Samstagszitate-beklemmende Bildkraft

„Der Prosazyklus „Todesarten“, der das Schreiben ihres letzten Lebensjahrzehnts beherrschte, legt wie kaum ein anderes Werk dieser Generation die inwendigen Verbindungen von faschistischen Erbe und einer latenten Gewaltbereitschaft des Einzelnen in demokratischen Gesellschaften offen.

Dass der Krieg zwischen den Geschlechtern und Rassen sich nicht nur auf den offen erklärten Krieg beschränkte, sondern gerade im vermeintlich friedlichen Zusammenleben seine monströse Sprengkraft behielt, hat Ingeborg Bach-Mann in beklemmender Bildkraft offen gelegt.“

Andrea Stoll “ Der dunkle Glanz der Freiheit“

Samstag mit Sinn

„Die Verletzung ist die Hebamme des Neuen, des Unterschieds.

Sie alle leiden unter dem Geschwätz und suchen nach einer Möglichkeit, ihm zu entkommen, die Stille zu erreichen, in der die Zeit steht.“

Vor die Wahl gestellt, viel Geld zu verdienen oder an der nie dagewesen Uhr zu bauen, entscheidet sich der Uhrmacher, nach nur kurzem Zögern, für die Uhr.

Der Uhrmacher arbeitet nicht des Geldes wegen. Er braucht es, wie jedermann, für die grundlegenden Bedürfnisse.“

“ Die Uhr“ v. Uwe Tellkamp

Auf dem Weg nach Hamburg um Tellkamp gegen Bachmann zu tauschen .

Donnerstag mit Hyperfokussierung

Es ist merkwürdig in Wusterwitz zurück gelassen zu werden.

Das sagte Billa, als sie mich am menschenleeren Bahnhof verabschiedete.

Man will nicht in diesen Zeiten mit dem RE unterwegs sein, aber ich überstand und landete am Abend in der kleinen Zweitwohnung. Einfach wunderschön.

Nach traumloser Nacht in die Bibliothek eingefallen, alle Vorräte von Ingeborg Bachmann Büchern eingesammelt.

Ihr Schreiben fasziniert, ein Sog. Durch den Park mit den den Fontänen zurück.

Das Ebike soll einem motorlosen Fahrrad weichen. Ich habe das selbst in die Pedale treten auf den Touren in Wusterwitz schätzen gelernt.

Heute wieder an einem Lieblingsorte, der Leichtigkeit, Gegenwart und Lebensfreude verströmt.

Zugespräche-Tinder nicht Kinder

Finally im Zug nach Hamburg. Zwei gepflegte Damen etwa Mitte sechzig.

“ Ach ich weiss gar nicht ob ich noch mal einen will. Vierzig Jahre Ehe. „

Meine Kinder sagen immer ich soll zu Tinder gehen?

Zu was?

Tinder nicht Kinder.

Ich war auch Mal in so einer Vermittlung.

Und ?

Ach zwei Mal hab ich einen getroffen
Aber das war irgendwie nichts. Ganz anders als auf dem Foto. Der eine war zu klein, der andere roch so komisch.

„Im nächsten Leben suche ich mir einen Stinkreichen.“

Später geht es um füllige ältere Frauen die von jungen Afrikanern ausgenommen werden.

“ Ach aber Männer sind auch doof. Die fallen auf Russinnen herein.“

Der Mittvierziger der den Beiden gegenübersitzt bleibt am Laptop arbeitend unbeeindruckt.

Später als der Gesprächsstoff offensichtlich dem Ende zugeht beginnt eine zu lesen.

“ Gott schützt die Liebenden“ steht auf dem Einband.

Erfrischend in der Lebendigkeit. So habe ich die letzte Zugetappe empfunden. Seit sieben Stunden unterwegs

“ Sich blind zu stellen, das gehört ab jetzt zu seinem Leben dazu.

Nur als Blinder kann er leichten Schrittes an der Seite seiner neuen , schönen, jungen Begleiterin gehen „

Zerrsichtigkeit:

Zerrsichtig war sie bestimmt. Und jetzt ist ihr alles durcheinandergeraten, die ganze Welt verseucht, von Unrat überhäuft.

Am besten man wirft die Brille weg, lässt sie ins Waschbecken fallen, verlegt sie, damit man nicht sieht, was passiert.

Aber man sieht ja doch.“

Ingeborg Bachmann und Max Frisch von Ingeborg Gleichauf