Donnerstag sehnsuchtslos am Meer

Wozu?

Ich löste mich aus der Menge der Wartenden. Auch ich hatte den Booten sehnsüchtig hinterhergeschaut. Eines Tages würde auch ich es der Welt zeigen.

Und dem erhabenen Gedanken folgte ein lapidares : Wozu?

Wozu in ein überfülltes Boot steigen wollen, wenn der Sinn doch allein im rudern bestand?

Mein Dazutun würde in diesem Falle die Welt nicht reicher machen.

Ich wandte mich ab. Konkurrenz, sich belauern, gerufen werden. Begriffe die in mir nur diese eine Frage auslösten?

Wozu?

Es ist Schnee gefallen.

Mittwoch mit Herrndorf

Herrndorf schreibt , Kinder ziehen ihm den Stecker.

Sonne und Wind auch.

Herrndorf lesen zum 10. Mal oder so.

Eine Kursänderung danach: Schwerpunkt auf die Recherche, anschließend Ulysses.

Sonnenstrahlen Das Zimmer lichtdurchflutet. Freue mich auf die Arbeit. Jeden Tag.

In der Intensität ist das bemerkenswert.

Zeit unter Brennglas.

Eine Amsel. Sie trug etwas im Schnabel, dass ihren Kopf fast gänzlich verdeckte.

Ein Blatt vom vergangenen Herbst. Spinnwebenfeine Adern von hauchdünner Materie bedeckt durch die das Licht schien.

Die Amsel schien mir ihren Fund stolz zu zeigen. Sie schaute mit skeptischen Blick hinter der Gaze hervor.

Schau was ich gefunden habe…

Ich bedauerte keine Kamera zur Hand zu haben.

Treffen und „Als ich noch ein Tier war“ von Sünje Lewejohann

Warte auf ein Treffen. Eines von der Art die man gern vor sich herschiebt.

Surreal fallen die Sonnenstrahlen durch das Fenster. Kunstledersessel. Stille. Hinter mir entschuldigt sich eine Frau für ihr Outfit. Aber solche Treffen sagt sie, man weiß nie was man tragen soll. „Ach sieht doch keiner“, sage ich, und überhaupt glaube ich Outfit wird überbewertet.

Lese im Buch von Pasternack über die Plattenbaustadt und bekomme die Antwort auf eine Frage die mich lange beschäftigte. „Warum hatte die Staatssicherheit mich auf dem Schirm?“

Die Antwort ist verblüffend einfach.

Pasternack schreibt, die meisten Jugendlichen in Halle-Neustadt hätten angepasst gelebt, bis auf eine Minderheit die sich zum Beispiel an der Bauernstube traf. Mein Domizil. Wir haben geraucht und abgehangen. Wenn das genügte um als besorgniserrregend zu gelten, so erklärt sich auch, warum ich einige dieser Clanmitglieder später auf den IM Listen fand. Fassungslos. Außerdem war die Südparkclique viel schlimmer. Das sagt mein vierzehnjähriges Ich und das muss es wissen.

Herr X kommt.

Ein Gemisch aus Distanz, Zugewandtheit, Neutralität und Souveränität.

Wie verschlägt es einen aus Buenos aires in diese Stadt? Ein Wiedersehen, bitte nicht wieder in 7 Jahren. Er gibt mir ein Datum , noch 44 Tage.

Ich hatte mich sicher gefühlt.

Am Abend lese ich . „Als ich noch ein Tier war“ von Sünje Lewejohann. Ihre Gedichte hauen mich um, dringen unter die Haut.

Hier lege ich falsche Spuren. Es ist nicht so wie es scheint.

Um nicht zu flüchten, habe ich mein Handy außer Haus gebracht. Hinsehen, die Stille aushalten. Sich konfrontieren

Halle- Neustädter Notizen

Lesetagebuch- Pasternack, Peer:

“ Es handelt sich um einen der lebendigsten Teile des Bauhaus- Erbes, da dort Menschen ihr Leben leben.

Zugleich aber konzentrieren sich in Halle- Neustadt soziale, kulturelle und politische Probleme.

Aufgeben lässt sich der Stadtteil weder als Baubestand noch als Sozialraum.“

“ Doch war Halle- Neustadt in der DDR das größte Projekt der Errichtung einer eigenständigen Stadt gewesen.“

Terezia Mora “ Nicht sterben“

“ Es gibt keinen einzigen Märchenhelden, der nicht handelte. Man muss losgehen, haben wir gelernt, weil man nicht alles an einer Stelle finden kann.

Ja es werden uns Bestien( Untierr, Drachen, Zauberer, Bösewichte usw. begegnen, und unsere Aufgabe wird sein, sie zu besiegen.

…All das müssen wir bewerkstelligen, um nicht zu sterben, bevor wir das Elixier in unseren Besitz gebracht haben: das, was wir brauchen, um unser Leben zur Entfaltung bringen zu können. Es nicht “ in Elend “ zu leben. Die Märchen haben uns gelehrt, dass jede Situation einen Schlüssel hat. , Den man finden und anwenden muss.

Ein Märchenheld, der nicht losgeht, seine Waffe nicht findet, sie nicht anzuwenden lernt, am Scheideweg sich nicht entscheiden kann oder sich falsch entscheidet, der nicht seine Angst besiegt und angesichts der zahlreichen Schwierigkeiten nicht durchhält: stirbt bzw. Weil es keine Nichthandel den und keine töten Märchenhelden gibt, entsteht er erst gar nicht.“

Terezia Mora “ Nicht sterben“