Dienstag mit stillgelegt

Die Feder in die Mitte des Sturms halten

Logbuch eines Umbruchs. Abgestoßen, aber noch nicht angekommen.

Hier greifen noch die Gewohnheiten die wir uns im letzten Jahr schufen.

Ich bin noch einmal ins Haus gezogen um die Nachmittage und Abende abzudecken.

Karla spielte gestern lange Klavier. Ich hielt es für Bach, aber es war ein Stück eines Rappers.

Nachts schickte Anna diese Nachricht. Ihr Fahrrad war auf der Kieler Woche gestohlen worden.

Wer macht sowas? Fahrräder.

Menschen die Fahrräder stehlen haben keine Moral. Das antworte ich.

Es gibt Menschen, denen fehlt das Areal für Moral und Empathie. Es interagiert einfach nicht, wie stillgelegte Straßen.

Keine schöne Erkenntnis, aber so ist es: leider.

Ich quäle mich mit Tellkamp herum. Das liegt nicht an dem Buch, sondern an der Schwierigkeit sich in diesen Tagen konzentrieren zu können.

Malina von Ingeborg Bachmann wartet bereits

14 Gedanken zu “Dienstag mit stillgelegt

  1. Bin gerade beim Gantenbein gelandet. Mal sehen, ob’s abhebt. Fahrräder klauen ist das letzte. Es gibt sehr viel letztes, aber das gehört definitiv dazu. Könnte man den Mond klauen, wäre er bestimmt auch bald weg, und wir müssten Lösegeld zahlen. Viele Grüße!

    • Als Anna zwei war , und diese Geschichte erzählte ich ihr dann, war ich mit ihr im Fahrradsitz auf der Kiwo. Wir hatten uns für eine Pause auf die Bank gesetzt. Weil das Fahrrad direkt neben mir stand hatte ich es nicht abgeschlossen. Einmal nicht hingeschaut und weg war es. Das sind schon die Momente wo man den Glauben an die Menschheit verliert oder verlieren könnte

      • „Stiller“ gehört zu den wenigen Büchern, die ich mehr als zweimal gelesen habe. Ich mag Frisch. Weiß auch nicht. Jetzt lese ich Gantenbein, um ihn auf die Spur zu kommen. Ich glaube, ich habe alles von ihm gelesen … aber oft mehr atmosphärisch. Ähnlich wie du Tellkamp liest, denke ich.

      • Tellkamp : bin gerade bei diesen Spinne Metaphern und beziehe es allein auf die Vergangenheit, Staatssicherheit etc. Und diese Stellen finde ich sehr gelungen. Sie geben das Gefühl gut wieder, wie es war wenn man in den Bann der Spinne geriet.

      • Ich habe mich später aber gefragt, ob es nicht auch metaphorisch auf das Jetzt bezogen ist. Vermutlich würde sich meine Lesart ändern. Vielleicht würde ich es weniger genial finden. Über weite Strecken habe ich das Buch sehr gern gelesen bzw. lese es noch. Kapitel die zum 2015 zum Thema haben las ich ungern. . Es ging es mir so wie bei den Liebesszenen von Ayn Rand. Furchtbar. Vereinfacht. Ein völliges Abrutschen ins Banale

      • Ich mag Ayn Rand viel mehr. Sie ist sehr entschlossen, sehr klar – ihre Liebesszenen wirken schrecklich aufgesetzt, aber im Rest nimmt sie kein Blatt vor dem Mund. Ich habe einfach das Gefühl, ich weiß noch nicht wieso, dass Tellkamp nicht mit dem herausplatzt, was er sagen will. Ich wünschte, er würde loslegen, alles rauslassen, sich freischreiben … dasselbe Gefühl überkommt mich bei Thomas Mann. Aber das sind ja alles nur Eindrücke, Unfähigkeiten, den Stil zu begreifen – Proust schreibt aus dem vollen und ungebremsten Gefühl heraus, wie Beckett, wie Woolf, wie Bachmann, wie Bräunig. Ich mag das. Sinfonien aus Wörtern, Gedichte in Prosa, weltverbindende Sätze, die mitreißen. Ich wünschte, ich fände den Schlüssel zu Tellkamp oder Mann. Es ist blöd wie Josef K. vor dem Schloss zu stehen und nicht hineinzukommen 🙂

      • Und docke da an wo er die DDR aufleben lässt, im Netz der Spinne, im Straßenbelag, im Fensterkitt, in alten Zeitschriften, der Kinokultur, Filmvorführer die Filme vorführen weil sie nicht mehr Regie führen dürfen
        Diese , ich nenn es jetzt Szene, beschreibt er genau fängt sie pointiert ein.
        Der Wechsel wo man a das Gefühl bekommen kann, er kopiert Thomas ( Dr. Faustus/ Schmetterlinge) oder ist in irgendeiner Blase gefangen, sind wie eine andere Handschrift.
        Ich lese ihn durchaus als ehrlichen Schreiber, und da gebe ich dir Recht, der etwas zurückhält. Vielleicht hätte er zwei Bücher daraus machen sollen.
        Eine Rückschau und ein Pamphlet:)

      • Es ist eine Kunst, einem Text richtig zu begegnen – ich vertue mich oft, muss dann noch mal ganze Passagen lesen, und manchmal funktioniert es nicht. Wenn man einen Text nicht erschließt, liegt es meist an einem selbst. Es ist ja so oder so ein Kommunikationsangebot, deshalb wollte ich ihm nicht Unehrlichkeit unterstellen. Ich habe nur das Gefühl, würde ich mich mit ihm unterhalten, wüsste ich nicht, was er will. Ich weiß es wirklich nicht und das ist für sich genommen schon total lustig, 900 Seiten von jemandem zu lesen, denn man eigentlich nicht versteht. Alles, was ich sage, kann ja auch nur reine Mutmaßung sein, aber in diesem Fall ist es ins reine Blaue gemutmaßt.