort ,und Jugoslawien auch. Vielleicht wegen Stanisic oder Abramovich. Sehnsuchtsorte eben wie das Deutschland von Yanez.

Dienstag mit Entwicklung der Leseroutine

Geträumt von einer Villa in der Frauen jedes Alters Skulpturen aus Marmor schlugen ,schrieben, lasen, Musik machten, sangen, malten.

Im Garten eine fließende Quelle, paradisische Zustände.

Wer hier schon länger liest, weiß dass ich in den vergangenen Jahren oft Mühe hatte länger am Stück zu lesen. Ein Teil dieses, Problems ist der schnelle Alltag, ein anderes das Handy. Am schnellen Alltag lässt sich nichts ändern, die Handybenutzung habe ich eingedämmt. Jetzt habe ich Urlaub. Meist erwache gegen 8.00 Uhr. Um niemanden zu wecken bleibe ich liegen, alles was ich jetzt schaffe ist geschafft. Einmal im Tätigkeitsmodus ist Lesen meist nicht mehr möglich. Immer braucht es Kaffee. Bis 10.00 Uhr habe ich Zeit. Am Musa Dagh spielen sich Dramen ab. Bagradians Sohn wird gelyncht aufgefunden. Er ist 12 Jahre alt. Werfel stellt die Frage nach der Menschlichkeit. Was lässt den Menschen zu solch einem Tierwesen abstürzen? Acht Tage bleiben den Belagerten noch, der Untergang beginnt, hat schon längst begonnen: mit Fleckfieber und Hunger. Der Sohn des Anführers ist tot.

Im Moment gelingt es um und bei 100 Seiten zu lesen. Es reicht nicht um die Bücherberge abzutragen, aber bei zu schnellen Lesen verinnerlicht es sich kaum. Ein Spagat. Wird der Literaturkurs helfen eine Systematik zu finden. Das Leben ist zu kurz für all die Bücher.

Montag 27.12. mit Eriyin und Altersarmut

Die Vorstellung mit blutverschmierter Maske im Konzert zu sitzen belustigte mich nur halb.

Erinye oder so. Karla hatte mich gefragt ob ich sie in die Kirche zum Konzert fahren würde “ Klar“, hatte ich gesagt, aber ich komm mit. „Hatte ich schon lange vor.“ Sprachs und ritzte mir beim rasieren des lästigen Frauenbartes die Oberlippe. Es blutete als gäbe es kein Morgen. “ Ich befürchte Gott will mich abhalten.“

“ Pflaster“ , riet Julius. “ Super“ , gab ich zurück. „Mit zugeklebtem Mund in die Kirche.“ Da ich mir aber anders nicht zu helfen wusste, befestigte ich das Pflaster doch quer. Ungeachtet der Nachbarschaft, befreite ich so das Auto von Eis. Der Plan ging auf. Die Blutung stoppte, einzig eine Schwellung blieb zurück, die man Maskenpflicht sei Dank, nicht sehen würde.

Kein Erinyendasein unterm Kreuz, nur stillschweigendes Sitzen ohne verdächtige Spuren.

Ein arbeitsreicher Tag liegt vor mir. Ob der heftigen Woche vor Weihnachten bin ich erst jetzt in der Lage die Weihnachtspost zu verschîcken. Macht nichts, dann wird es eben die russische Version des Jolkafestes.

Mit W. telefoniert und Themen wie Altersarmut gestreift. Es macht mich unglaublich hilflos und sauer zu hören, dass Menschen die ihr ganzes Leben hart gearbeitet haben, auch mit 70 noch ausgewrungen werden, weil die Rente zum Leben nicht reicht. „Geht niemals in soziale Berufe, solange die Gehälter und Umstände dort so miserabel sind“, sage ich den Kindern. „Niemand hat es verdient nach 3 bis 5 Jahren Ausbildung sowenig Geld für so viele Überstunden und Verantwortung zu bekommen.“

Dafür oder dagegen würde ich auf die Straße gehen.

Lese Werfel.

Sonntag 2. Weihnachtsfeiertag mit Daniij Trifonov

Morgens bei Karin diese Musik gefunden. Das Video mag ich sehr, die Musik auch. „Schau mal“ sagte ich zu Anna, er hat Musikerhände.“

„Gehst du davon aus, dass es anhand der Hände bei der Geburt bereits festgelegt ist, wer Musiker wird und wer nicht?, fragt Julius.

