„Zu Tod erschöpft, ja erschöpft.“

„Nein, ich glaube nicht, gerade habe ich

Ich habe mich hingelegt, ich bin einfach

Endlich einmal, einmal werde ich ausschlafen

Ich werde heute ganz früh schlafen gehen und die
Ich bin schon am Einschlafen, aber heute Abend
So geh doch einmal früher schlafen

Wie eine tote Fliege, kann ich dir gar nicht beschreiben.

Du musst aber die Müdigkeit ausschlafen.“

Ingeborg Bachmann Malina

„Denn ich habe zu lange nicht gelebt“

“ In dieser animierten Welt einer Halbwilden lebe ich,

zum ersten Mal von den Urteilen und den Vorurteilen meiner Umwelt befreit, zu keinem Urteil mehr über die Welt bereit, nur zu einer augenblicklichen Antwort, zu Geheul und Jammer, zu Glück und Freude, Hunger und Durst, denn ich habe zu lange nicht gelebt.“

Ingeborg Bachmann “ Malina“

Mittwoch: ausgesetzte Bücher

Nur noch eine Handvoll Bücher sind übrig. Die anderen fahren ICE, Paternoster, lassen sich im städtischen Krankenhaus restaurieren. Dostojewski ist im coolsten Cafe der Stadt ausgesetzt worden.

Das Zimmer wirkt merklich leerer.

Woran erinnert dich das?

An Großhennersdorf 89. Damals wusste nur niemand etwas.

Ich hatte alles verschenkt, nach und nach. Vorsichtig dosiert, damit niemand was bemerkte. Die Spinne war überall.

Das Bedürfnis einen leeren Raum zu hinterlassen.

Und dann?

Zug nach Berlin. Die Dokumente zu Jan gebracht. Wir saßen am Tresen einer Bar. Ich gab ihn den Umschlag.

Mit der Bitte: schick es mir bitte nach sobald ich ein neues Zuhause habe.

Ich war 19.

Niemand wusste von dem Vorhaben? Nein es hätte alles gefährdet.

Wie ging es weiter?

Zug nach Budapest.

Botschaft in Budapest. Überfüllt. „Sie kommen aus Deutschland? Ja.

Aus Ostdeutschland?

Ja.

Wollen sie dorthin zurück ?

Nein.

Taxi zum Zugligetlager.

Die ARD bat mich den Weg zum Eingangstor noch Mal zu gehen. Wegen der Kameraeinstellung.

Wanderrucksack auf dem Rücken. Mein Vater würde mich abends in der Tagesschau sehen.

Beweisbar?

Ja.

Sechs Wochen Streifzüge durch Budapest, zum ersten Mal mit D- Mark. Ich kaufte mir Sachen die vorher nicht erschwinglich waren. Kaffee, Langos, Eis

Der Unterschied zu heute?

Ich wäre in diesem Fall gern bis 2025 geblieben. Was zu mir gehört : die Kinder. Erst wenn sie das Nest verlassen haben, wollte ich gehen.

Abgesehen davon: Besitz beschwert mich, selbst Bücher. Das ist irritierend.

Welche Bücher bleiben?

Proust, Joyce.

Sünje Lewejohann, Frida Isberg, Wolfgang Schiffer, Marco Organo, Maxi Wander, Brigitte Reimann, Werner Bräunig.

Ich habe mich gegen Max Frisch entschieden. Ihn kann ich mir aus der Bibliothek holen.

Montag mit Rathaus

Einen riesigen Dank an die Beiden Mitarbeiterinnen, die Karla’s Anliegen bearbeiteten.

Was ist die sandinistische Befreiungsfront? Irgendwas mit Sozialismus und

Nicaragua.

Was ist magischer Realismus?

Welches Anliegen haben sie? Ausweis? Ja das klappt.

Karla und ich lesen auf roten Stufen. Sie Giaconda Belli, ich Ingeborg Bachmann.

Entschuldigung, sagt Karla, darf ich ein Foto machen? Ein biometrisches?

Wahnsinn sagt sie, was hier für Menschen arbeiten. Die Warterei könnte relativ unerträglich sein, aber der der für die Zuordnung der Anliegen zuständig ist hat tatsächlich eine besondere Art des Auftretens, freundlich, gut gelaunt, souverän, auf Augenhöhe.

Kundenorientiert sagt Karla, supercool wie er seinen Job macht. Das verändert die ganze Atmosphäre.

Ich spiele in Wien Schach mit Ivan und Karla bewirbt sich in Managua in einem Architekt*innenbüro, während wir auf roten Stufen lesen.

Stranden in Zagreb

Nachtrag zum Beitrag Flügge

Warum Zagreb?

Wir waren mit einer inklusive Gruppe in Kroatien im Urlaub. Ich betreute.

Dort war kein Krieg

Im Anschluss hatte ich ein Bewerbungsgespräch in einer anthroposophischen Einrichtung in Deva/Rumänien. Ich hatte damals noch diese Träume mit im Ausland arbeiten. Sekem in Ägypten oder Deva in Rumänien.

Ich fuhr mit dem Zug, aber die Verbindung war schlecht. Ich landete gegen Mitternacht in Zagreb auf dem Bahnhof. Ich hätte vier Stunden auf diesem menschenleeren Bahnhof warten müssen.

Es ist nichts passiert. Ich hatte einfach nur Angst. Fand ein Hotelzimmer mit megaschweren Türen. Blieb dort vier Stunden bis der nächste Zug kam.

Also nichts dramatisches. Die Stimmung in Zagreb war gedrückt. Am nächsten Morgen fuhr ich weiter.

Samstag mit Sommer- Tag 6- und Malina von Ingeborg Bachmann

Holunder ist im Verblühen.

Ligusterhecken verströmen ihren Duft, die Wiesen sind gemäht. Der Kuckuck ruft nicht mehr. Im Vorgarten blüht Fenchel, reifen Erdbeeren.

Noch einmal kann ich die Küche, die ich seit Monaten nicht mehr nutzte, bewohnen. In die Essecke stelle ich Rosen und Farn . Ich bereite Lasagne und Salat, Schmorgurken gefüllt. Die Borretschblüten verleihen dem sommerlichen Gerichten eine eigene Note .

Am Tisch unterhalten wir uns über Lou Andreas Salome und ob es möglich ist, dass Frauen und Männer befreundet sein können.

Diese Frage warfen die Mädchen in die Runde und baten Julius um seine Meinung.

Intensive Tage

Literatur: Tellkamp: es gibt nicht mehr viel zu sagen. Das Buch zerfällt in einen großartigen Teil, der stilistisch nahtlos am Turm anknüpft und den ich sehr gern gelesen habe, der andere Part bereitete mir Mühe, war oft sehr vereinfacht, kein Lesegenuss, eigentlich überall dort wo das Buch Ereignisse ab 2015 benennt – fällt es ab. Oder ich mag den Stil einfach nicht. In meinen Augen, hätte es dem Buch gut getan , sich in zwei Bücher aufzuteilen.

Malina; ich habe jetzt mit Malina von Ingeborg Bachmann begonnen.

Und sonst: dritte Woche Krankschreibung, seit gestern geht es bergauf.