Dienstag mit Leipzig per Rad und Proust die Gefangene Tag 3

Karla fährt progressiv, als wäre sie schon immer durch Grossstädte per Rad geheizt. Thomaskirche, Gewandhaus, Haus des Buches.

Sie laviert gnadenlos, fährt mitten durch eine Gruppe muskelbepackter Männer die diskutierend auf dem Fahrradweg stehen, erinnert mich an die furchtlose Springerin aus Balbec : “ die in ihrem Schwung die Schädel entsetzten alter Herren streifte‘ ( Szene der kleinen Schar/ Balbec, Zitat aus Die Gefangene“)

Am Völkerschlachtdenkmal fragt sie: „Dein Ernst Mama? Wegen dieses Klotzes im nowhere sind wir 10 km Fahrrad durch die ganze Stadt gefahren?“

In meiner Erinnerung war hier früher alles voller Leben. Jetzt sind wir allein.

Sie will weiter zu einem Vintage Laden, aber wie so viele kleine Läden in Leipzig, scheint auch dieser die Coronakrise nicht überstanden zu haben.

Später am Abend sitzen wir am Kanal. Es wird Tango gespielt. Eine greift den Rhythmus auf und bewegt sich mit einer unglaublichen Leichtigkeit tanzend über die Brücke.

“ Ach man“ , sagt Karla am liebsten würde ich für immer hier bleiben.“

Proust: ich lese die Recherche weil ich wieder lesen lernen möchte. Im letzten Jahr ist mir die Konzentration abhanden gekommen. Die Langsamkeit im proustschen Schreiben zwingt zur Konzentration. Heute geht es um die Dreyfusaffäre, Zola und “ Ich klage an“, Antisemitismus, und Äneas. Ich verstehe im Grunde nichts. Es bedarf dessen, sich die Zeit zu nehmen sich in die Materie einzuarbeiten.

Nehme mir vor jeden Abschnitt schriftlich zusammenzufassen.

2 thoughts on “Dienstag mit Leipzig per Rad und Proust die Gefangene Tag 3

  1. Mir geht es mit Proust genauso, obwohl ich ihn in letzter Zeit schätzen lerne. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor ihm, deshalb habe ich erst vor kurzem die Nase in die „Recherche“ gesteckt. Ich weiß noch nicht, ob ich weiterleisen werde. Auch mir ist in diesem letzten Jahr die Konzentration abhanden gekommen. Viel lieber betrachte ich den Himmel im Fenster vor dem Schreibtisch.

    1. Die Recherche ist für mich ein Weg. Vor allem deshalb , weil sie verlangsamt, vertieft. Es gibt viele Aspekte die mich stören , der Snobismus Marcels, das Festhalten bzw. Nicht in Frage stellen von Hierarchien, das sich Verlieren in endlos erscheinenden Beschreibungen oder Psychogrammen und zugleich ist es genau das was es so lesenswert macht. Als ich mit der Recherche begann, damals vor Jahren…, hatte ich nach einem Seminar mit Jochen Schmidt ein kurzes Gespräch mit ihm über die Herangehensweise, er hatte sich beim Lesen zwanzig Seiten pro Tag vorgenommen. Das habe ich damals übernommen. Heute nehme ich es so wie es kommt. Wenn es eine halbe Seite ist, ist es auch gut. Mir fehlt an vielen Stellen die Allgemeinbildung ,cdad fehlende Abitur etc…..und es bedeutet für mich permanent nacharbeiten zu müssen und ich liebe das Lernen:)