„Labyrinth“ von Burhan Sönmez

Im Krankenhaus war er aufgewacht, irritiert von der Umgebung und irritiert von sich selbst. Wo war er? Warum war er hier? Wer war er?

Der Rippenbruch ist geheilt. Der Bruch in seiner Erinnerung bleibt. bestehen. Man hat ihm seinen Ausweis gezeigt. „Der bist du! Du bist Boratin und ohne Erinnerung seit du von der Bosporusbrücke gesprungen bist.“ Warum er sich umbringen wollte wusste er nicht.

Sein bester Freund, jedenfalls behauptet er das zu sein, sagt er sei Musiker. Bluessänger, habe Gitarre gespielt, Konzerte mit der Band gegeben.

Nun ist er zu Hause. Warum hatte er sich mit diesen Möbeln eingerichtet? Was sollte die Statue von Maria und Jesus dort? Die waren schon tot, das wusste er, nur nicht seit wann sie es waren. Irgendwann fällt ihm die Decke auf den Kopf.

Er streift durch Istanbul wie im Nebel. Er geht in Bars. Die Frau die ihn ansieht, kennt sie ihn ? Wer ist er? Der Nebel lichtet sich nicht, die Puzzlestücke finden nicht zueinander. Der Leser begleitet Boratin auf seinen Wegen durch das Labyrinth seiner verloren gegangenen Vergangenheit.

Eine Suche nach Erinnerungsstücken, Was bleibt von einem Leben, wenn das Bewusstsein an das Vergangene gelöscht ist?

Wird man das alte Leben irgendwie weiterführen, den Faden an irgendeiner Stelle neu aufgreifen oder würde man eine völlig andere Version seiner selbst leben?

Ein melancholisch, wehmütiges Buch über das Leben und das was es im Kern ausmacht. Sehr lesenswert.

Zum Autor: Burhan Sönmez geb.1965 in Zentralanatolien ist ein kurdisch-türkischer Schriftsteller. Er studierte zunächst Jura. Sönmez unterrichtete zudem Literatur und Kreatives Schreiben. Er schreibt für verschiedene Medien und schrieb mehrere Romane.

Die deutsche Erstausgabe seines Romans „Labyrinth“ erschien am 02.03.2020 im btb Verlag, übersetzt aus dem Türkischen von Sabine Adatepe.

Ich danke der Randomhouseverlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.

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