Montag mit Sina, Bakeliet und einer Kindheit in der DDR

Hast du Zeit? Ich bin heute in Kiel. Vor einem Jahr hatten Sina und ich uns im Stasimuseum in Berlin-Lichtenberg getroffen. Tag der offenen Tür. Ich besuchte einen Workshop, der einem erklärte wie die Akten zu lesen seien.

Sina und ich hatten ausgemacht, dass wir uns genau ein Jahr später wieder treffen wollten.

Mir kamen die Instandhalter*innen dazwischen.

Frühstück im Bakeliet. Es gibt hier den besten Kaffee Kiels.

Im intensiven Gespräch das thematisch um die Zeit vor 89 kreist, denke ich plötzlich daran: wie eine Amerikanerin zu einer Chemnitzerin sagte: „Da hast du ja endlich jemanden aus deinem Volk gefunden.“

Sina und ich sind aus einem Volk. „Ich habe Akteneinsicht beantragt, erinnerst du dich? Sie sind fündig geworden. Es gibt Akten über ihn.. Es kann noch bis zu zwei Jahren dauern, bis ich Einsicht bekomme. Ich war froh zu erfahren, dass er nicht Recht hatte mit seinem: vergiss es, alle längst geschreddert.

„Hattet ihr Angst vo der Staatssicherheit?“, hatte Karla mich im Interview gefragt. “ Nein, ich hatte keine Angst, aber ich hätte sie haben sollen. Es war normal für mich, zu wissen dass jeder auch hätte Zuträger sein können. Ich habe einfach für möglich gehalten, dass der oder die Andere mit falschen Karten spielt. Bei ihm habe ich es nicht für möglich gehalten.

Langer Spaziergang am Wasser entlang.

Es wird leicht und schwer, leicht und schwer. Schwer in der Thematik der Wochenkrippe und des Wochenheimes.

Man hat den Müttern erzählt, es sei ohnehin besser, wenn die Gesellschaft das Kind erzieht unter professionellen Bedingungen. Sozialistischer Staatsbürger ab der 1.Stunde. Studien die in der CSSR zur Schließung der Wochenheime führten, wurden in der DDR unterschlagen.

Sina gab mir diesen Tipp: https://kpm.med.uni-rostock.de/fileadmin/Kliniken/znkpm/Flyer_Wochenkrippe.pdf

Leicht wurde es bei der Frage wie das Leben zu leben sei.

„Ich will das künftige Leben leben, da soll es Kekse, Marmelade, Schokolade geben, und das man immer auf dem Feld an Bäumen vorbei spazieren kann. Ich will gewöhnlich leben mit Glück“ lässt Platonow in “ Die glückliche Moskwa“ seine Protagonistin sagen.

Komm nach Berlin sagt Sina, im Winter, wenn das Wetter einen runter zieht. Wir tanzen uns durch die Clubs. Ich geh nicht in Clubs sage ich, nie, ich fühle mich zu alt dafür.

Nicht in Berlin, sagt sie, in Berlin ist das egal.

In der Nacht Ulysses gelesen. Was für ein Buch.