Immer noch Dienstag mit Hochlandrind und Ariadnefaden

Man hatte es dem Hochlandrind angesehen, es fühlte sich nicht gut.

Unfrei, sagte es und kaute traurig auf den verbliebenen Grasspitzen.

Und müde. Unendlich müde.

Das Hochlandrind hatte gar nicht gehen können, weil ein Riegel am Tor war. Mit Code: 030522

Ich- die nie Riegel vor Toren akzeptierte, hatte. Der Code ist 030522 flüsterte ich ihm zu. Langsam öffnete sich das Gatter.

In den aufkommenden Wind rief ich ihm hinterher.

„Hej, was wird jetzt aus meinem Pullover? Ich wollte mir aus deinem Fell Wollfäden spinnen, einen als Ariadnefaden um den Weg zu finden, drei für den Pullover als Schutz vor rauen Winden.“

Das Hochlandrind sah müde auf, trottete dann wortlos durch das geöffnete Tor. Ich war nicht ärgerlich nur müde. Es war nicht ärgerlich, nur müde. Freiheit kann müde machen, das ist ihr Preis. Manchmal.

Aber Unfreiheit macht immer müde. Wirklich immer.

7 Gedanken zu “Immer noch Dienstag mit Hochlandrind und Ariadnefaden

  1. Der Bauer wird entzückt sein, wenn er seine Rinder wieder einsammeln muss und vielleicht horrende Summen an Entschädigungen zahlen muss an irgendwie zu Schaden gekommene touristische Spaziergänger.

    • Ist ja nur eins. Ich glaube es kann sich an Weiden halten die niemanden gehören. Es hatte vorher auch sich selbst gehört. Es ist kein Hochlandrind was sich gehören lässt. Es gehört nur sich selbst. Und ehrlich gesagt, das mag ich sehr

      • Ich habe nur an einen Vorfall gedacht bei dem eine Touristin mit Hund über eine Weide gelatscht ist auf ein Kalb zu und die Kuhmutter hat sie tot getrampelt. Der Bauer wurde zur Zahlung eines astronomischen Betrags verurteilt und war völlig ruiniert.
        Aber schon klar, man kann theoretische Betrachtungen über Freiheit anstellen, die mit den REalitäten des bäuerlichen Lebens nicht vereinbar sind.

      • Oh Gott, das Hochlandrind weiss das seine Freiheit da aufhört wo die andere beginnt. Es ist ein ganz besonderes Hichlandrind. Ich schwöre

  2. Ich mag das Hochlandrind. Nur wenige lassen sich vor keinen Karren spannen, imaginär und physisch gedacht … insofern ist es weit voraus in Gedanken und Gefühlen. Ich bin mir sicher.