Dienstag mit Moralkodex

“ Dieser Moralkodex erklärt, dass der rationale Mensch sich dem Irrationalen opfern muss, der unabhängige Mensch den Schmarotzern, der ehrliche Mensch den Unerhrlichen, der Mann der Gerechtigkeit den Ungerechten, der produktive Mensch den diebischen Faulenzern, der Mann der Integrität den kompromittieren Heuchlerm, der Mann des Selbstwertgefühls den wehleidigem Neurotikern….

Unterwirfst du dich der Moral des Opfers, ist der erste Wert den du opferst; die Moral; der nächste ist das Selbstwertgefühl.“

Atlas shrugged Ayn Rand

Ich stelle dieses Zitat Mal zur Diskussion

19 Gedanken zu “Dienstag mit Moralkodex

  1. Ich sage zu so etwas immer: Sein eigenes Ziel im Auge zu behalten, den eigenen Wunsch anzustreben, ohne anderen zu schaden, heißt auch, nicht auf Diskussionen einzugehen, die mit einem und das eigene Ziel nichts zu tun haben. Ich befürchte, dass Rand (aber ich bin noch nicht durch, vielleicht Ende dieser Woche) zu sehr das Diskutieren und Kämpfen mit ungeliebten Meinungen liebt, statt sich auf sich und ihre Ziele zu konzentrieren. Nur so ein Gedanke.

    • Ich sehe eher die Gefahr nicht genug zu fühlen. Sie würde, so glaube ich es zu verstehen, jeglicher Bedürftigkeit einen negativen Bescheid erteilen, das ist genau der Punkt an dem ich nicht mehr mitgehe. Was mir aber imponiert ist: dass sie von sich selbst fordert Selbstmitleid, Weltschmerz Halbzeiten nicht zuzulassen, da ist sie radikal. Sie sagt es in meiner Macht wievielt Gewicht ich bzw. Schmerz Beimesse. Der Verstand kann das Gefühl dominieren. Der andere Aspekt ist die Zielstrebigkeit, das produktiv sein, alles geben, Leistungsbereitschaft das schàtze ich sehr. Ich hab nicht den Eindruck dass sie diskutieren will, sie fegt ja alles beiseite was in ihren Augen ihrem Wertemaßstab nicht standhält. Bekehren ja

      • Ich lese Ayn Rand mit viel Gewinn (dafür danke ich dir sehr). Ich finde deine Analyse auch passend – nur sehe ich in ihren Schriften und Romanen wenig Utopie. Utopie in dem Sinne, wohin es geht, was ich tun, erreichen will, ohne dieses Erreichen als Antithese zu anderen zu verstehen. Die besten Stellen (bislang) in Atlas Shrugged sind die, wo Rearden diese Freude verkörpert, Dinge zu entwickeln. Das mag ich sehr. Wieso eine Welt untergehen lassen, sie erlaubt so viel. Poesie, Freude an der Natur, dem Lachen, der Fröhlichkeit, dem Tanzen, Sport und Musizieren, und zwar das Eigene, nicht das Konsumierte. Sie fegt beiseite, das stimmt, aber sie baut nichts auf, kein Argument, keine Struktur. Der Objektivismus ist ja als solche nur eine Setzung (fiktiv) von ihr. Nun, das alles belässt diesen Aufbruchsgedanken von Hank unberührt. Ich lese das gerne. Viele Grüße aus dem sehr kalten Berlin nach einem schönen, pfeifenden Spaziergang durch den Abend.

