Sonntag mit Alleinreisen

Im Bistro spricht der Kellner jene vertraut unvertraute Sprache. Nicht sanft wie das tschechische, klar irgendwie voller Umlaute.

Dreissig Jahre ist es her, als ich voller Zweifel durch Ungarn trampte. Ich hatte L. beschworen: „Lass es uns wagen, es wird nichts passieren.“ Aber Lutz wollte die DDR nicht verlassen. Für das Stillen des Fernwehs genügten ihm Knoblauchbrote im gigantischen Ausmaß.

Ich hatte einen Zettel hingelegt: „Bin weg, weiß noch nicht wann ich wiederkomme. Ich wage die Grenze.“

Ich habe mich trampend durch Ungarn bewegt, im Freien geschlafen und bin drei oder vier Tage später wieder in Balatonalkali aufgeschlagen. Ich hatte es nicht gewagt.

Nur sechs Wochen später fuhr ich wieder los, diesmal vorbereitet, der wenige Besitz verschenkt. Niemand hatte etwas gemerkt. Ich fuhr in den Urlaub. Die letzte Nacht im Katharinenhof verbrachte ich wachend.

Budapest Keleti, Botschaft, Weiterleitung nach Zugliget Zeltlager, ARD, derselbe Rucksack wie jetzt.

„Das Kind ist in Ungarn“ , sagte mein Vater meiner Mutter am Telefon, „ich habe es in der Tagesschau gesehen.“

Lange Wochen voller Glück und Aufbruch in Budapest. Immer wieder rief mein Alleinreisen Verwunderung hervor.

Wie soll man jemanden erklären, was das Glück des allein unterwegs seins ausmacht? Ich hab es immer gehasst vom Bahnhof abgeholt zu werden. Es stört den Fluss des Autarken.Niemanden Rechenschaft schuldig sein, Aufbrechen wenn man Lust dazu hat, sich nicht absprechen müssen, die Route plötzlich ändern können.

Manchmal besuchte ich Karoly und seine Frau in Alkali am Balaton.

Was wenn ich in Zug sitzen bliebe? Der Zug wäre nach zwanzig Uhr in Budapest. Dann denke ich an Corona, und das nur Sputnik gilt. Und Karoly habe ich nicht mehr im Netz gefunden. Ob er noch lebt?

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