Konservativ- Lesesplitter

„Aus diesem Grund wird nun auch deutlich, warum y eine konservative Geste, ein konservativer Akt ist; in einer pluralen Welt, die gekennzeichnet ist von einem sich immer schneller vollziehenden Wandel und Fortschritt, bewirkt und bedient jenes Phänomen genau das Gegenteil. Denn es schließt einen Ort , eine Zeit und eine Motivation (oder Idee oder Überzeugung usw.) ein, bindet sie fest und lässt sie visuell gerinnen.“

Samstag mit Ulysses und Anderem

Im Iran gehen die Frauen auf die Straße. Das Internet wurde lahmgelegt. Besteht Hoffnung, dass der Mut der Frauen nicht im Keim erstickt wird?

Putin teilmobilisiert.

Ich verbringe den frühen Morgen mit Ulysses. Die Intertextualität ( stimmt der Begriff?) Ist krass. Ich mag die Leichtigkeit der Sprache trotz des Gesamtgewichtes.

lese noch immer nicht linear.

Zwanzig Minuten Adorno, eine Stunde Joyce, ein bis ein paar Stunden Verschiedenes. Genazino, Duras, Anäis Nin tauchte aus der Vergangenheit auch wieder auf, auch Instant von Amy Liptrot habe ich noch nicht beendet.

Gedankensplitter

Du bist doch nicht schlank, hatte er gesagt. Das war 1988, wir besuchten eine Feiningerausstellung. Ich wog 60 kg.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich wohl in meinem Körper gefühlt. Nie nachgedacht über Kalorien und Nahrung. In meiner Kindheit wurde ich stets als zu mager empfunden. Das Kind ist zu leicht.

Heute wiege ich 10 kg mehr. Ich will nicht erzählen was diese Bemerkung damals in Gang setzte. Warum unterwirft Frau sich diesem Körperjudging.

Anderes: beim Lesen eines Buches auf den Satz gestossen: einschreiben des eigenen Verlustes. Einem anderem das Feld überlassen.

B

Freitag mit: ich träumte zurück gewesen zu sein

Ich träumte zurück gewesen zu sein; im alten Haus in neuer Besetzung. Die alten Zimmer, die umgebaut wurden, durchstreifte ich langsam. Der Karakatschan hielt sich dicht an meiner Seite.

Wie in einem Gedankenspiel von Terezia Mora ist es gewesen: den Tag erleben, als sei man noch mal zurück gekommen.

Ich sah, dass das Haus mehr Licht bekam und im Zusammenleben erschien es, als würde jeder sich auf seinem neuen Platz, in der neuen Konstellation einfinden. Die wunderbaren Drei, X und Partnerin, die Hunde, die Katzen.

In der Realität: bekam ich um 7.39 einen Aufkleber auf meinen Ausweis.

„So wieder schick“, sagte die junge Beamtin.

Die neue Adresse. Nie mehr würde mich jemand fragen ob die Straße im Vorort noch stimmen würde

Später mahle ich Espressobohnen, während ich einen Film über Joyce sehe. Danke Ralph Butler fürs Teilen. In Moment schwanke ich zwischen dem letzten Band der Recherche und dem Beginn des Ulysses hin und her.

Donnerstag mit Leise singenden Frauen

Eine ungewöhnliche Bücherkiste für einen Lottoladen.

Treichel stand neben Gottfried Benn und Lenz neben Genazino.

Den Genazino nahmich heraus: Leise singende Frauen.

Gute Wahl. Jemand hinter mir in der Reihe. Er trug lange Haare zu weissen Jogginghosen. Nehmen sie das mit der Liebe und den Frauen auch noch mit. ( Mir sind Titel und Autor entfallen)

Warum?

Weil es gut ist.

Ich hab ein Platzproblem. Meine Wohnung ist klein. Es passiert mir relativ schnell, dass die Bücher alles übernehmen.

Sie könnten das Buch heute lesen. Es zurück bringen. Das mit der Liebe nehmen sie morgen mit.

Was steht denn drin im Buch? Genazino kenne ich nicht. Ich war skeptisch.

Lesen sie es . Genazino, leider tot, aber so ist das manchmal.

Lese: Leise singende Frauen

„You are free to invent your identy in a new city.“- instant by Amy Liptrot

You are free to invent your identy in new city.

I want to act like I’m still in my twenties, maybe get a nose-piercing and an undercut , start being polyamorous, making Skulpturen.“

I wanted to come back to a city because I’m not done yet. I want another throw of the dice.

I’m also here because a good way to get over a hopeless crush is to move another country where there are new people to get hopeless crushes on.

I didn’t choose Berlin for a particular reason; no job, no study, no lover .

I’m just here for a change/ instant/ Amy Liptrot

Amy Liptrot lesen made my day.

Und sonst?: Sneak out zum unverpackt Laden

.https://unverpackt-kiel.de/

Anna hat sich für einen Kaffee angemeldet.

Kürbis mit Maulbeeren, später Apfelkuchen.

Das Gemüse werde ich schneiden während ich Breaking bad weiter schaue.

Dienstag mit Erherzog Rudolf und Adoption

Zurück bei der Recherche. Als würde man alte liebgewonnene Bekannte wiedertreffen.

Es ist vier Uhr morgens. Der Körper behauptet ausgeschlafen zu sein.

Achselzuckend aufgestanden, Espresso gekocht, Milch aufgeschäunt. Mit dem Gebräu zurück zu den Verdurins gegangen. Cotard ist da, Swann ist da und der Bildhauer Vitadobetski auch. Stargast des Abends aber ist eine namenlose vornehme Fürstin russischer Herkunft von der gemunkelt wird, sie habe aus nächster Nähe auf Erherzog Rudolf geschossen.

Ich recherchiere im Internet, dass das Ereignis des Todes von Erherzog R. eher als erweiterten Selbstmord bezeichnet.

Verschwörungstheorien inklusive.

Verdurins servieren auf edlem Geschirr: Kalbsschnitzel Gänseleber und einen Glattbutt, der mit einer weißen Sauce, die mit Butter zu fünf Franc das Pfund zubereitet wurde. Weiterhin Langusten mit rauh gekornter Oberfläche und Kartoffelsalat aus festkochenden Kartoffeln.

Ich bemerke, dass ich solche Dinge nicht mehr essen kann ohne einen moralischen Disput in meinen Gedanken auszufechten.

Und sonst? : Noch vier Tage Bewegungsdiät. Fensterbrett mit Ausblick.

Ab Samstag beginnt das Erüben langer Spaziergänge. 2, 2, 2 so formulierte es die Instandsetzerin. Am Ende der letzten 2 sollte der Normalzustand erreicht sein.

In einer Kaffeerösterei Espressobohnen gekauft. Ein kleines Mädchen am Tresen flüstert der Bedienung zu: ich möchte, dass du mich adoptierst.

Das geht nicht, sagt sie.

Gut dann adoptiere ich dich. Warte ich frage noch schnell meine Eltern.

Die Kleine macht sich umgehend auf den Weg zur Herkunftsfamilie.

Diese sind Gäste im Cafe.

Die Bedienung versucht sich mit verzweifelten Gebärden gegenüber den irritiert schauenden Eltern verständlich zu machen.