Montag mit: unterwegs in Dresden und Proust lesen- Die Gefangene

Lieber N.

die Tage haben ihre physische und psychische Eigenständigkeit, schreibt Proust. So steht dieser Tag für mich unter dem Stern der Dankbarkeit. Ohne dein Wohnungsangebot wäre dieser Urlaub in Dresden nicht möglich gewesen.

Vielen Dank für das liebevolle und herzliche Willkommen, für deinen klugen und humorvoll geschriebenen Reiseführer voller Insidertipps, danke für das Nutzungsrecht deiner Hausbibliothek, danke an deine Kinder für die Kuscheltiere.

Ich habe mir den kleinen Hund herausgesucht, weil er mich an ein Kuscheltier aus meiner Kindheit erinnert.

Der Wasserlilie geht es gut, nur der Basilikum macht mir Sorgen. Dürfen wir die Tomaten auf deinem Balkon ernten, während ihr auf den Spuren Perseus wandelt ?

Ich habe mir heute morgen die griechische Mythologie aus einem deiner Bücherregale genommen. Proust bezieht sich auf Ixios und die Danaiden. Egal was ich im Moment lese, immer bin ich aufgefordert nachzuarbeiten .Mal ist es die Aufklärung, mal Wagner, mal die griechische Mythologie. Ein Fass ohne Boden ist meine Unwissenheit.

Gestern sind Karla und ich am Elbufer entlang geschlendert, bis plötzlich die Altstadt Dresdens am Horizont auftauchte. Du kannst dir nicht vorstellen, welch überwältigenden Eindruck dieses Bild bei uns hinterließ.

Auf uns , die geprägt sind von der überragenden Architektur Kiels.

Wir haben die Frauenkirche gesehen, sind am Albertinum vorbei im schweigenden Staunen.

Was für eine unglaublich schöne Stadt. Es ist das erste Mal, dass wir überhaupt die Mittel haben einen Urlaub dieser Art zu verbringen und ohne deine Hilfe wäre er nicht möglich gewesen.

Danke.

Karla will heute ein Schloss sehen, ich überlege welche Wahl zu treffen ist- Pillnitz oder Meißen?

Proust: schreibt über Marcels Wahn über jede Bewegung Albertines informiert zu sein. Darf man Marcel als Stalker bezeichnen?