      • Sie entwirft in diesem Buch später eine Gegenwelt, die in die die Leistungsträger abtauchen. Eine schöne Utopie fand ich. Man erschafft etwas neues wird Bäcker oder Schuster und verwirklicht praktisch dieses jeder nach seinen Fähigkeiten Prinzip ohne etwas zu verschenken. Allerdings, und da stimme ich mit dir überein, liegt die Manipulation auch hier in der Auswahl der Protagonisten. Menschen mit Behinderung, psychisch oder körperlich Kranke , Alte Menschen die der Pflege bedürfen sucht man in dieser neuen Welt vergebens

      • Der Dank ist ganz auf meiner Seite, ich bin so froh über diesen Austausch.
        Auch hier weht ein kalter Wind. Viele Grüße aus dem windumwehten Kiel

      • Guten Morgen, ich bin so gespannt was du zum letzten Teil von Atlas shrugged sagst. Ich verstehe nicht wie brillantes und gewöhnliches Schreiben( damit meine ich Ärzteromaneniveau) so dicht nebeneinander existieren können. Ihre Liebesszenen sind immer gleich. Die Personenbeschreibung immer flach und zuweilen wird jetzt selbst der Plot flach. Wirklich interessant

      • Ja, das beschreibt ganz gut, aber die Verve spielt mehr eine Rolle, dieser Mut, zuzugreifen, sich zu irren, den Irrtum zu durchschreiten und weiterzumachen. Leider entgehen ihr Zwischentöne, Strukturen, die existieren, ohne direkt handgreiflich vorhanden zu sein, zum Beispiel das Problem, wie Preise entstehen, wie ein Markt in Gang kommt … all dies, muss man einfach sagen, wird von ihr mittels Moral übertüncht und als selbstverständlich hingenommen, hier steckt aber das Wunder und auch die Erklärung, warum es so wenig florierende Marktwirtschaften überhaupt gibt. Na ja … Ayn Rand ist und bleibt eine schillernde Gestalt. Ich bin noch lange nicht durch, wohlwissend, dass ich eine Vorläufer der Dallas-Seifen-Oper lese 😀 (genauso süchtig machen, im übrigen, wenn man sich einmal darauf einlässt).

      • Ich habe jetzt richtig viel Zeit zum Lesen. Bin in meinem Zimmer und werde bedient. Die Krux: Ich darf das Zimmer nur für die Toilette verlassen.

      • Ach herrje, ich hoffe, alles ist gut. Ich habe in den letzten zwei Tagen den neuen Houellebecq gelesen 🙁 … Rezension schreibe ich heute. Da weiß man erst, was man an Ayn Rand hat. Lese jetzt auch weiter. Ich kann zu deinem Schubert-Post keinen Kommentar abgeben :O … Viele Grüße

      • Ja bisher bin ich nur Erstkontakt.
        Houellebecq fällt mir sehr schwer, er ist einfach so lebensverachtend misanthropisch. Über Schubert weiss ich auch gar nicht so viel. Habe mich Mal kurz mit der Winterreise beschäftigt. Und die fand ich krass auch das subversive in den Texten

      • Ich bin schwer beeindruckt. Habe „tendenziell“ Zeit in den Sand gesetzt mit Houellebecq, heute direkt weiter Rand gelesen. Es war eine Wellness-Bad!! Ich bin froh, dass du mich dazu ermuntert hast. Jetzt lese ich Rand und anderes von ihr (Tugend des Egoismus, Fountainhead), um mein Rand-Analyse zu decken!! Ich gratuliere dir sehr. Schreibst du eine längere Rezension?

      • Ich glaube nicht, dass ich das kann. Analyse liegt mir nicht. Ich könnte höchstens zusammenfassen wie das Buch auf mich gewirkt hat, aber selbst da sehe ich kein Land. Mir fehlt da jegliches Handwerkszeug.

      • Kannst ja dann mein Geschreibsel kommentieren. Macht auch Spaß! Hoffe, du bleibst gesund. Haribo Colorado sind eine Wucht!

      • Tugend des Egoismus habe ich auch auf dem Kindle. Das werde ich auch lesen.
        Ich will ja nicht vorgreifen aber das Ende war wirklich schade. Einfach zu platt so empfand ich es. Es ist aber ein Buch, dass definitiv in mein Denken eingegriffen hat. Ich merkte beim lesen wie es völlig neue Wege bahnte. Das war beeindruckend. Ich glaube das rezensieren überlasse ich denen die es können- zum Beispiel dir