Donnerstag mit Quiz, Connewitz und “ Auf der Suche nach der verlorenen Zeit Tag 5- Die Gefangene- Charlus und Morel

Leipzig

Im Urlaub beginnen wir unsere eigenen Rituale zu entwickeln. Eines davon ist das tägliche Lesen im Clara Zetkin Park.

Die Linke hat heute eine Veranstaltung in der Nähe der Brücke, wir kommen hinzu, nehmen an einem Quiz teil.

Es geht um queere Themen, ich versage auf ganzer Linie, aber Karla gewinnt ein Buch über die Geschichte des Feminismus von Antje Schrupp und ist fortan am lesen.

Warum Frauen Highheels tragen

Connewitz:

Besuch einer Buchhandlung, Buch gekauft.

Proust: Charlus taucht auf und mit ihm das Thema der Homosexualität, die er, wenn auch versteckt, für damalige Verhältnisse, doch offen lebt.

Mit dem snobistischen Morel ( ist Charlus bereits in einer Beziehung mit ihm ?)

besucht er die Nichte des Westenmachers. Charlus, der älter als Morel ist, unterstützt diese entstehende Beziehung um Morel zu halten. Er begibt er sich in die Rolle des gütigen und protegierenden Schwiegervaters und genießt es , die Kontrolle zu haben bzw sie auszuweiten. Bisher ist es so, dass der alles bestimmende Faktor in Beziehungen bei Proust -Macht ist. Von Liebe schreibt er nicht.

7 thoughts on “Donnerstag mit Quiz, Connewitz und “ Auf der Suche nach der verlorenen Zeit Tag 5- Die Gefangene- Charlus und Morel

  1. Finde ich fein beobachtet das mit der Macht – Liebe. Wobei: Swann ist anfänglich in Odette verliebt, erst später wird es ein Machtspielchen. Auch Marcel ist in Gilbert anfänglich verliebt (und noch viel mehr in Odette, wenn auch unmöglich!). Was die schwule Liebe im Roman betrifft: Ich fand schon, dass Charlus in Morel wirklich verliebt ist – leider halt nur einseitig. Denn Morel macht ja eins auf (emotionalen) Erpresser und Charlus ‚verteidigt‘ sich ’nur‘ dagegen. Robert wiederum liebt alles was zwei Beine hat – wenn aber nie für lange. Und schließlich haben wir ja noch Marcel und Albertine. Wann und warum genau schlägt deren anfänglich echte Liebe in diese Machtspielchen um? Ich würde Deine Beobachtung weiterführen wollen und behaupten, die Lieben in der Recherche schlagen dann in Machtverhältnisse um, wenn die Eifersucht Einzug hält.
    Schaut man sich die Beziehungen der Verdurins an und Herzogin und Herzog von Guermantes, dann sind diese – vorallem zweitere – eher als eine Zweckgemeinschaft (zum Zeitpunkt der Erzählung – was war davor?) zu nennen, sind aber frei von Eifersucht. Aber mit der kannst Du Dich ja jetzt zwei Bände lang beschäftigen.

    1. Das finde ich jetzt wiederum sehr spannend. Und bin gespannt darauf wie es sich weiter entwickeln wird. Macht und Eifersucht, Kontrolle, besitzen wollen, dort wo das verliebt sein fehlt entsteht diese Dynamik nicht, danke Bert , diesen Aspekt werde ich noch mehr Aufmerksamkeit schenken.
      Zu Charlus: was will er eigentlich mit diesem Wiederkuchen Typ Morel?

      1. Charlus ist komplett in Morel verknallt. Das hat auf dem Bahnhof in Doncier (?) begonnen, als er Marcel und Robert einfach so stehen lässt. Charlus, für mich neben Marcel die zentrale Person in der Rechereche, versucht zwei Dinge zu vereinen: Den harten Mann, der Sport treibt und keinem Kampf und keinen Krieg aus dem Weg geht, sowie der „weiche, schwule“, emotionaler Intellektuller, der dazu die Geschichte hoch hält, kunstsinnig ist und auf Etikette pocht – kurz: Chalrus versucht alles, was einen Mann ausmachen kann, in einer Person zu vereinen. Wo das hinführt – siehe Band 6.
        Und Morel ist ihm, meiner Meinung nach deswegen so wichtig, weil er a) nicht nur der junge, potente LIebhaber ist (je jünger dier LIebhaber, desto jünger fühlt man sich selber) und b) es ist der Sohn, den er nie haben konnte.
        Du siehst – etwas verzwickt

      2. Aber sehr sehr spannend. Stimmt, Charlus und die Szene am Bahnhof…
        Wunderbare Beschreibung von Charlus danke. Charlus mag ich sehr in seiner Vielschichtigkeit,( im Prinzip mein Lieblingscharakter in der Recherche) deine Beschreibung hat ihn sehr klar und Bild gesetzt

    2. Diesen Charakter Morel empfinde ich fast als Zumutung, snobistisch, amoralisch, opportunistisch. Ich konnte bisher nicht eine gute Charaktereigenschaft entdecken und Charlus ist einer meiner Lieblingscharaktere hat nur kein Händchen in der Partnerwahl

      1. Na ja, Morel ist quasi ein Stricher. Er verkauft seinen Körper an den, der ihm am meisten gibt – und das ist Charlus. Man sieht ja gerne in Albertine den Fahrer / Bedienstenen Agnostelli, dem Proust ja ein paar Jahre verfallen war. Ich sehe Agnostelli eher in Morel, denn auch Agnostelli hat Proust ausgequetscht wie eine Zitrone (ging soweit, dass Proust ihm ein Flugzeug (!) gekauft hat, mit dem er dann auch noch tödlich verunglückte) derweil er sich mit seiner Verlobten vergnügte. Aber so richtig viel biographisches ist da m.W.n. nicht überliefert.

      2. Albertine und Agnostelli ergeben für mich auch kein Paar, wäre interessant zu sehen wer die Inspiration zu Albertine gewesen ist. Morel und Agnostelli , den Gedanken hatte ich noch nicht, ergibt aber Sinn.