Sonntagssequenz am 1. März

Der Wind streift noch immer unruhig um die Stadt. Die Erde bedeckt sich mit leuchtendem Grün.

„Darf ich zu XY ?“ hatte der Sohn mich gestern gefragt und erst nach meinem „Ja“ dazugefügt, dass sturmfrei wäre. Nach Außen gebe ich mich gelassen, in der Nacht aber plagt mich ein Alptraum. Die Abnabelungsphase, Nestflüchterzeit, Loslassen.

Anna fastet und lässt den Zucker weg. Gestern abend lief sie mit Bergen von geschnittenem Gemüse in ihr Zimmer unterm Dach. Ich kann mich nicht erinnern, sie jemals mit solch einer Fülle gesunder Lebensmittel gesehen zu haben. „Achso“, sagt sie, „ich hab mich auf A2 umschreiben lassen.“ Ich bemerke sarkastisch, ob sie sich an den Rat von M. erinnern könne, der empfohlen hatte sich dann auch gleich einen Organspendeausweis zuzulegen. Sie wird 18 und des Menschen Wille….

„Naja nimmst du mich halt mal auf dem Sozius mit. Aber ich leg mich nicht in die Kurven, jedenfalls war das früher mein Problem.“

„Dann wird das nichts, du bist doppelt so schwer wie ich, das kann ich nicht halten.“ Sprichts und rührt in ihrem zuckerfreien Pancaketeig. Karla bekommt auch welche ab, Proviant für die Probe.

Ob ich sie in die Stadt fahren könne, es sei verkaufsoffener Sonntag und sie brauche noch Creolen. „Wenn du mir ne Ente in Tüte mitbringst….“

„Mach ich „, sagt sie, „aber du musst mit mir heute dafür Emilia Galotti schauen. Der ist so auf neu gemacht und das mag ich eigentlich. „Aber?“

„Ich find den einfach nicht überzeugend, es würde mich interessieren was du dazu sagst.“

Wir planen den Filmnachmittag mit Gemüsesticks und Avocadodip. Wer hätte gedacht, dass nach dem Kriegstreiben der Pubertät solch ein gleichberechtigtes und bereicherndes Miteinander möglich geworden ist.

Karla erhielt gestern eine Einladung für ein Casting (MAT an der Musikschule in Hamburg). „Ich sag das ab“, sagte sie. „Ich hab mich für den Chor entschieden, weißt du doch. Ich liebe die Proben beim Chor und die Gemeinschaft. Es ist zur Zeit das wichtigste in meinem Leben und ich bin so froh zurück zu sein.“

Der Gatte versucht seinem hartnäckigen Husten beizukommen. Er hat ihn schon seit November, aber das wissen ja die Gottesdienstbesucher nicht. „Ein Huster“, sage ich „und die Kirche ist nur noch halb so voll. Vielleicht bekommst du dann zwei Wochen bezahlten Urlaub.“

Jürgen Ruhland merkte an, er wäre neulich in Kiel gewesen und hätte keine einzige Ente entdeckt. Das läge wohl daran, dass man sie hierzulande in Bäckereitüten eintackert.

Ubu geht es schlecht. Er geht mit staksigen Hinterbeinen und gequältem Blick. Morgen steht ein Tierarztbesuch an. Ich tippe auf Arthritis. Er ist 11 und so ein Hundeleben ist verdammt kurz.

Habt einen schönen Sonntag und bleibt gesund. Ich setz mich jetzt an die Rezension von „Ein russischer Roman“.

3 Gedanken zu “Sonntagssequenz am 1. März

  1. Vielleicht gibt es ja doch noch eine einzige Ente in Kiel (ich meine ausnahmsweise nicht den Citroen 2CV, die wenigen überlebenden Exemplare stehen bestimmt in verschlossenen Garagen..). Und die lebendige Ente habe ich auf der Suche nach einem neuen Boot dann übersehen. Ausserdem herrschte in der Haßberg Gegend auch ziemlich viel Verkehr und das hat die Ente vielleicht verscheucht. Das Mutterherz kann ich aus eigener Er(fahrung) beruhigen. A2 ist sicherer als die kleinen gedrosselten Verkehrshindernisse. Ich fühlte mich z.B. mit 50 PS auf einer Autobahn deutlich wohler. Da wird man nicht von einem LKW fast überrollt, wie das bei den schwachbrüstigen Motörchen der Fall ist. Und der Beifahrer oder die Sozia möge bitte nicht versuchen sich aus Hilfsbereitschaft mit in die Kurve zu legen. Einfach sitzen bleiben, dann klappt das. GUTE FAHRT und past auf Euch auf!