Dienstag mit Malina v. Ingeborg Bachmann und dünner Luft – eventuell temporär

Wage zu behaupten, das intensivste Buch der letzten Jahre gelesen zu haben.

Es ist jetzt unter der Haut.

In den frühen Morgenstunden lese ich den letzten Satz:

Es war Mord.

Und sonst?:

Man kann das Haus wieder verlassen. Die Hitze legte sich. Der stetige Feueralarm verstummte. Potsdam bevor es an die Ostsee zurückgeht.

Ich denke: wir haben keinen Ort mehr. Jedenfalls ist keiner für mich vorstellbar. Das verschiebt die Ebenen.

Alexander Carmele: hast du eine Idee, welches Buch auf Malina folgen könnte?

Ich habe es ganz nach oben gehoben. Dort wo die Luft dünn wird. Jetzt kann es nicht mehr atmen.

“ Was hast du in den Jahren danach erreicht?(legato) Nichts. Zuerst nichts.

Dann habe ich angefangen, die Jahre abzutragen. Das war das schwerste, weil in mir diese Zerfahrenheit war, ich habe nicht mehr die Kraft gehabt, auch nur die Akzidentien meines Unglücks wegzuräumen. Weil ich an das Unglück nicht herangekommen bin , war so viel Nebensächliches zu beseitigen, Flugplätze, Straßen,Lokale, Geschäfte, bestimmte Gerichte und Weine, sehr viele Leute, alles mögliche Gerede und Geschwätz.

In der Hauptsache aber eine Fälschung. Ich war ganz verfälscht.“

„Malina“ v. Ingeborg Bachmann

Montag mit Krokodil

„…öffnet manchmal ein wenig die Augen. Es sieht aus, als läge es nur träge da, als wartete es auf nichts…‘

“ Das Krokodil öffnet manchmal schmachtend den großen Rachen, es hängen die Fetzen, Fleischfetzen von den anderen Frauen darin, und mir fallen die Namen aller Frauen ein, die es zerissen hat, es schwimmt altes Blut auf dem Wasser, aber auch frisches Blut.“

„Ins Schwarze Meer sind aber drei Blutstropfen von mir, meine letzten, gemündet.“

Ingeborg Bachmann Malina

Samstag mit Reise

„Der längste Sommer kann beginnen. Es sind alle Straßen leer. “ Ingeborg Bachmann Malina

Aufgewacht als einer torkelnd und lamentierend gegen das mobile WC fiel. Drei Uhr morgens, ich beobachte es, belustigt- ein wenig. Das Fenster öffnen. Regenschwere Luft.

Packen, Kaffee , unterwegs werfe ich einen Brief ein. Kiels Straße sind leer. Ein Blesshuhn pickt sich Pommes aus einer Schachtel. Vielleicht ist es auch kein Blesshuhn, ich weiß es nicht.

Am Bahnhof treffe ich Karla. Letztes Jahr um die Zeit fuhren wir durch Leipzig, Prag, Dresden. Jetzt geht sie ihre eigenen Wege. Alle gehen ihre eigenen Wege. Die Welt steht offen. Anna, Julius und Freunde sind von ihrem Roadtrip wiedergekehrt. Mit dem Bulli durch Europa. Die Reise gelang.

Karla surfte in England, und bricht nun wieder auf.

Ich folge einer spontanen Einladung. Danke Billa

Alles ist in Bewegung

Immer noch Donnerstag mit Zarah Leander und Jaques Brel

Was singst du da?, fragt C. Ich kenn das. Das ist von Kayne…

Nee sage ich, das ist von Zarah Leander und ich liebe es, seit die Patentante von Karla es vor ausverkauftem Saal sang

Immer noch.

Später sitze ich auf dem Fensterbrett. Blick auf Eichen, spottende Möwen und überquellende Mülltonnen. Vorgärten waren gestern.

Höre auch Brel. La Quete, und Ami rempli mon verre . Eine Amselin sucht Futter.

Lese seit Wochen ein und dasselbe Buch. Komme nur Sätzeweise voran.

Nur nicht aus Liebe weinen https://g.co/kgs/ht9UJa