Montag mit Lektüre im Januar

Atlas Shrugged von Ayn Rand

“ Der fremde Deutsche“ Thomas

Podhostnik

H.G. Wells : Krieg der Welten

Das Vaterspiel/ Josef Haslinger

Dr. Faustus/ Thomas Mann

Das Eis-Schloß Tarjej Vesaas

Angefangen:

Imre Kertesz “ Letzte Einkehr“

Warlam Schalamow: „Über Prosa“

“ Der Ursprung“ Ayn Rand/abgebrochen

„Die Gefangene“ Marcel Proust

Thomas Podhostnik: Frame

Terezia Mora: Fleckenverlauf

Man sieht es deutlich. Ich hatte Quaranäne bedingt Zeit.

Und sonst: Erster Arbeitstag nach zwei Wochen Pause. Ohne Zweifel, sehr schön.

Was gut war: das überaus inspirierende Kollegium wieder zu sehen.

Und die Arbeit selbst natürlich.

Spaziergang in Sonne und Kälte.

Cappucino

„Fleckenverlauf“ von Terezia Mora.

Immer noch Sonntag mit Glücksmomenten

„Überhaupt, dass ich heute vieles gelesen und erfahren habe.Das ist weitem friedlicher, als zu schreiben.“

Terezia Mora “ Fleckenverlauf“/ was gut war am Tag

(Mora bezieht sich hier (gelesen) auf das Bauchspeicheldrüsenkrebstagebuch von Esterhazy.)

Erinnere mich es gelesen zu haben und dazu die Strassen auf googlestreetview entlang gefahren zu sein. ( Maus)

Glücksmomente: Text abgeschickt. Ich hatte ihn satt. Sehr sogar.

Eine Mail über die ich mich sehr freute.

Ein Telefonat mit der Heimat.

Runde am Fluss in Wind und Sonne.

Lesen von Fleckenverlauf.

Ein Marsriegel.

Terezia Mora denkt bei essen von After eight an die Minzschokolade die sie stets auf dem Bahnhof in Halle kaufte

Ich dachte beim Essen von Minzschokolade immer an After eight.

Brief nach Westberlin 1988

Es tut mir leid, dass du das in die falsche Kehle bekommen hast. Für dich ist es normal reisen zu können. Für mich nicht. Und ich reise gern wie du weißt. Ich bitte dich einfach, mir nicht allzuviel über Italien, Frankreich, Österreich zu schreiben. Ich leide unter der Beschränkung meiner Reisefreiheit.

Zur Literatur: Ich hab es mir fast gedacht, dass du in dem Besitz der Gesamtausgabe Friedrich Nietzsches bist.

Meine ersten Arbeitstage hier in Bautzen sind okay. Es ist völlig auf dem Land und meine Kolleginnen sind mehrheitlich ältere Frauen.

Unlängst war ich wieder in Prag und in Budapest auch. Ich hatte kaum noch Geld welches mir zum Umtausch zustand. Wir mussten uns entscheiden zwischen Essen und schlafen und haben uns für essen entschieden. Geschlafen haben wir in einem Hausflur im Schlafsack. am Morgen realisierten wir das da lauter Büros waren.

Ich suchte das kleine Cafe auf in dem wir damals zu viert gesessen hatten. Überhaupt versuchte ich die Tage von damals zu wiederholen. Du hast Recht. Der Hradschin ist wunderbar.

Meine Traurigkeit lässt nicht nach. Endlos schleppte sich der Zug zurück in die verhasste Heimat.

Letzter Tagebucheintrag DDR: 17.8. 1989

Die Sonne brennt die Erde aus. Meine Angst habe ich zusammen mit Ute und Franziska weggetrunken. Sie wissen von nichts.

Ich habe zu meinem Verbrauch noch 42 Mark . Nun lasse ich also alles hinter mir. Dieses Land, die Freunde. Ich will reisen, ich muss es riskieren. Ich liebe es den Rucksack mit dem wichtigsten Hab und Gut auf dem Rücken zu haben.

Letzte Zeilen. Ich räume alles aus. Ein scheußliche Gefühl. Ich vertraue Gott, wenn es ihn gibt. Er wird mich führen.

Erinnerung Prag 1988 _Gesprächsnotizen Ost-West

Was hörst du für Musik

Champion Chuck Dupree, Muddy Waters, Joe Cocker.

Was liest du?

Im Moment Steppenwolf von Hermann Hesse.

Steppenwolf ist toll. Das meinte ich vorhin zu Kafka. Es ist nicht einfach den Gedankengängen zu folgen Werden bei euch denn die Bücher verlegt?

