Samstag mit „Balkanschriftsteller“

Das Eulengedicht, welches Karla im Alter von knapp sieben Jahren, in Anlehnung an dieses Gedicht von Arne Rautenberg, schrieb, suchte ich.

Wie so oft, fand ich es nicht. Dafür aber diesen Beitrag von 2018. Es muss die Zeit gewesen sein, als in Hamburg das Bildnis Saša Stanišić überall zu sehen war. Offenbar hatte es sich zu meinem Unterbewusstsein Zurtitt verschafft. Den Roman „Herkunft“ kaufte ich dann auch und hab ihn sehr gern gelesen. (hier ein Eindruck von der Lesung im Literaturhaus)

Traum:

Wandelhalle Hamburg Hauptbahnhof

Hab unten an der Rolltreppe gesessen.

Alle fuhren nach oben. Ich nicht.

Behäbig auf einem Stuhl sitzend, einen Stapel Bücher neben mir. Zu müde und unkonzentriert um zu lesen.

Bis Stanišić behend auf die Rolltreppe sprang und mir lachend zurief:

„Balkanschriftsteller! Was für ein Blödsinn! Entweder ist man Schriftsteller oder man ist keiner!“

Ich erwiderte, meiner Meinung nach würde Herkunft prägen, die Bilder, die Sprache.

„Mich nicht“, sprach er, „ich bin ganz neu.“

Noch immer hatte ich Einwände. Neu zu sein, als Lebensqualität erscheine mir als ein schwieriges Unterfangen.

Deutete dann dann auf die Menschen, die mit grauen Gesichtern und leeren Blick durch die Wandelhalle zogen.

“ Ich bin neu, immer, jeden Tag!“

„Hej, warte, rief ich ihm hinterher. „Versprich, dass du eine neue Geschichte schreiben wirst!“

„Mal sehen“, sagte er und rief noch mal:

„Balkanschriftsteller! Was für ein Blödsinn!“

Ich fand mich beim Aufwachen neben Stapeln angelesener Bücher wieder.

Müde und zu unkonzentriert um zu lesen.