Dienstag Quarantänetag 5

Husten. Heftiger Husten.

Karla und ich diskutieren auf Whats App über Start Ups deren Mitglieder ihr eigenes Gehalt festlegen können.

Es kann funktionieren, sagt sie.

Ja aber nicht wenn es von aussen bestimmt wird. Ich erzähle von Volkseigentum, Kinder studierter Eltern die nicht studieren durften, Leistung die sich nicht lohnte.

Hat nicht funktioniert, sage ich, wenn etwas allen gehört gehört es am Ende niemanden.

Die Freiwilligkeit ist der Schlüssel.

Zerteilen mir den Dr.Faustus in 5 gleich grosse Portionen.

10 Gedanken zu “Dienstag Quarantänetag 5

  1. Tut mir leid wegen des Hustens. Den Dr. Faustus zerteilen, ist hübsch gesagt 😀 … deine Reflexionen über die DDR erzeugen jene Enge, die ich aus den sehr frühen Texten von Christoph Hein kenne. Nie vergesse ich, wie unheimlich und traurig mir beim „Tangospieler“ zumute wurde, wo Musik in einem Keller zu spielen, etwas Rebellisches besaß … noch jetzt zieht es mich hinab und legte das Buch kaum zehn Seiten gelesen wieder weg.

    • Dann muss ich etwas dagegen setzen. Es gab ja nicht nur diese Enge, klar:) Es gab das was ich jetzt beim Lesen von Ayn Rand finde, was meine Mutter fand wenn sie Scholochow oder Pasternak las. Was die Architekten versucht hatten ins Bild zu bringen als sie Hallr- Neustadt entwarfen- eine neue Stadt für neue Menschen. Was meinen Vater aus seinem pfälzischen Ort in diese vergangenheitslose Stadt trieb um etwas neues zu erschaffen. Es gab gerade am Beginn spürbare Aufwärtsbewegungen, Licht, Schwung, Ideale, Streben wenn auch. Was nicht funktioniert: den Menschen von aussen zum neuen Menschen zu machen.

      • Absolut, die Trauer, die mich befängt, hat auch mit der Desillusion zu tun, die Utopie, die verpuffte, an die Ernst Bloch, Christa Wolf und viele andere glaubten, dieser Versuch eines Neuanfanges, der in sich jäh zusammenbrach … ich bin davon nach nachhaltig betroffen. Es hat den Eigensinn von sozialen Systemen klar hervortreten lassen, diese Eigendynamik, die im übrigen auch Rand unterschätzt. Ich empfehle immer, schon alleine wegen des tollen Vokabulars und der Dynamik, „Soziale Systeme“ von Niklas Luhmann zu lesen. Vieles wird klarer, was unklar war, und unklar, was einst klar erschien 🙂 Gute Genesung!

      • Nikolas Luhmann klingt nach einem Buch, welches mir weiterhelfen könnte Licht und Klarheit in das bisher verschwommen diffuse zu bekommen. Ich warte Mal die Quarantäne ab und hoffe in den Bücherhallen in Hamburg fündig zu werden.
        Zu Dr. Faustus: befinde mich jetzt auf S 570, wenn ich es schaffen würde täglich knapp dreissig Seiten zu lesen, wäre ich am Ende der Quarantäne durch. Mein eigenes Decamerone sozusagen.
        Das Problem ist, dass ich gestern für 28 Seiten fünf Stunden gebraucht habe. Zugegeben es war viel Ablenkung dabei. Dienstliche Geschichten meist aber nicht nur. Ich kann den Faustus nicht ohne Suchmaschine lesen. Das Handy ist also immer auf Empfang. Fünf Stunden für 28 Seiten, das fand ich extrem frustrierend. Ich bräuchte drei Quarantäne oder Mal einen quartalslockdown

      • Also, bei mir klappt es, dass ich eine Email über mein Kontaktformular erhalte. Vielleicht geht’s nicht übers Handy`? Dumme Spam-Emails erhalte ich. Seltsam. Luhmann ist absolut zu empfehlen. Uneingeschränkt. Er ist sehr verschrien, aber völlig zu unrecht. Sehr lesbar. Sehr aufklärend. Sehr hilfreich 🙂

  2. Ich finde die Passage nach dem Erfolg der John-Galt-Bahn schwierig durchzustehen. Ich habe das Gefühl, das Buch ist mit Hanks-Dagnys-Affäre eigentlich beendet … Lesemühen …

    • Es wird sehr seicht danach. Ich finde auch, sie hätte Schluss machen können.
      Ich habe mich gefragt ob es eine längere Pause im Schreibprozess gab.
      Als hätte den langen langen Schlussteil eine andere Person geschrieben.