„Keine Ahnung. Aber ich finde schon, dass lange schmale Hände oft Aussagekraft haben.“ Wir belassen die Frage ohne Antwort.

Ein wenig den Vormittag auf dem Musa Dagh verbracht. Rituale um Geburt und Tod kennengelernt. Auch das das Schweigen immer stärker ist als das Sprechen. Und dieses Grauen des Genozids.

Es sind noch etwa vierhundert Seiten.

Manchmal muss ich das Buch weglegen um Luft zu bekommen.

Ein Konzert am Nachmittag. Ich setzte etwas um was ich mir seit Monaten vorgenommen hatte.

Und:

Ich habe mich zu einem Literaturkurs in Worpswede angemeldet. Möge Corona es möglich machen,

Samstag mit Heiligabend

“ Denk dran die Träume“ und die heiligen Nächte.“

Während ich darüber nachdachte, dass ich meinen eigenen, gewaltsamen Tod geträumt hatte, erklärte mir Karla auf englisch, warum sie die 12 heiligen Nächte für eine selbstgeschaffene Filterblase halten würde. Ich bin zu müde für deine Intelligenz, hatte ich abeinkend gesagt. Der Abend neigte sich zur Nacht.

Der seit Jahrzehnten wiederkehrende Traum, sei die Verbildlichung der Tötung des eigenen Potentials.“ ( So sagte es d.)

Annas Erkrankung hatte dazu geführt, dass ich aus meiner Einsamkeit wiederkehrte und beschloss es irgendwie hinzubekommen, dieses Weihnachten 21. Wir legten die Waffen nieder. Die Drei und ich kochten. Anna , bestückt mit Wärmflasche und unter Schmerzmitteln machte mit uns ein Quiz über Rammstein. (Ich schnitt nicht gut ab)Bach, Händel, Aurora, Rammstein. Julius, so stellte ich erstaunt fest, war unterdessen erwachsen geworden. Sein sarkastisch er Humor war mir neu, liesse uns aber oft in Lachtränen ausbrechen. Wann ist das denn passiert?Das ihr erwachsen geworden seid ?“

Später kam x.zum Essen. Es gab Klösse ( steinhart- kann ich einfach nicht) , Ente zum Niederknien ( Julius), und eine sizilianische Torte zum Nachtisch( Karla) Anna hatte Kochverbot. Gemeinsame Bescherung gemeinsames Activity-Spiel, der Heiligabend blieb friedlich und im Grunde entspannter als alle gewesenen Heiligabende. Kurz vor Mitternacht stand ich in der eisigen Kälte vor dem Haus. Der Vorort lag still.

Irgendein Gefühl von Zufriedenheit.

Lese Werfel ( Die 40 Tage des Musa Dagh und “ Streik“ von Ayn Rand.

Donnerstag mit Stille, Feuer, Holunderblütensirup und “ Hymne“ von Ayn Rand

Alle Messenger deinstalliert. Stille tanken im Abtauchen um nach dieser dieser arbeitsintensiven Woche aufzuladen und Energie zu sammeln für die Hamsterradtage die kommen werden.

Weihnachten drohte zu einem ähnlichen Desaster wie im vergangenen Jahr zu werden. Ich hatte keine Wahl . Es blieb nur noch loslassen. Wer will schon einen kaukasischen Kreidekreis.

Mein erstes Weihnachten seit zwei Jahrzehnten und mehr, welches ich allein verbringen werde.

Es macht mir keine Angst. Alleinsein hat mir noch nie Angst gemacht. Im Gegenteil.

Und so sitze ich am Feuer im Refugium, esse Gemüsebällchen und Bruchschokolade, werfe ab und an ein Holzscheit in die Glut, lese “ Hymne“ von Ayn Rand. Eine Orwellsch anmutende Geschichte.

Holunderblütensirup, die Ernte des vergangenen Sommers, gieße ich mit warmen Wasser auf.

Der Wunsch nach Substanz. Sich unabhängig machen.

Eine Textstelle an der ich haften blieb: “ Und Fragen lassen uns keine Ruhe. Wir wissen nicht, warum unser Fluch uns suchen macht, immer und immer wieder. Aber wir können ihm nicht wiederstehen. Er flüstert uns zu, dass es große Dinge in unserer Welt gibt, dass wir sie sie wissen können, wenn wir es versuchen-dass wir sie wissen müssen. Wir fragen warum wir wissen müssen , aber er hat keine Antworten. Wir müssen wissen um zu wissen.“