Sonntag mit Osterimpressionen

Beim Frühstück sagt Karla, Superheldenfilme fände sie blöd, man könne da nicht mitfühlen und sie schaue lieber peaky Blinders.

Anna liest aus den Känguruchroniken etwas über Voltaire und Leibnitz.


Später steht Lucia in der Tür. Komm herein. Hier findet gerade ein Schützengrabenüberspannendes Grillen statt. Und zur Mauer gewandt: „Wir bilden Geschichte nach, Ulbricht und so. Wir haben mal wieder den lichtlosen Part abbekommen. Küche und neues Wohnzimmer liegen fortan im Dauerdunkel.

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„So ein Hof mit Ziegen und Selbstversorgung, das würde mir genügen. Die Welt retten müssen jetzt andere.“

Lucia übergibt Karla ein Osterpräsent.

„Ich weiß nicht“, sage ich, „vielleicht liegt etwas in der Luft. Seit Tagen führe ich ein Hochlandrind neben mir her, in der Hoffnung irgendwann eine Hütte zu finden, das spinnen zu lernen und mir aus seinem Pullover zu stricken.“

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Lese: „Der Duft der Blumen bei Nacht“ von Leila Slimani. Sie lässt ihren Vater auferstehen.

„Ich schreibe, und ich grabe ein Loch in die Wand einer Zelle. Ich schreibe, und jede Nacht feile ich an den Gittern eines Gefängnisses. Ich schreibe und ich rette ihn, ich biete ihm Ausflüchte, Landschaften, Figuren, die ungewöhnliche Abenteuer erleben. Ich biete ihm Leben, das ihm angemessen ist. Ich gebe ihm das Schicksal zurück, das man ihm verwehrt hat.“ Leila Slimani/ Der Duft der Blumen bei Nacht.

Im Vorgarten:

Den haben drei in der Coronazeit angelegt. Wunderschön. Gartenarbeit.

Das Hochlandrind binde ich an den Staketenzaun.

Ich befreie den Thymian von der Quecke befreie.

Nach dem Vorgarten:

Lese ich zum ersten Mal James Baldwin: Giovannis Zimmer. Was für eine Sprache.

6 Gedanken zu “Sonntag mit Osterimpressionen

  1. Frohe Ostern wünsch ich ebenfalls. Was für ein toller Post! Ich will mehr übers Hochlandrind lesen 😀 … Und James Baldwins Giovannis Zimmer — ein krasses Buch. Ich habe es vor Jahrzehnten gelesen und spüre es noch in jeder Faser meines Seins nachklingen, dieser Hunger, dieser Durst, dieses Suchen, Sich-Entblößen, die Enge, die Angst, nicht sein und zeigen zu dürfen, wer man ist. Aus jeder Zeile sprüht der Mut des Schreibenden entgegen, der schreibt, um zu leben, um wieder richtig fühlen zu dürfen. Kenne kaum ein authentischeres Buch. Jean Genet hat dies nicht geschafft. Viele Grüße!

    • Vielen Dank lieber Alexander. Ich wünsche dir auch frohe Ostern.
      Das Hochlandrind freut sich, ab jetzt öfter im Blog auftauchen zu dürfen.
      Und James Baldwin: ich habe nur die ersten Sätze gelesen und fand sie atemberaubend. Im weitesten Sinne bin ich über dich auf das Buch gekommen. Über Johnson, den ich jetzt täglich lese, kam ich auf die Idee Carolin Emckes Tagesbuchaufzeichnungen auch zu lesen und sie schrieb heute über Baldwin. Bin sehr gespannt