Montag mit Orpheus von Cocteau und Alltag

Mein Gott denke ich. Man kann verstehen dass Camus sich damals in Maria Casares verliebte.

Was für eine Ausstrahlung. Was für eine Schönheit.

Ich lese in gewohnter Manier, ich folge den Links. Patricia Highsmith notiert alle Lektüren die sie liest und das sind viele. Alle Filme die sie sie sieht, alle Opernaufführungen die sie hört und sieht.

Am Wegweiser entscheiden ob man folgt oder nicht. Ich folge Orpheus und der Prinzessin in die Unterwelt. Welch ein Vormittag. Jetzt bin ich aufgetaucht und völlig erschlagen. Der Film endet mit der Rückkehr zum Gewöhnlichen, Unbewussten, Alltäglichen. Der Chauffeur bezeichnet es als Sumpf.

Und sonst? Lese bis spät in die Nacht die Tagebücher von Highsmith weiter. Warum schien damals eine Tiefe möglich, die heute fast unerreichbar scheint.

Julius baut für mich einen Schreibtisch aus Eichenholz. Ein kompliziertes Konstrukt zum Aufklappen (mein Zimmer ist zu klein für eine permanente Lösung) mit integriertem Bücherregal. Er sagt ich solle mir ein Bild überlegen für die Rückseite.

Im Schneeregen zum Wohnwagen gegangen um Emcke und Frisch aus der Kälte zu holen. Noch immer krank, aber auf dem Weg der Besserung. Ich vermisse die Arbeit durchaus, genieße aber lesen zu können ohne mir die winzigen Zeitschnipsel einteilen zu müssen. Lesen geht nur mit Zeit, wenn die Beanspruchung im Alltag zu übermächtig ist kann man es vergessen. Ich denke über Stundenreduzierung nach.

5 Gedanken zu “Montag mit Orpheus von Cocteau und Alltag

    • Mich hat das auch sehr erschrocken, zumal sie ja viele jüdische Freunde hatte. Interessant wäre gewesen wie die Infizierung mit dem Antisemitismus verlief. Bei Proust findet man auch viele Stellen die durchaus antisemitisch sind. Für mich bis zum Schluss in diesen Passagen „nur“ den Zeitgeist darstellt. Schade ich hätte es gut gefunden wenn auch diese Passagen in Highsnith Büchern geblieben wären. Man muss dem Menschen das Denken zutrauen

      • Das mit Proust überrascht mich. Ich habe mit großer Freude und nicht endenden Elan „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gelesen und nichts Antisemitisches in Erinnerung. In Sachen Zensur finde ich auch, dass man die Dokumente zur freien Diskussion geben sollte. Zum Glück hat das Internet Tür und Tor geöffnet, wiewohl man heute nicht mal mehr weiß, wer was wirklich geschrieben hat. Die Digitalisierung von Texten erlaubt die beliebige Manipulation des schriftlichen Zeugnisses. Vielleicht gibt es sogar keine Schrift mehr … was für ein Schock für Proust, der noch seine Korrekturfahnen zwanzig Mal zurückgehen lassen hat 😀