Zeitzeugengedanken

Um ein paar Ecken bin ich eingeladen worden. Ich darf Schülern einer 9. Klasse unter der Überschrift: Demokratie,

etwas zum Leben in der DDR erzählen.

Vermutlich wird es mittlerweile schwieriger Zeitzeugen zum 9.11. 1938 zu finden. Das Thema liegt für mich eher obenauf an diesem speziellen Tag.

Was werde ich erzählen? Von heldischen Tugenden, stolz getragenen Uniformen, Idealismus, Kampf gegen den Klassenfeind zu dem merkwürdigerweise auch meine rauchende und Rotwein trinkende Großmutter gehörte. Vom Werfen eines F! Imitates im Sportunterricht.

Vom Altpapiersammeln für den Frieden, Pionierliedern wie:

von spät in der Nacht erzählten Partisanengeschichten, von Indoktrination, von Rebellion und „Flucht.“

Von Schulbildung die weitestgehend unabhängig war vom Elternhaus, vom Selbstbewusstsein der Ostfrauen im Zuge der geschaffenen Gleichberechtigung, von Polikliniken, Kinderbetreuung und Kultur für Alle.

Erzählen könnte ich auch von: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, von den veröffentlichten IM Listen der Stadt Halle, von Briefen die ihren Zielort nicht erreichten.

Es war nicht alles schlecht und nicht alles gut, aber die Idee die war ein Gegenentwurf zu einem System in dem der Mensch allein zum Konsumenten degradiert wird.

In der KN ein Beitrag über das neue Buch von Berhard Schlink die Enkelin.

https://www.tagesanzeiger.ch/die-menschen-lassen-sich-nicht-so-simpel-sortieren-736184582375

8 Gedanken zu “Zeitzeugengedanken

  1. Tatsächlich war die Idee etwas Eigenes, bei dem es um Gerechtigkeit und gewissermaßen Gleichheit des Disparaten ging, und kein Gegenentwurf zum Konsumentenstadel. Hat nicht funktioniert, weil im neuen Menschen immer der alte steckt, der alles wieder an sich reißt und für sich selbst nutzbar macht.

    • Ja ich gebe dir Recht. Ich empfinde es als Gegenentwurf, so wäre es richtiger gewesen. Schon allein wegen des Volkseigentums. Gleichheit des Disparaten: hat teilweise funktioniert und teilweise nicht. Der alte Mensch in neuen schöne Formulierung .