Ja, aber es ist schwer ranzukommen.

Wollen wir zu Kafkas Grab?

Ja.

Und zum Hradschin?

Da war ich schon. Fand den nicht so besonders.

Würde es dir was ausmachen nicht von deinen Reisen zu erzählen?

Entschuldige.

Was hältst du davon wenn wir uns mal in Berlin treffen?

Entschuldige.

Warte. Ich geb dir meine Adresse. Schreib. Ich schreib auf jeden Fall zurück.

Tatsächlich entspann sich ein intensiver Briefkontakt über Literatur und Alltag. Ab und an schickte er ein Reclambuch. Wir lasen es zusammen über die Grenze hinweg.

Die letzten neun Monate der DDR hatten begonnen.

Erinnerung Prag 1988

„Wieviel Klassen habt ihr eigentlich?

Zehn

Wieso nur zehn? Hattet ihr keine Lust mehr?

Mit Lust hat das nicht viel zu tun. Es wird gesiebt. Vorher. Als Mädchen brauchst du eine 1,3 um Abitur machen zu können.“

Was macht ihr dann?

Wir arbeiten mit Menschen mit Behinderung ( Im Tagebuch: Behinderte)

Und ihr?

T. studiert Nachrichtentechnik, ich Germanistik und Philosophie.“

Was macht man mit seiner Freizeit, wenn man in der DDR lebt?

Es gibt schon ne ganze Menge. Theater, Studentenclubs, Konzerte und ihr?

Arbeiten um uns das Studium zu finanzieren.

Wieviel Stipendium bekommt ihr?

Wir bekommen kein Stipendium.

Was arbeitest du?

Ich fahr Taxi.

Samstag mit Erinnerungen-Prag 01.03. 1989/(Ist das bei euch wirklich so mit der Überbevölkerung?

(Lese in alten Tagebüchern, jedenfalls die die ich beim Verbrennen verschont habe. Eine Freundin und ich waren ins Gespräch mit zwei Touristen aus dem anderen Teil Deutschlands geraten )

Prag Cafe Nähe Karlsbrücke:

„Du“, sage ich. Ich bin mal mit nem Fernfahrer aus Westberlin beim Trampen mitgenommen worden. Er fühlte sich von den Asylanten belästigt, sprach von Überbevölkerung. Ich glaube er hat die Republikaner gewählt. Ist es bei euch wirklich so, dass ihr so unter den Asylsuchenden zu leiden habt?“

A: „Die BRD ist nun einmal eines der reichsten Länder Europas. Wir sind weit entfernt von Überbevölkerung. Meist sind die die selbst um Anerkennung zu kämpfen haben, die dann einen Sündenbock suchen.“

Ich: „Ich glaube das das bei uns nicht passieren könnte.

A: Wie erklärst du dir das?

Ich: Ich glaube unser Geschichtswissen ist besser.

A: Nein das glaube ich nicht.

Ich: Wir werden damit vollgestopft bis zum geht nicht mehr.

A: Sieh es mal so. Es ist deutsche Geschichte und ihr wollt damit nichts zu tun haben. Ihr verfälscht die Konsequenzen.

Samstag mit Pioniergruß und Spirou und Fantasio-Erinnerungen

Den Morgen in der Pionierrepublik verbracht. Ich kenne die Texte aller Lieder. „Ich trage eine Fahne und diese Fahne ist rot.“

Abtauchen in Erinnerungen. Die Mauer schützte. Die Guten waren wir. „Faschist“, das Wort vereinigte das Böse, Hässliche, Aggessive, Krieg .

Wir hatten Glück gehabt. Sich warm schreiben. Fahnenapelle, Fackelmärsche, Gruppenratssitzungen, Wehrunterricht, Produktive Arbeit, Einführung in die sozialistische Produktion, Kandidatenschule, Fünfjahresplan.

In der Ehe hat die unterschiedliche Prägung eine Rolle gespielt. „Nein, nein, der Pioniergruß kommt nicht von Spirou und Fantasio.

Und sonst?: Lese, dass die Schreibroutine Thomas Manns so nicht stattgefunden hat. Ein Ideal.

Lese Terezia Mora: so verdichten, dass es sagbar wird. Vereinfachen. Von mein Großvater hat immer getrunken zu – Großvater trinkt.

Das Haus erwacht.

Covid hat etwas hinterlassen. Eine Art Dauererkältung mit Erschöpfung. Definiere es als Postcovid.