Mittwoch mit Grandola

Manchmal steigen Lieder auf. Solche wie „Little Boxes“ von Pete Seeger , „We shall overcome“ oder“ Grandola vila morena“. (Nelkenrevolution)

Sie rufen mir zu, aus der Kindheit. Tragen rote Nelken im Knopfloch, sind in Feststimmung. Fahnen in den Fenstern, Männer nach den Maifeierlichkeiten an den Tischen vor dem Gastronom.

„Wann kommt Mutti wieder?“

Berlin, sagt er, das Studium….wichtig.

Ich darf Faßbrause haben. Die Sonne scheint. „Yo soy in hombre sincero…‘

Jetzt sind wir in Demonstrationszug. Ich sitze auf seinen Schultern. Ein russischer Soldat drückt mir einen übergroßen Teddybären in den Arm. Es macht mir Angst. Es ist der letzte 1. Mai mit meinem Vater.

Von irgendwoher schallt „Grandola vila morena.“

5 Gedanken zu “Mittwoch mit Grandola

      • Ich beziehe mich auf den Text, den ich in so einer Stimmung gerne mitsinge. Der ist recht poetisch und beschreibt eine brüderliche Welt „terra da fraternidade“, wie es sie im Realkommunismus und auch sonst nirgends jemals gegeben hat. Im Schatten eines alten Olivenbaums kommen alle zusammen. Das reale Portugal hat davon praktisch nichts. Nachdem ich eine emotionale Beziehung zu Portugal habe …

      • Ach danke für die Erläuterung. Mein Vater hat es früher immer gehört. War sehr mit Sehnsucht behaftet. Und manchmal, an Tagen wie diesen, da taucht es plötzlich wieder auf.

      • Das verstehe ich gut. Grandola war das Lied, das im Radio gespielt, der Code für den Beginn der Nelkenrevolution war. Eine Revolution, die von Teilen des Militärs ausging und das autoritäre portugiesische Regime und die blutigen Kolonialkriege beenden sollte, die bis in die 1970er Jahre hinein dauerten. Da steckt extrem viel Emotion drin …